Deponie Arisdorf
Neue Metall-Rückgewinnungsanlage: Ein Monster, das sogar Münzen aufspürt

Die Deponie Elbisgraben in Arisdorf hat eine neue Rückgewinnungs-Anlage. Sie sortiert Material aus der Abfallschlacke, das da gar nicht sein sollte.

Benjamin Wieland
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Es rüttelt und schüttelt, dampf und raucht: Die Metall-Rückgewinnungsanlage in Arisdorf mit ihren langen Förderbändern.

Es rüttelt und schüttelt, dampf und raucht: Die Metall-Rückgewinnungsanlage in Arisdorf mit ihren langen Förderbändern.

Keystone

Heinz Schaub streicht mit der Hand über den Metallhaufen, sucht – und findet. Nach weniger als einer Minute präsentiert der Leiter der Deponie Elbisgraben den staunenden Gästen mehrere Geldmünzen. Zwar ist nicht mehr so richtig zu erkennen, aus welchem Land sie stammen. Doch mit ein wenig Politur könnte man mit einigen von ihnen wohl noch bezahlen.

Auch ansonsten ist die neue Metallrückgewinnungsanlage Elbisgraben in Arisdorf eine Geldmaschine. Im übertragenen Sinne. Wie ihr Name schon sagt, wird mit der Einrichtung Metall ausgesiebt, das im Siedlungsabfall, also auch in normalen Hauskehrrichtsäcken, gelandet ist.

Aussortierte Münzen.

Aussortierte Münzen.

bwi

Die Anlage ging im September 2019 in Betrieb, wird aber erst jetzt öffentlich präsentiert. Alleine im ersten Betriebsjahr konnte das Baselbieter Amt für Industrielle Betriebe Metalle im Wert von 756'000 Franken verkaufen. Der Erlös habe immerhin den Aufwand gedeckt, sagte Heinz Schaub beim Rundgang am Donnerstag: «Wir sind gerade rausgekommen.»

Doch ums Geldverdienen, sagte Regierungsrat Isaac Reber, sei es den beiden Basel – im Elbis­graben wird Schlacke aus der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Basel verwertet und deponiert – auch nicht gegangen.

«Wir sind vom Weltmarkt abhängig, die Preise für Metall sind nicht fix und können extrem schwanken.»

Und dann sei man vom Gesetz her auch dazu verpflichtet, Rohstoffe zurückzugewinnen. Die Abfallverordnung sei in diesem Bereich auch erst 2015 verschärft worden.

Metalle machen zehn Prozent der Schlacke aus

Doch die Baselbieter Anlage übertrifft die Vorgaben bei weitem. Deponiegut darf maximal einen Massenanteil von 1 Prozent an Nichteisenmetall und Edelstahl enthalten. Im Elbisgraben kommt man auf einen Wert von 0,13 Prozent.

Das sei, neben der Ökologie, ein weiterer Aspekt, auf den man stolz sei, wie alle Redner betonten: Die Baselbieter Anlage gelte als modernste in der Schweiz. Sie sei bereits kopiert worden, wie Rainer Bunge, Professor und Experte für Verfahrenstechnik, ausführte:

«Der Treiber ist wirklich die Ökologie. Alles, was wir zurückholen können, muss nicht aus dem Bergbau gewonnen werden.»

Die Zahlen sind eindrücklich. Rund 40'000 Tonnen KVA-Schlacke kann die Anlage im Elbisgraben pro Jahr verarbeiten. Daraus werden rund 4000 Tonnen Metall gewonnen. Dafür wird die Schlacke auf einen mehrere hundert Meter langen Fliessbandparcours geschickt, wo sie Gitter, Siebe und Magnete passiert. Was dann noch an Metall übrig ist, wird mit einem Wirbelstrom elektrisch aufgeladen und aus dem Materialstrom ausgeschieden.

Trotzdem kann noch immer nicht sämtliches Metall extrahiert werden. Es sind Stücke, die kleiner sind als 2 Millimeter. Es handelt sich um Nichteisenmetalle und Edelstahl. Diese Restwerte verbleiben im normalen Deponiegut.

Ein Mitarbeiter nimmt Grobmetall vom Förderband.

Ein Mitarbeiter nimmt Grobmetall vom Förderband.

bwi

Trotz der ausgeklügelten Technik und Abläufe kann auch die schweizweit effizienteste Anlage ihrer Art immer noch nicht ganz auf den Menschen als Arbeitskraft verzichten. So steht stets ein Mitarbeiter am Fliessband, der von Hand gröbere Stücke entfernt: etwa Löffel, Drähte oder Radkettenblätter.

Was der Anlage, die rund 5,2 Millionen Franken gekostet hat, noch zu schaffen macht, sind Batterien. «Da ihre Hülle auf die Magnete reagiert, müssen wir sie mühsam aus dem zu verwertenden Metall heraussuchen», sagte Heinz Schaub. Generell staune er, wie viel Metall im Abfallsack lande, obwohl man es gratis abgeben könne. Seine Diagnose:

«Der Mensch ist wohl einfach zu bequem.»