«Humbug»

Eröffnung Ende März: Basel erhält ein neues Konzertlokal

Ende März öffnet auf dem Klybeck-Areal der Club «Humbug». Ein Besuch auf der Baustelle.

Das Klybeck-Areal in Basel ist eine stadtplanerische Herausforderung. Modelle, wie die Zukunft dort aussehen könnte, sind derzeit im Architekturmuseum zu sehen. Ablesbar ist da auch, dass die Umwandlung des Industriegebiets in ein städtisches Quartier noch dauern wird.

Schnell voran geht es jedoch mit der Zwischennutzung von Teilen des Areals. Die Planungsgemeinschaft Klybeck plus, zu der Novartis, der Kanton Basel-Stadt und die BASF gehören, kündigte im März 2018 an, dass drei Gebäude im Norden des BASF-Areals zur Zwischennutzung freigegeben werden. Laufzeit fünf Jahre.

Im Dezember sind bereits erste Mieter eingezogen. Darunter Künstlerinnen und Künstler der ehemaligen Ateliergemeinschaft Klingental, eine Architektengemeinschaft, die Redaktion der Quartierzeitung «Mosaik», der Verein Migranten helfen Migranten und der Verein Werk Raumkollektiv.

Zurzeit laufen die finalen Umbauarbeiten zu demjenigen Projekt, das zum öffentlichen Herzstück des Areals werden könnte: dem Club «Humbug».

Ein Drahtseilakt, der Spass macht

Die Bühnenpodeste stehen schon da, auch ein paar Scheinwerfer. Eben wird die Türe zum neuen Notausgang in der Halle 104 montiert. Die braucht es, denn der Konzert- und Theaterraum soll bis zu 300 Besucher fassen können. Die Bar steht bereits als Rohbau, aber es ist noch ein Lauf bis zur Eröffnung am 29. März.

Charlotte Wirthlin, Gian Luca Hofmann und Markus Wolff unterbrechen die Umbauarbeiten, um im Büro über der 132 Quadratmeter grossen und sechs Meter hohen Halle ihr Projekt zu erklären. Denn es stellt sich schon die Frage: Warum braucht Basel einen weiteren Veranstaltungsraum für Konzerte, Partys und Kleintheater?

Markus Wolff sagt: «Eigentlich bringt mich diese Frage in Verlegenheit. Ich denke nicht in Kategorien wie Unique Selling Propositions. Zuallererst hat uns dieser Raum angesprochen, der einfach fantastisch ist. Und wir haben schon den Anspruch, Künstler nach Basel zu bringen, die sonst hier fehlen», so Wolff. «Wir geben der improvisierten Musik und Theaterexperimenten einen Raum. Einfach, weil ich diese Künstlerinnen und Künstler sehr schätze. Letztendlich ist es aber ein gesellschaftliches Projekt. Vielleicht gelingt es uns, gemeinsam mit dem Publikum einen Ort zu entwickeln, den es so bisher noch nicht gab.»

Der 53-jährige Schauspieler – er gehörte unter anderem zu Christoph Marthalers Ensemble in Zürich – hat erste Erfahrungen als Wirt, Clubbetreiber und Veranstalter im «Alten Zoll» gesammelt. Mit dem Verein Kultur Kieswerk St. Johann hat er nun den «Humbug» aufgegleist.

Mit im Boot ist die Wirtin des gleich über der Strasse liegenden Restaurants «Platanenhof», Charlotte Wirthlin. Sie sagt: «Es braucht den ‹Humbug› unbedingt in diesem Quartier, gerade weil er in seiner Mitte liegt, anders als der Hafen, der eine andere Klientel anzieht. Hier haben wir die Möglichkeit, unterschiedlichste Menschen anzusprechen, vor allem auch aus der Nachbarschaft.»

Generationenübergreifend

Im Vorstand des Trägervereins sind neun Personen, die intensiv an den Vorbereitungen arbeiten. Alle noch ohne Bezahlung. Warum so viel Energie in eine Sache investieren, die dann doch nur fünf Jahre dauert? Wolff sagt: «Wir leben in einer Zeit, in der nicht alles ewig gehen muss. Vielleicht sind wir ja erfolgreich, dann wird es woanders weitergehen.»

Gian Luca Hofmann doppelt nach: «Wenn immer alles auf der sicheren Seite ist, entstehen auch keine spannenden Dinge. Gerade das Risiko macht solche Projekte doch interessant.» Der gelernte Grafiker hat seine Sporen als Veranstalter bei verschiedenen Festivals abverdient, «eher subkulturell geprägte Sachen», wie er sagt.

Am Ende des Tages zählt dann aber doch der Kontostand. Für den Umbau hat die Christoph Merian Stiftung 50'000 Franken bereitgestellt, rund ein Fünftel des Umbaubudgets. Die ersten beiden Jahre unterstützt die CMS das Programm mit je 15'000 Franken. Ein Förderverein und weitere Stiftungen helfen ebenso bei der Lancierung des Projekts.

Es lebt jedoch auch von ungezählten Arbeitsstunden, die Freunde und Bekannte beisteuern. Seit acht Wochen gibt es samstags und sonntags die «offene Baustelle», wo Freunde Freiwilligenarbeit leisten.

Die Solidarität gibt den Machern Auftrieb. Je mehr Beteiligte von Beginn weg mit dabei sind, umso höher der Identifizierungsgrad, wenn der Club dann läuft, so der Gedanke. Charlotte Wirthlin betont, dass diese generationenübergreifende Zusammenarbeit unheimlich Spass mache. «Ich finde, mein Leben ist interessanter geworden, seit es den ‹Humbug› gibt.»

Konzerte, Feste und Experimente

Um das Kulturprogramm kümmern sich vor allem Wolff und Kaufmann. Die gastronomische Erfahrung bringt Wirthlin mit. Auf der Website des «Humbug» steht ein programmatischer Satz: «Rauschende Feste mit den unterschiedlichsten Menschen und friedliche Abende, einfach so.» Wolff betont, dass sich Kulturanlass, Tanzabend und Barbetrieb nahtlos ineinanderfügen sollen. «Jeder Abend ist eine Reise», sagt der umtriebige Macher.

Das «Humbug» wird an drei Tagen in der Woche ab 19 Uhr geöffnet sein. Donnerstags spielen jeweils die vier Resident-DJs alternierend bis 1 Uhr. Am Freitag und Samstag gibt es Bühnenkunst und Konzerte. Die Gartenwirtschaft und Bar sind dann bis 2 Uhr geöffnet. Manchmal soll die Nacht auch länger dauern.

Konzerte internationaler und heimischer Bands, Raves und andere Tanzanlässe, der afrikanische oder balkanische Abend, Kleintheater und Experimentelles wechseln sich ab. Im Verbund mit moderaten Eintrittspreisen soll das vielseitige Programm für unterschiedliche Publika sorgen. Wie breit die Palette ist, zeigt das Booking am Eröffnungswochenende (siehe Box oben). Für die Verankerung in der Gemeinschaft der Zwischennutzer und Quartierbewohner soll ein Mittagstisch sorgen.

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