Basler Gastroszene

Es knallt im «Klingeli»: Fast der gesamte Betrieb hat gekündigt

Das Klingeli wirtschaftet derzeit weit entfernt von der Rentabilität.

Das Klingeli wirtschaftet derzeit weit entfernt von der Rentabilität.

Nach der Entlassung des Barchefs kündigt fast der gesamte Betrieb solidarisch. Die Beiz hat noch mehr Sorgen.

Mit dem «Klingeli» übernahm die Rhyschänzli-Gruppe ein schweres Erbe. Die Basler Gastro-Überflieger schickten sich an, die traditionsreiche, aber auch etwas angeranzte Milieu-Beiz in ein neues Zeitalter zu überführen: Schönes Interieur anstelle schäbiger Vorhänge, Lettuce statt Wurstsalat, Gastrokultur statt Nostalgie.

Die Presse zeigte sich entzückt, als im September vergangenen Jahres das Lokal mit neuem Anstrich seine Türen öffnete.

Damals wusste die Öffentlichkeit noch nicht, mit welchen Schwierigkeiten die Rhyschänzli-Gruppe von Beginn weg zu kämpfen hatte. Diese erreichten inzwischen einen vorläufigen Höhepunkt: Fast das gesamte Team hat aus Protest gekündet.

Alte Küche war desolat: «Käfer auf jeder Etage»

Hintergrund der Auseinandersetzung ist das Zerwürfnis zwischen der Geschäftsleitung und dem Barchef. Wirt Jérôme Beurret habe ihm unvermittelt gekündigt, berichten zwei unabhängige Quellen gegenüber der bz.

Beurret sagt: «Es handelt sich um eine rein wirtschaftliche Massnahme. Ich habe auch einen Koch entlassen müssen.»

Kaum auf der Rechnung hatte Beurret, was nachher geschah. Aus Solidarität schlossen sich sechs Personen aus dem Service dem Barchef an: Sie kündigten und kritisierten die Geschäftsleitung der Rhyschänzli-Gruppe für ihren Umgang mit dem Personal.

Beurret wie auch Geschäftsführer Cyrill Lang bedauern diese Entwicklung. Beide machen jedoch die schwierige finanzielle Situation der Beiz als Grund für die Kündigung des Barchefs verantwortlich. «Wir haben das Restaurant in einem desolaten Zustand übernommen», berichtet Beurret über die Anfänge der Beiz.

Die hygienische Situation hatte einen grossen Umbau erfordert: «Wir hatten Käfer auf jeder Etage und mussten die gesamte Küche erneuern.» Das habe zu Mehrausgaben in der Höhe von mehreren Hunderttausend Franken geführt. Lang ergänzt: «Wir haben bei der Übernahme einen maroden Ort vorgefunden.» Die nicht eingeplanten Investitionen hatten zur Folge, dass das «Klingeli» gemäss Lang «weit entfernt von der Rentabilität» wirtschaftet. Es sei deshalb eine «massive» Änderung in der Entwicklung des Traditionslokals nötig, um auf die rechte Spur zu finden.

Ganz neu ist nicht, dass die rasant gewachsene Gastrogruppe zuletzt unruhige Zeiten erlebte. Im März sagte Cyrill Lang zur bz, man befinde sich «im Moment in einer sehr turbulenten Phase» . Wenig später wurde bekannt, dass die Rhyschänzli-Gruppe die wenige Monate zuvor erworbene «All Bar One» bereits wieder veräussert: Käufer ist die «Bar Rouge».

Beidseitiges Bemühen um ein gutes Ende

Zum Knall im «Klingeli» kam es Anfang Juli. Inzwischen sind jedoch alle Seiten bemüht, die Wogen zu glätten. Sowohl Lang und Beurret, aber auch mehrere Angestellte berichten gegenüber dieser Zeitung, man wolle die Arbeitsbeziehung zu einem guten Ende führen. Es hätten mehrere Gespräche stattgefunden. Der Barchef arbeitet noch bis Ende Monat im Lokal, die Service-Mitarbeitenden bis Ende August.

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