Zwischen Reden und Tun liegt das Meer. Sollte das italienische Sprichwort am Montagabend kurz die Hirnwindungen von Michela Seggiani durchzuckt haben, es hätte zu ihrer Stimmung gepasst. Die Co-Präsidentin der SP Frauen Basel-Stadt zeigte sich einen Tag nach der Delegiertenversammlung schwer gefrustet von ihrer Partei: Nicht sie sitzt auf dem Ticket nach Bern, nicht ihre Kolleginnen Sasha Mazzotti und Edibe Gölgeli. Sondern drei Männer und mit Eva Herzog und Sarah Wyss nur zwei Frauen. «Ausgerechnet in diesem Jahr, das die SP zum Jahr der Frau erklärt hat», sagt Seggiani.

Dabei sieht auf dem Papier alles noch gendergerecht aus: Drei Namen der Nominierten gehören Frauen, drei Männern. Doch weil Eva Herzog sowohl für den Stände- als auch den Nationalrat kandidiert, sind die Frauen faktisch in der Unterzahl.

Die ehemalige Vizepräsidentin der Basler Genossen ist mit ihrer Enttäuschung nicht alleine. Die ehemalige Juso-Präsidentin Jessica Brandenburger verschaffte ihrem Ärger auf Twitter Luft: «Eine starke Liste, ja. Aber leider auch eine männlich dominierte.» Grossrätin Nicole Amacher pflichtet ihr bei: «Die Delegierten haben es verpasst, mit der Listengestaltung ein Statement abzugeben.»

Die Gleichstellung sei ein grosses Wahlkampfthema, noch immer seien die Frauen in Bern untervertreten. «Die SP steht ganz besonders in der Verantwortung, dies zu ändern.» Auch wenn Amacher keinesfalls die Nominierten Mustafa Atici, Christian von Wartburg oder Beat Jans in Zweifel ziehen möchte: «Ich bin trotz einer guten Liste enttäuscht über den Ausgang der Nominationsveranstaltung.» Zumal die Frauen den Männern ebenbürtige Konkurrentinnen gewesen seien.

Präsident Pfister beschwichtigt

Parteipräsident Pascal Pfister kann den Ärger der SP-Frauen durchaus nachvollziehen. «Es ist legitim, dass sie ihre Forderungen stellen», sagt er. Gleichzeitig verweist er aber auf drei Punkte: Zum einen habe Beat Jans mit seinem Verzicht auf eine Ständeratskandidatur gegen Herzog «ein starkes Signal über Basel hinaus» gesetzt. Zum anderen habe die Delegiertenversammlung die eigenen Statuten eingehalten, die bloss eine Drittel-Quote für Frauen vorschreibe. Diese habe – und das ist der dritte Punkt – unter anderem dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren mehr Frauen als Männer auf der Liste der SP standen. «Wenn es jetzt wieder einmal kehrt, ist das vertretbar», sagt Pfister.

Frauen räumen Fehler ein

Sowohl Seggiani als auch Amacher räumen indes ein, am Montagabend taktische Fehler begangen zu haben. Hätten sich die Frauen im zweiten oder dritten Wahlgang zusammengeschlossen, wäre ein zusätzlicher Listenplatz möglich gewesen. «Das hätten wir besser besprechen müssen», sagt Amacher.

«Wir werden aus unseren Fehlern lernen», zeigt sich Seggiani hingegen kämpferisch. Für die Grossrats-Bewerbungen vom nächsten Jahr will sie die Ausgangslage zugunsten der Frauen verbessern: «Ich werde mich für eine 50:50-Quote einsetzen», sagt sie.

Bei Präsident Pfister rennt Seggiani offene Türen ein. «2015 haben wir dieses Ziel noch knapp verfehlt, doch wir arbeiten daran, dass es im nächsten Jahr klappt», sagt er. Das wird es, ist er überzeugt.

So kann sich Seggiani zumindest damit trösten: «D’un male nasce spesso un bene» – aus einem Übel erwächst oft etwas Gutes.