Stabwechsel

FCB ist nicht mehr die Nummer eins bei Fans – YB ist die neue Fan-Hochburg

27'695 Zuschauer kamen am Wochenende ins Stade de Suisse, um den 5:1 Sieg von YB gegen Thun im Berner Derby mitzuerleben. Gleichzeitig lockte das bescheidene 1:1 des FCB im Heimspiel gegen Lugano gerade mal 21'533 Zuschauer in den St. Jakob-Park. Damit haben die Young Boys den FC Basel nicht nur sportlich überholt. YB führt neu auch bei den Zuschauerzahlen die Tabelle an: 25'135 Besucher verzeichneten die Berner bei den bisherigen 14 Heimspielen im Schnitt. Das sind 160 mehr als im Joggeli.

Damit ist der FCB erstmals seit er 2001 in den neuen St. Jakob-Park eingezogen ist nicht mehr die Nummer 1 bei den Zuschauern, wie das Onlineportal «Watson» berichtet. Noch vergangene Saison hatten die Basler trotz verlorenem Meistertitel die Berner zumindest in dieser Kategorie klar hinter sich gelassen. Seither konnte YB um mehr als 3000 Personen zulegen, während die Rotblauen mit sinkenden Zahlen zu kämpfen haben. Zum Vergleich: Noch vor fünf Jahren hatte der FCB im Schnitt fast so viele Zuschauer wie die nachfolgenden YB und St. Gallen zusammen.

«Treue zeigt sich in Saisonabos»

Für FCB-Legende und Verwaltungsrat Karl Odermatt ist die Entwicklung keine grosse Überraschung: «Das ist die Konsequenz des erfolgreichen Fussballs von YB. In Bern lechzen sie nach der jahrzehntelangen Durststrecke nach Erfolg.» Diesen gönne er YB, «das haben sie sich verdient.» Lange sei Bern vor allem eine Eishockeystadt gewesen. «Jetzt kommt der Umbruch», sagt Odermatt. Dies erinnere ihn an seine Anfänge in Basel in den 1960er Jahren. «Damals gingen auch mehr Zuschauer zum Eishockey als zum Fussball.»

Entsprechend freue er sich über die jetzigen Zuschauerzahlen: «Das belebt die Schweiz. Es wäre schön, wenn GC oder der FC Zürich auch ein paar Fans mehr hätten.» Wenn der sportliche Erfolg ausbleibt, könne der jetzige Berner Zuschauerrekord indes auch schnell wieder abflauen, sagt Odermatt. «Erfolg zieht stets viele Modefans an.» Die Treue der Fans zeige sich in den Saisonabos. Und hier liegt der FCB mit rund 19'500 verkauften Jahreskarten vor den Young Boys (18'800 Saisonkarten), auch wenn diese in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt haben. «Wie treu die Berner sind, sehen wir dann nächstes Jahr, wenn wir wieder Meister werden», meint Odermatt lachend.

«Der Erfolg war selbstverständlich»

Daniel Zurfluh vom FCB-Fanclub Bebbi wurmt der Wechsel an der Tabellenspitze. «Ich würde mir schon wünschen, dass sich das wieder ändert.» In Basel sei durch den Erfolg der vergangenen Jahre eine gewisse Fussballmüdigkeit spürbar, sagt Zurfluh. «Es war auch illusorisch, dass wir den hohen Zuschauerschnitt ewig halten können.»

Dazu komme, dass mehrere Entscheide der neuen Vereinsführung bei den Fans schlecht aufgenommen wurden, etwa die Partnerschaft mit dem indischen Verein Chennai City FC. Ausserdem sei die Meisterschaft praktisch entschieden. Und während die Fans in Bern dem Titel entgegenfiebern, ist die Aussicht auf Platz 2 in Basel weniger prickelnd.

«Die Entwicklung beim FCB hat schon angefangen, als er sportlich noch erfolgreich war», sagt David Frey vom FC Basel Fan-Club St. Jakob 1975. Plötzlich seien Champions-League-Spiele nicht mehr ausverkauft gewesen. «Viele haben den Erfolg als selbstverständlich betrachtet. Wer länger dabei ist, war sich aber bewusst, dass dies eine aussergewöhnliche Phase ist, die wir geniessen müssen», sagt Frey.

«Auch im Stadion spürt man, dass eine gewisse Übersättigung da ist», sagt Frey. Die Frage, die sich der FC Basel stellen müsse, sei, wie man die Emotionen wieder wecken könne. Er gönne den Bernern den Erfolg, so Frey: «Ob es eine Wachablösung ist, sehen wir dann, wenn YB acht Mal Meister geworden ist», witzelt er.

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