Baselworld

Er erfand das 24-Stunden-Ziffernblatt – mit verschiebbaren Zeigern

John C.Ermel fertigt vor allem Einzelstücke an. Der grösste Markt für seine Uhren sind der Ferne Osten und die USA. Nicole Nars-Zimmer

John C.Ermel fertigt vor allem Einzelstücke an. Der grösste Markt für seine Uhren sind der Ferne Osten und die USA. Nicole Nars-Zimmer

John C.Ermel aus Dornach hat Ende der 1980er-Jahre die Technik des verschiebbaren Zeigers entwickelt. Endlich konnte man zwischen 1 und 13 Uhr unterscheiden.

Ein Tag hat 24 Stunden. Das ist auf der ganzen Welt gleich. Der kleine Zeiger auf dem Ziffernblatt dreht zwei Runden, bis diese 24 Stunden um sind. Allerdings: Ohne optische Anhaltspunkte ist es dem Uhrenträger unmöglich zu wissen, ob es 1 Uhr oder 13 Uhr ist. John C. Ermel hat eine Idee herausgearbeitet, wie man auf einen Blick sieht, ob 1 Uhr oder 13 Uhr ist: das 24-Stunden-Dual-Phase-Ziffernblatt. Eine revolutionäre Entwicklung, ist der Geschäftsführer der Uhrenfirma Cyclos stolz.

Auf seiner Cyclos Watch, dessen Technik der Designer und Uhrmacher-Meister selber entwickelt hat, ist die Unterscheidung zwischen Tag- und Nachtphase klar. Wenn man den Zeiger auf Mitternacht stellt, ist der kleine Zeiger kurz. Von 0 Uhr bis 12 Uhr wächst er kontinuierlich auf einer auswickelnden Spirale in Rot. Ab der Mittagszeit bis 24 Uhr schrumpft er wieder – diesmal auf einer sich einwickelnden blauen Spirale. Der radial verschiebbare Stundenzeiger folgt der Kurve gleichmässig. Die Variante Rot-Blau ist eher sportlich, die Variante Gold und Silber elegant.

Abbau wegen schlechter Konjunktur

1989 hat der 53-Jährige angefangen, das Prinzip des radial verschiebbaren Zeigers auszuarbeiten. «Mein Ziel war es, eine Uhr zu entwickeln, die ihren Nutzen in Einklang bringt mit Schönheit und Technik.» Seine Uhrenmodelle sind Unisex gedacht, allerdings interessieren sich nur wenige Frauen für sie, sagt Ermel. «Vor allem Männern gefällt die mechanische Raffinesse.» Der geborene Brite, der seit 42 Jahren in der Schweiz und heute in Dornach wohnt, versucht, mit seinen maskulinen und klassischen Uhrenmodellen eine möglichst grosse Schnittmenge an Interessierten zu finden. «Das ist ein kritisch zu hinterfragender Aspekt. Wenn ich mich mit meinen Uhren klarer positionieren würde, hätte ich eventuell einen grösseren Erfolg», gibt John C. Ermel zu. Seine Uhren seien eher ein Geheimtipp, denn die Vermarktung sei seine Schwachstelle.

Der Markt ist zudem ab 2008 wegen der schlechten Konjunktur zurückgegangen. Zuvor hatte Ermel drei Festangestellte, heute entwickelt er in seinem Atelier die Uhren, und Freelancer stellen grössere Serien im Jura her. Deswegen ist John C. Ermel auf der Suche nach einem Partner, der Cyclos übernimmt und vermarktet. «Ich alleine kann das nicht mehr. Ich habe bereits Millionen investiert. Um die Uhr auf dem Markt wieder zu festigen, braucht es erneut Millionen.» Ermel ist gar bereit, in den Schatten des künftigen Partners zu treten. Er sei sowieso lieber der Tüftler im Hintergrund.

Charity bedeutet Ermel mehr

Hinzu kommt ein weiterer Grund für Ermel, bei Cyclos kürzerzutreten. Er widmet sich heute nämlich lieber der Hilfeleistung für benachteiligte Menschen – unter anderem hat er die Stiftung Trigon mitgegründet, die sich Behinderten und sozial Beeinträchtigten annimmt. «Die Welt braucht mehr als Luxusuhren. Ich werde jetzt dort mehr gebraucht.» Der grösste Uhrenmarkt für Cyclos sind der Ferne Osten und die USA – in Chicago kümmert sich sein Cousin John M. Ermel um die Vermarktung von Cyclos. In Japan sei seine Uhr gar einmal Uhr des Jahres geworden. Aber: «Die meisten Stücke zurzeit sind Einzelanfertigungen.» Die Billigste kostet 10'000 Franken. Für Luxusuhren ein eher günstiger Ansatz.

Spricht man Ermel auf die Verschärfung der Swiss-Made-Verordnung an, betont er klar: «Mich betrifft das nicht. Meine Uhren sind zu hundert Prozent Swiss made.» Er ärgere sich über Firmen, die ihre Uhren im Ausland herstellen lassen, aber trotzdem das Swiss-Made-Label führen dürfen.

An der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld, die am Donnerstag beginnt, wird John C. Ermel aufgrund der wirtschaftlichen Lage keinen Stand mehr aufbauen. Neun Jahre lang sei er dabei gewesen, das letzte Mal 2009. Ermel gibt aber nicht auf: «Nun muss ich erst die richtigen Partner finden. Ideen für neue Uhrenmodelle habe ich für die nächsten 20 Jahre genug im Kopf.»

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