Hotel-Expansion
Ein Engel für Wessels und den Teufelhof

Das Hotel Teufelhof darf zusätzliche Zimmer in einem Wohnhaus anbieten - das Bauinspektorat war dagegen. Baudirektor Hans-Peter Wessels zeigt sich entgegen seines Amtes erfreut über diesen Entscheid.

Martina Rutschmann
Drucken
Teufelhof-Chef Raphael Wyniger erhält grünes Licht für die Umnutzung eines Wohnhauses am Leonhardsgraben in einen Hotelbetrieb – vor dem entsprechenden Gebäude posieren will er erst, wenn die Einsprachefrist um ist. Kenneth Nars

Teufelhof-Chef Raphael Wyniger erhält grünes Licht für die Umnutzung eines Wohnhauses am Leonhardsgraben in einen Hotelbetrieb – vor dem entsprechenden Gebäude posieren will er erst, wenn die Einsprachefrist um ist. Kenneth Nars

Kenneth Nars

Baudirektor Hans-Peter Wessels ist ein glücklicher Mann: Der Entscheid eines ihm unterstellten Amtes wurde über den Haufen geworfen. Da mag sein Glück unlogisch klingen — ist es aber nicht. Es geht bei der Sache um das Wohl des Gewerbes. Und dieses liege Wessels am Herzen.

Begonnen hatte das Tauziehen vor einem knappen halben Jahr. Wessels’ Bauinspektorat verbot dem Hotel Teufelhof, in dem gegenüberliegenden Wohnhaus am Leonhardsgraben 46 zum «Hotel Engel Residence & Apartments» zu expandieren. Das Amt stützte seinen Entscheid auf das neue Wohnraumfördergesetz (WRFG), wonach günstiger Wohnraum erhalten werden muss. In diesem Fall aber würde solcher verloren gehen. Dass die Eigentümerin, die Pensionskasse Coop, das Haus sanieren will und den Mietern sowieso kündigen wird, änderte nichts am Entscheid.

Und dann war es ausgerechnet der Chef persönlich, der Teufelhofbetreiber Raphael Wyniger in der bz-Schwesterzeitung «Schweiz am Sonntag» zum Rekurs gegen das Amt riet. Wyniger folgte Wessels’ Rat — und bekam nun recht, wie Recherchen der bz zeigen.

Teufelhof-Chef freut sich verhalten

Die Baurekurskommission, die als richterliche Behörde unabhängig entscheiden muss, sprach sich für die Hotelerweiterung und gegen das amtliche Verbot aus. Raphael Wyniger bestätigt den Entscheid, mag sich aber erst richtig freuen, wenn die schriftliche Begründung vorliegt und die Einsprachefrist abgelaufen ist. «Ich will den Tag nicht vor dem Abend loben.» Schliesslich könne der Kanton den Kommissionsentscheid immer noch anfechten.

Ausserdem biete eine Expansion vor Ort dem «beliebten Hotel und Kulturbetrieb eine einmalige Chance, die Zukunft langfristig zu sichern», sagt Wessels. Langfristig sichern? Steht der Teufelhof etwa auf der Kippe?

Raphael Wyniger verneint, sagt aber: «Das Projekt ist für den zukünftigen Teufelhof entscheidend.» Noch laufe der Betrieb sehr gut. «Sollten die Betriebskosten jedoch weiter steigen, müssten wir alternative Strategien fahren. Der Teufelhof in seiner heutigen Form hat ein Kapazitätsproblem.»

Mit Kapazitätsproblemen argumentierte 2012 auch der Mieterverband, als er die Basler über «Bezahlbares und sicheres Wohnen für alle!» abstimmen liess. Angenommen wurde mit dem WRFG der weniger restriktive Gegenvorschlag. Demnach darf Wohnraum zwar auch nicht einfach so entfremdet werden, in Ausnahmefällen aber schon. Etwa dann, «wenn die Zweckänderung einem Bedürfnis an der Erweiterung oder Verlegung eines im Kanton bestehenden Betriebs entspricht». Damit argumentiert jetzt auch Wessels. Seine Leute vom Bauinspektorat hingegen scheinen diesen Passus übersehen zu haben, als sie dem Teufelhof den Engel verbieten wollten. Nein, sagt dazu Wessels: «Das Bauinspektorat hat das Gesetz bloss sehr eng interpretiert.» Schliesslich sei es neu und vorher nie angewendet worden. Probleme gäbe es wegen der Meinungsverschiedenheit nicht zwischen ihm und dem Amt: «Die Situation ist nicht alltäglich, aber okay.»