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«Diese Art Basel verlangt viel ab»: Wenn ein deutscher Satiriker durch die Basler Herbstmesse torkelt

Wenn ein deutscher Satiriker, also ein Schwergewicht seines Fachs und ehemaliger Chefredaktor des Satiremagazins "Titanic", sich durch die Herbstmesse kämpfen muss, dann entsteht eine Betrachtung sondergleichen. Oder wie war das nochmals mit der Art Basel, Herr Fischer?

Leo Fischer
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Herbstmesse 2018: Impressionen
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Herbstmesse 2018: Impressionen Münsterplatz
Herbstmesse 2018: Impressionen
Herbstmesse 2018: Impressionen
Herbstmesse 2018 Impressionen
Herbstmesse 2018: Impressionen Das Kettenkarussell dreht sich auf dem Münsterplatz.
Herbstmesse 2018: Impressionen Gefürchtet: Der Freifallturm auf dem Messeplatz
Herbstmesse 2018: Impressionen Mhm...Chäsbängel.
Herbstmesse 2018: Impressionen ...
Herbstmesse 2018: Impressionen Münsterplatz
Herbstmesse 2018: Impressionen Auf dem Kasernenareal gehts rund.
Herbstmesse 2018: Impressionen Das Riesenrad ragt über den Münsterplatz.
Herbstmesse 2018: Impressionen Süsses auf dem Barfi
Herbstmesse 2018: Impressionen ...
Herbstmesse 2018: Impressionen ...
Herbstmesse 2018: Impressionen Auf dem Messeplatz wird geschossen.
Herbstmesse 2018: Impressionen ...
Herbstmesse 2018: Impressionen
Herbstmesse 2018: Impressionen
Herbstmesse 2018: Impressionen Münsterplatz Basel
Herbstmesse 2018: Impressionen Münsterplatz Basel

Herbstmesse 2018: Impressionen

Juri Junkov

Dass die Art Basel in der Stadt ist, ist nicht zu überhören. Seit meiner Ankunft aus Deutschland höre ich sie, die spitzen Schreie, die in regelmässigen Abständen durch die Strassen der Innenstadt hallen. Ich wurde gewarnt: Die Art Basel soll dieses Jahr politisch wie nie sein, schmerzhaft, schier unter die Haut gehen.

Und ja, die allgemeine Weltlage ist grauenhaft. Dennoch bedarf es einiger Gewöhnung, die stark verzerrten Entsetzensschreie zu ertragen, die in präzisem Viertelstundentakt über Basel hinwegziehen. Die Klanginstallation «Freifallturm», die im Herzen der Stadt errichtet wurde, erinnert daran, dass menschliches Leid allgegenwärtig ist, dass unser Alltag auf der Ausbeutung von Millionen basiert, deren Schreie wir normalerweise nicht hören. Dennoch ist dieses Kunstwerk in seiner Intensität kaum zu ertragen.

Zum Autor: Leo Fischer

Leo Fischer ist ein deutscher Satiriker. Seit 2007 schreibt er für das bekannte Satiremagazin «Titanic», dem er bis 2013 als Chefredaktor vorstand. Als Kolumnist schreibt er unter anderem für die deutsche «taz». Mit seinen beissenden Texten tritt er auch auf, so vergangene Woche in Basel.

Umso erstaunlicher, dass die kunstsinnige Baseler Bevölkerung dieses Experiment mit Gleichmut, ja sogar mit Begeisterung annimmt. In meiner Heimatstadt Frankfurt am Main, die sich sonst als sehr liberal versteht, wäre derart radikale Performance-Kunst undenkbar.

Herbstmesse 2018: Impressionen Mhm...Chäsbängel.
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Buden und Fressstände: Herbstmesse 2018 Fettige Kalorienbombe aus Ungarn: Lángos am Messeplatz
Buden und Fressstände: Herbstmesse 2018 Meatballs auf dem Kasernenareal.
Buden und Fressstände: Herbstmesse 2018 Ausgefallen und fleischig: Der Hot-Dog-Wrap
Buden und Fressstände: Herbstmesse 2018 Risotto auf dem Messeplatz
Buden und Fressstände: Herbstmesse 2018 Käskiechli
Buden und Fressstände: Herbstmesse 2018 Süsse Leckereien auf dem Petersplatz
Buden und Fressstände: Herbstmesse 2018 Schokoladenspiess gefällig?
Buden und Fressstände: Herbstmesse 2018 Bratwurst auf dem Messeplatz
Buden und Fressstände: Herbstmesse 2018 ...
Herbstmesse 2018: Impressionen Süsses auf dem Barfi
Herbstmesse 2018: Impressionen ...
Herbstmesse 2018: Impressionen Auf dem Messeplatz wird geschossen.
Buden und Fressstände: Herbstmesse 2018 ...

Herbstmesse 2018: Impressionen Mhm...Chäsbängel.

Andreas Schwald

Seltsame Laute der Ekstase

Schon auf dem Weg zum Messegelände bemerke ich die zahlreichen Künstler und Kunstfreunde, die mir entgegenkommen. Die Eindrücke, die sie mitnehmen, sind offenbar sehr intensiv: Ich sehe stark gerötete Gesichter, suchende Blicke, vernehme seltsame Laute der Ekstase wie auch des Protests. Ein Künstler rempelt mich an, performt sofort dialektal gefärbten, politischen Rap. Ich verstehe die Worte nicht, bin mir aber der Botschaft sofort bewusst: Ich stehe im Weg – stellvertretend für eine Gesellschaft, die sich selbst im Weg steht, in der soziale Mobilität unmöglich ist, in der Individuen wie ich Teil des Problems, nicht der Lösung sind. Ich danke ihm für seinen Rat und lasse ihn weiter sein torkelndes Ballett aufführen.

Das Messegelände selbst gleicht dieses Jahr einer Zirkusmanege. Vorbei die Zeit strenger geometrischer Formen, des Purismus, der ästhetischen Enthaltsamkeit. Mich erwartet ein postmodernes Spiel mit Elementen der Popkultur, schrill, bunt, extrem. Die Installation «Tex-Mex» ruft ironische Assoziationen zum sogenannten «Wilden Westen» auf; nicht weit davon eine Skulptur, die einen als riesenhaften «Uncle Sam» maskierten Maiskolben figuriert – harter Protest gegen die Amerikanisierung des Alltags wie auch der zahlreichen, im Namen westlicher Werte begangenen Verbrechen. Eine andere Installation zeigt ein Dutzend winziger Hubschrauber, die aneinandergeschweisst wurden – Sinnbild scheinbarer Freiheit, die sich jedoch im endlosen Kreis kapitalistischer Produktionszwänge bewegt.

Platz 1 (Woche 1)
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Platz 2 (Woche 1)
Leserfoto-Wettbewerb Basler Herbstmesse 2018

Platz 1 (Woche 1)

Leserfoto: Peter Blatter, Gelterkinden

Eine Ausstellerin verweist mich auf ihre Skulpturenserie «Dijoner 1 – 5»: mehrere Laibe einer teigartigen Substanz, mit zunehmender Grösse durch eine wachsende Zahl Mandelkerne entstellt. So schonungslos hat noch keine «Art Basel» die verschwenderische Arbeitsweise moderner Nahrungsmittelindustrie blossgestellt. Von einem Pavillon grüssen mich die ausgebleichten Porträts von Harald Schmidt und Arabella Kiesbauer, von einem anderen Supermario, von einem dritten der Riddler aus «Batman 3» – beissender Spott auf die bundesdeutsche Unterhaltungsindustrie der Neunziger, in deren Schatten gesellschaftliche Fehlentwicklungen verschlafen wurden.

Jagd auf unschuldige Enten

Gänzlich fragwürdig ist es aber, wenn Produkte der Militärindustrie affirmativ interpretiert werden. Ein Stand erlaubt es dem Publikum, mit täuschend echten Waffen zu schiessen, ein anderer macht Jagd auf unschuldige Entlein («Entenrennen»). Die Aussage ist leicht verständlich – ähnlich wie im Werk von Marina Abramović ist die Möglichkeit ethischen Fehlverhaltens durch das Publikum Teil der Konzeption. Aber um welchen Preis? Erschüttert studiere ich die begeisterten Gesichter, mit der manche Besucher an dieser fragwürdigen Inszenierung von Gewalt teilnehmen. Hier läuft Kunst Gefahr, blosses Vehikel entmenschlichter Bedürfnisse zu werden. Mit Sorge blickt man auf das kommende Jubiläumsjahr - und hofft darauf, dass die Kuratoren dann auch weniger radikalen Entwürfen eine Chance geben.