Nachgefragt
Männer bevorzugt: Baselbieter Fachstelle Gleichstellung äussert sich zu Lehrstellen-Inserat

Ein Baselbieter Unternehmen sorgte für Schlagzeilen: In einem Inserat für eine KV-Lehrstelle hiess es, männliche Bewerber seien bevorzugt. Der zuständige Bereichsleiter sagte gegenüber «20 Minuten», man versuche lediglich, das Team auszugleichen. Bettina Schucan ist bei der Fachstelle Gleichstellung BL für Fragen zum Gleichstellungsgesetz zuständig und äussert sich zum Stelleninserat.

Kelly Spielmann
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Für die KV-Stelle waren männliche Bewerber gesucht.

Für die KV-Stelle waren männliche Bewerber gesucht.

Symbolbild: Frank Reiser

Frau Schucan, was war Ihre Reaktion, als Sie das Inserat gesehen haben?

Bettina Schucan: Wir fänden es wichtig, dass das Inserat die Einschränkung auf Männer sachlich begründet, und dass die Begründung nicht diskriminiert. Auch Begründungen, die auf Klischees beruhen, sind nicht zulässig. Mit dem aktuellen Wortlaut – ganz ohne Erklärung – ist nachvollziehbar, dass Lesende irritiert sind.

Sind Formulierungen wie diese in Stellenausschreibungen überhaupt legal?

Grundsätzlich darf niemand aufgrund des Geschlechts benachteiligt werden. Für den Arbeitsbereich ist dies im Gleichstellungsgesetz festge­halten. Wenn eine Ausschreibung Frauen oder Männer bevorzugt, muss das sachlich gerechtfertigt sein. Ein – seltener – Grund ist, wenn nur eines der Geschlechter Sinn macht. Dass etwa als Model für Umstandsmode nur eine Frau in Frage kommt, ist klar. Häufiger dürfte der Wunsch nach einem gemischten Team der Grund sein. Gemischte Teams sind erfolgreicher. Dies haben Studien erwiesen.

Sie können die Erklärung des Unternehmens also nachvollziehen.

Wenn nun ein Betrieb sagt: Um unser Team divers zusammenzusetzen, ist bei gleicher Qualifikation aktuell ein Mann (oder aber: eine Frau) bevorzugt, ist das legitim. Das Geschlecht als Kriterium zu nehmen, ist als temporäre Massnahme zulässig, bis das Team ausgewogen zusammengesetzt ist.

In den sozialen Medien gab es negative Kommentare, weil sich Frauen geärgert haben. Überrascht Sie das?

Entscheidend ist die Begründung, weshalb ein Geschlecht bevorzugt wird. Da in diesem Fall ein Grund fehlt, vermuten viele Sexismus. Eine emotionale Debatte ist die Folge. Falls diese in sexistische Kommentare und Anfeindungen umschlägt, wird es problematisch.