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Eine Art Basel ohne krumme Touren

Künstlerische Intervention gestern Nachmittag an der Art Basel: Für einmal ist es gut, dass Kunst Fake ist.

Künstlerische Intervention gestern Nachmittag an der Art Basel: Für einmal ist es gut, dass Kunst Fake ist.

Der Kunstmarkt wird hie und da missbraucht. Auch die Organisatoren der Art Basel wissen das und verpflichten die Aussteller eindringlich, die Gesetze einzuhalten.

Der grosse Erfolg der Veranstaltung «Kunst & Recht» der Juristischen Fakultät der Uni Basel zeigt, dass Rechtsfragen im Zusammenhang mit der Kunst und dem Kunstmarkt von grossem Interesse sind. Es sind oftmals spektakuläre Fälschungsfälle wie der von Beltracchi, Falschbeurkundungen und wenig transparenten Fällen von Zollfreilager, in denen Kunst im Wert von –zig Milliarden lagert (die bz berichtete).

Mehr Richtlinien eingeführt

Die Art Basel, die diese Veranstaltung tatkräftig unterstützt, weiss, dass der Kunstmarkt hie und da missbraucht wird. Die Kunstmesse ist sich dieser Problematik bewusst.

Dem steuert die Messe entgegen. Bereits vor zwei Jahren hat die Art, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, in den Richtlinien für die Aussteller («Exhibition Regulations») einen zusätzlichen Paragrafen eingeführt. Dort heisst es etwa, dass die Aussteller zwingend alle Gesetze befolgen müssen, insbesondere die gesetzlich vorgeschriebenen Massnahmen gegen Fälschungen, Betrug, Geldwäsche und der illegale Import und Export von Kulturgütern. Die Art Basel habe das Recht, Aussteller abzuweisen oder eine Zulassung zurückzuziehen, wenn es sich herausstelle, dass der Aussteller einschlägig angeschuldigt oder sogar vorbestraft sei. Die Messe sichert sich damit ab.

«Messe kein Marktteilnehmer»

«Wir haben als Organisatoren der drei bedeutendsten Kunstmessen auf drei Kontinenten ein Interesse an einem funktionierenden Kunstmarkt, mit Regeln, die diesem Markt angepasst und langfristig berechenbar sind», sagt Christoph Lanz, Leiter der Rechtsabteilung der Messe Schweiz. «Auch wenn wir notabene als Messeorganisator am Kauf oder Verkauf von Kunstwerken in keiner Weise beteiligt sind.» Wenn es zu Rechtsfällen komme, sei je nach dem auch die Reputation des Messeplatzes gefährdet, so Lanz.

Kunstmarkt soll aktiv werden

Die Messe würde es begrüssen, dass sich der Kunstmarkt selbst mit diesen Fragen auseinandersetzt und im Sinne einer Selbstregulierung dem Kunstmarkt adäquate Regeln gibt. Sie hätte vitales Interesse an einem gut funktionierenden Kunstmarkt. Dieser basiere auf gegenseitigem Vertrauen.

Mark Spiegler wies am Freitag in seiner Begrüssungsrede zur Veranstaltung «Kunst & Recht» im Congress Center darauf hin, dass man schon vor Jahren sah, dass Rechtsfragen auch im Kunstbereich immer wichtiger würden. Warum das so ist? Weil die auf dem Spiel stehenden Summen immer grösser wurden. Der Markt wurde globaler – wie auch die Art Basel. So wurde der Ruf nach Gesetzen und Regulierungen lauter, wie etwa der Vorschlag, die Barzahlungen auf 100 000 Franken zu begrenzen. Wie auch immer, die Kunstwelt müsse sich auf mehr Transparenz einstellen.

«Die fundamentale Frage für mich ist, ob es dem Kunstmarkt gelingt, eine verbindliche Selbstregulierung zu etablieren. Dies müsse mit den Fachleuten mit viel Fingerspitzengefühl angegangen werden. Dieser «Code of Conduct» müsse sowohl die (nötige) Transparenz herstellen, aber gleichzeitig auch die (berechtigte) Diskretion sichern können. Sonst würden früher oder später gesetzliche Regeln beziehungsweise Gesetze von aussen aufgezwungen. Deshalb sei er auch froh, dass das Seminar während der Art Basel stattfinde, den Expertenaustausch ermögliche und diese dringenden Themen anspreche.

An der Tagung kamen unter anderem die Rolle der Freilager im Kunsthandel und die Problematik der Restaurierungen, auch unter Berücksichtigung der digitalen Kunst, zur Sprache.

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