Basel Stadt
Ein Lehrer trifft auf 27 Schüler: Basler Schulklassen haben mehr Schüler als gesetzlich erlaubt

In elf Klassen wird in Basel-Stadt das gesetzliche Limit überschritten. Die Lehrer sind am Limit und fordern Massnahmen.

Leif Simonsen
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«Mittelfristig ist mehr Luft im System anzustreben», Jean-Michel Héritier, Freiwillige Schulsynode.

«Mittelfristig ist mehr Luft im System anzustreben», Jean-Michel Héritier, Freiwillige Schulsynode.

Basel boomt und wächst stetig – das bekommen vor allem die Sekundarlehrer zu spüren. Seit Juni meldeten sich siebzig Sek-Schüler an, die nicht hier zur Primarschule gegangen sind. Viele davon sind Neuzuzüger, einige wechseln von einer privaten an eine öffentliche Schule. Es sind Schüler, die nicht in die Klassenbildungen miteinbezogen werden konnten. Diese wurden nun auf die ohnehin schon ziemlich vollen Klassen aufgeteilt.

Die Sek-Schulleitungen haben Alarm geschlagen. In elf Klassen wird in Basel-Stadt das gesetzliche Limit überschritten. Besonders betroffen ist der Leistungszug P. Gleich acht Klassen übersteigen die Maximalgrösse 25, in der grössten Klasse sitzen 27 Schülerinnen und Schüler dem Lehrer gegenüber. Von den E-Klassen, dem mittleren Leistungszug, überschreiten zwei Klassen das gesetzliche Maximum von 22 Schülern, immerhin «nur» eine A-Klasse hat mehr als die 16 Schülerinnen und Schüler, welche als Limit vorgesehen sind.

Lehrergewerkschaft fordert kleinere Klassen

Die Lehrer ächzen. JeanMichel Héritier, Präsident der Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt (FSS), sagt: «Die Rechnung ist einfach: Je mehr Schüler, desto mehr Beziehungen muss ein Lehrer aufbauen, desto mehr Korrekturarbeit kommt auf ihn zu und desto mehr Elternarbeit hat er zu bewältigen.» Die ohnehin starke Belastung der Lehrer sei nochmals angestiegen. Die Konsequenz sei, dass «die Aufrechterhaltung der Unterrichtsqualität» erschwert werde.

Héritier fordert, dass das Erziehungsdepartement das Problem schnell angeht. «Spätestens im Januar 2020 braucht es die Eröffnung von neuen Klassen.» Mittelfristig sei zudem «mehr Luft im System» anzustreben. Damit meint der FSS-Präsident, dass sich die durchschnittlichen Klassengrössen künftig nicht an den gesetzlichen Maximalgrössen orientieren sollen.

Volksschulleiter Dieter Baur bestätigt, dass die Klassenbildung aufgrund der vielen neuen Anmeldungen Probleme bereitet habe. «70 Sekundarschüler, mit denen wir nicht gerechnet hatten – das hatten wir noch nie.» Baur verteidigt das Vorgehen, die einzelnen Klassen über die gesetzlichen Maximalzahlen aufzufüllen. «Wenn man stattdessen eine neue Klasse aufmacht, führt das zu weit grösseren Problemen. Dann muss man die Schüler aus einer bestehenden Klasse rausnehmen.» Baur ist sich sicher, dass dies ebenfalls «einen Aufstand» zur Folge gehabt hätte.

Jede neue Klasse kostet 250'000 Franken zusätzlich

Der Volksschulleiter fürchtet sich aber nicht um die Unterrichtsqualität. «Wenn ein Schüler mehr in der Klasse sitzt, ist das nur eine marginale Erschwerung», meint Baur. Er weist zudem darauf hin, dass die gesetzlichen Maximalgrössen in Basel im schweizweiten Vergleich tief seien.

Gleichwohl räumt er ein, dass die Klassengrössen mittelfristig zu Problemen führen werden. Die neue Schullaufbahnverordnung sieht vor, dass Sekundarschüler auch im Wintersemester den Leistungszug nach unten wechseln können. «Die notwendigen freien Plätze werden im A-Zug vermutlich nicht genügend vorhanden sein», sagt Baur.

So werde bereits jetzt die Gründung von zusätzlichen neuen A-Zug-Klassen auf das nächste Semester hin geplant. Die Senkung der Klassengrössen und damit einhergehend die Schaffung zusätzlicher Schulklassen aber hält er für nicht durchsetzbar. «Jede Klasse kostet 250'000 Franken im Jahr.» Da wäre Widerstand programmiert.