Landhof

Ein Stück Fussballgeschichte auf dem Landhof: Das Bangen um den Totomaten geht weiter

Ob und wann der Totomat im Landhof saniert wird, ist noch ungewiss. Für die Fans ist klar: Er muss bleiben.

«Wenn in Zürich ein Tor fiel, dann hat jemand angerufen und derjenige, der hinten beim Totomaten sass, hat manuell die Punktezahl auf der Tafel gewechselt. Man wusste so im Stadion Landhof immer, wie der Stand bei den anderen Spielen war.» So erklärt Heinz Käppeli vom Verein Landhof die Funktionsweise der alten Anzeigetafel im Landhof-Stadion.

Der ehemalige CVP-Grossrat Käppeli setzt sich seit mehr als zehn Jahren für den Erhalt des alten Stadions ein. Der Totomat, wie die alte Tafel zur Anzeige des Spielstands im Volksmund genannt wird, ist für ihn ein Stück Fussballgeschichte. Und genau dieses Überbleibsel des historischen Landhof-Stadions, der ersten Spielwiese des FC Basel, ist im Moment gefährdet.

Als das Bau- und Verkehrsdepartement am Dienstag bekannt gab, der Totomat sei in «alarmierendem Zustand» und müsse sofort demontiert werden, sorgten sich eingefleischte Fans wie Käppeli ob der Zukunft der alten Tafel. Auch Benedikt Pfister von der Gruppe «Landhof neu denken», die sich ebenfalls für den Erhalt des alten Stadions einsetzt, sagt: «Wir sind aufgeschreckt, als es hiess, der Totomat würde demontiert.»

Ingenieurbüro klärt Sanierungskosten ab

In der Zwischenzeit ist die Verwaltung aber bereits zurückgekrebst. So teilte Thomas Gerspach, Gesamtprojektleiter des Landhof-Areals, der «Schweiz am Wochenende» am Freitag mit: «Der Totomat bleibt vorerst stehen.» Ein Ingenieurbüro kläre gegenwärtig ab, wie viel eine Sanierung der Stahl- und Betonkonstruktion kosten würde. Sobald die Einschätzung vorliege, gebe es zwei Möglichkeiten: «Entweder wird der Totomat sofort saniert, wofür aber aktuell noch keine Mittel gesprochen sind. Oder das Gelände um die Tafel wird grossräumig umzäunt und gesichert, bis ein Entscheid zur Gesamt-Sanierung vom Grossen Rat vorliegt.»

Der vom Regierungsrat verfasste Bericht «Landhof für alle» ist bereits zwei Jahre alt – aktuell sind der Bericht sowie ein dazugehöriger Ratschlag beim Grossen Rat hängig. Darüber, wie lange sich die Behandlung des Geschäfts noch verzögern wird, konnte die Medienstelle des Bau- und Verkehrsdepartements am Freitag keine Auskunft geben.

Tribünen oder Pavillon mit Gastronomie

Die Diskussion um den Verbleib des Totomaten ist nur die jüngste Episode einer jahrelangen Diskussion um die Zukunft des Landhof-Geländes. Diese nahm Anfang der 2000er-Jahre ihren Anfang, als ein Projekt eine Teilüberbauung des Landhof-Areals vorsah. In den Folgejahre wechselten sich Pläne für Überbauungs- und Umnutzungsprojekte mit Bürgerinitiativen ab, die sich dagegen wehrten.
Während sich der Verein Landhof seit Jahren für den Erhalt des Areals engagiert, ist die Initiative «Landhof neu denken» erst im Anschluss an das Fest zum 125-Jahre-Jubiläum des FC Basel im November 2019 entstanden. Der Zusammenschluss von quartier-, sport- und kulturinteressierten Personen möchte insbesondere die Tribünen auf dem Landhofareal erhalten. Der Vorschlag des Regierungsrats sieht vor, diese abzureissen und stattdessen einen Pavillon mit Gastronomiebetrieb zu errichten.

Laut Mediensprecher Benedikt Pfister der Gruppe «Landhof neu denken» ist der Erhalt der Tribünen wichtig, um die Identität des Quartiers zu bewahren. Der Totomat sei für sie aber ebenfalls ein wichtiger Nebenschauplatz.

Für die Fans der alten Anzeige gibt es seitens Sanierungs-Projektleiters Gerspach vorerst Entwarnung: «Eine Entsorgung der Tafel steht aktuell nicht zur Debatte.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1