Interview

Fabiano Thaler über das diesjährige Bryysdrummle: «Das Niveau ist massiv gestiegen»

Trommelinstruktor Fabiano Thaler ist selber Teilnehmer am Bryysdrummle. Mit der bz spricht er über Technik, Ausbildung und Guggen.

Wie stufen Sie allgemein die Leistung der Tambouren ein?

Das Niveau ist massiv gestiegen. Durch die Militärmusik, immer mehr Showtruppen, die Knaben- und Mädchenmusik oder die Basler Trommelakademie findet eine Professionalisierung statt. Zudem war das Basler Preistrommeln früher eine rein Baslerische Angelegenheit, seit über zehn Jahren nicht mehr. Mit den Social Medias studieren Tambouren Filmaufnahmen von Darbietungen und lernen daraus.

Bei der Rhythmik fliessen ein konstantes Tempo, der Notenwert und die Pausen in die Bewertung ein. Da Trommeln in erster Linie eine rhythmische Angelegenheit ist, ist dies somit das wichtigste Kriterium?

Nein, die Hälfte der Bewertung macht die Technik aus. Aber die Rhythmik ist aufgewertet worden und trägt einen Viertel zur Gesamtpunktzahl bei.

Worauf ist bei der Trommel-Technik zu achten?

Die Grundlagen bilden die Bausteine des Trommelns, wie Buchstaben ein Wort und Wörter einen Satz ergeben, und müssen beherrscht werden. Wirbel, Dupfe und Schlepp sind die drei elementarsten davon.

Das Basler Trommeln hat eine typische Betonung. Nur wer die Bandbreite von pianissimo bis fortissimo beherrscht, ist auf den vorderen Rängen zu finden. Demzufolge hat der lauteste Trommelfell-Quäler keine Chance auf einen Podestplatz?

Der wäre weit weg vom Fenster. Es sollten möglichst viele Stufen in einem dynamischen Crescendo Platz haben.

Das Spektrum ist in der Dynamik somit grösser geworden?

Ja, genau. Nach unten (pianissimo) ist extrem viel gegangen. Heute werden die Schlegel nur noch ein bis zwei Zentimeter über dem Fell gehalten.

Das Tempo spielt beim Trommeln eine grössere Rolle als auch schon?

Praktisch jeder  Tambour nutzt ein Metronom, damit ist auch der Rhythmus viel stabiler geworden. Heute wird zwischen Tempo 100 und 120 getrommelt.

Urteilt die Jury hart?

Die Jury ist gegenüber früher pädagogisch und kommunikativ feinfühliger und konstruktiver geworden, sie kritisiert und begründet differenzierter.

Zwei neue Stücke sind 2019 ins Repertoire aufgenommen worden. Ist der Wettbewerb nun schwieriger geworden?

Die zwei neuen Märsche enthalten Nicht-Baslerische Elemente. Diese sind gewöhnungsbedürftig und stellen für die meisten traditionellen Basler Trommler eine Herausforderung dar.

Gute Tambouren brauchen für ihre Ausbildung auch gute Instruktoren. Gibt es genügend Trommellehrer?

Die meisten Instruktoren arbeiten ehrenamtlich und nehmen sich vermutlich nicht so viel Zeit für eine derart fundierte Ausbildung wie in nationalen Vereinen. Mein Wunsch wäre es die Instruktion  zu professionalisieren und Strukturen zu schaffen, die dabei mindestens einen Teilerwerb ermöglichen würden.

Es trommeln meist mehr Herren als Damen. Gibt es für die Frauen noch viel aufzuholen?

Mengenmässig ist das männliche Geschlecht stärker vertreten. Die Damen haben genauso beachtliche Fortschritte gemacht. Sie müssen unbedingt zum Ruesse animiert werden.

Die Basler Tambouren waren jahrelang die Nummer 1 im Land. In letzter Zeit holen aber Tambouren aus anderen Kantonen auf. Haben sich die Basler zu lange auf den Lorbeeren ausgeruht?

Auf nationaler Ebene wurde die Basler Trommelhochburg in den 80er-Jahren erobert. Ivan Kym war der Erste, ab 2010 haben massgeblich Nicht-Baslerische Spitzenkönner ihren Stempel aufgeprägt; allen voran der Zeiniger Stefan Freiermuth.

Bei vielen Basler Guggen wird die Trommelkunst ebenfalls hoch gehalten. Gibt es bald einen Vertreter einer Gugge als Trommelkönig?

Die Guggen haben sich ebenfalls massiv gesteigert. Die Guggen-Tambouren sind meistens Schlagzeuger oder ehemalige Cliquen-Tambouren. Obwohl sie oft auch sehr gute Musiker sind, werden sie vermutlich nicht mithalten können, da sie mit der Gugge keine Basler Märsche spielen.

Die Einführung einer Guggenkonkurrenz beim Offiziellen würde ich persönlich jedenfalls begrüssen.

Das «Offizielle» wird von vielen ein bisschen als elitärer Anlass aufgefasst. Sie setzen sich dafür ein, dass alle, die Lust haben, mitmachen dürfen und zur Teinahme ermutigt werden sollen. Weshalb?

Die Fasnacht ist ein Volksanlass, alle sind willkommen! Das Basler Preistrommeln soll exquisit aber nicht ausgrenzend sein.

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