Grossratswahlen

Die Sicherheitsbewusste: Isabelle Matis Berufsalltag ist geprägt von Kriminalfällen

Mit Blick aufs Gundeli: Isabelle Mati wuchs unweit des Margarethenhügels auf.

Mit Blick aufs Gundeli: Isabelle Mati wuchs unweit des Margarethenhügels auf.

Isabelle Mati untersucht Kriminalfälle für die Baselbieter Staatsanwaltschaft und kandidiert für den Basler Grossen Rat.

Wenige Schritte von ihrer Wohnung im Gundeli-Quartier entfernt befindet sich Isabelle Matis Lieblingsort. Der Margarethenhügel. Die Aussicht auf das Gundeli, der Blick auf die beiden Roche-Türme, die Sitzbank unter den schattenspendenden Bäumen. Wer nun meint, dass Mati den Platz einzig deswegen ausgesucht hat, irrt. Der Ort entspricht der Kombination, die die 34-Jährige auch in sich trägt.

Mati ist in Binningen aufgewachsen, lebt aber seit zehn Jahren in Basel. Von Kindesbeinen an war der Margarethenhügel wichtig: Im Winter konnte sie dort Schlittenfahren oder sie ging auf die Schlittschuhbahn wenige hundert Meter weiter. Seit sechs Jahren ist Mati ausserdem im Vorstand des Rebbergvereins St. Margarethen, der seine Trauben gleich unterhalb der Kirche anbaut. Eine Weinkennerin sei sie nicht wirklich, «aber dieser Wein, ein Blauburgunder, ist auf jeden Fall sehr gut».

«Ich komme aus einem freisinnigen Haus», sagt Mati. Ihre Mutter war zwanzig Jahre lang in der Lokalpolitik tätig: als Einwohnerrätin und Gemeinderätin in Binningen. Natürlich für die FDP. Seit jungen Jahren gehören für Isabelle Mati politische Diskussionen dazu. Sie habe ihren Eltern gerne am Esstisch zugehört und danach die Sachverhalte nachgelesen. Jetzt ist ihre Zeit gekommen: Seit Sommer 2019 gehört sie der Basler FDP an, vor einigen Monaten wurde sie zur Co-Präsidentin der FDP Grossbasel-Ost gewählt. Nun befindet sie sich mitten im Wahlkampf für den Grossen Rat.

Mati weiss, was sie will. Und wie sie sich der Basler Bevölkerung präsentieren will. Unkompliziert, wie sie auf einer Steintreppe fürs Interview Platz nimmt. Redegewandt, wie sie zwischen Job, Freizeit, Politik und Kindheit hin- und herwechselt. Dynamisch, wie sie schnellen Schrittes den Margarethenhügel erklimmt.

Entscheidung zwischen Jus-Studium und Polizei

In den Freundschaftsbüchern, die während Primar- und Sekundarschulzeit in ihrem Freundeskreis kursierten, steht geschrieben, Isabelle Mati wolle Polizistin werden. Im ersten Jahr des Jus-Studiums legte sie die Polizeiprüfung ab – und bestand. Da jedoch bereits alle Ausbildungsplätze vergeben waren, wurde sie auf ein späteres Datum vertröstet. Gleichzeitig absolvierte Mati aber auch alle Prüfungen an der Universität Basel mit guten Resultaten. Der Moment der Entscheidung. Dieser erfolgte für das Strafrecht und gegen die Arbeit auf der Strasse.

Heute ist Mati Untersuchungsbeauftragte der Baselbieter Staatsanwaltschaft. Sechs Jahre lang kümmerte sie sich um Betäubungsmitteldelikte und Organisierte Kriminalität. Seit Ende 2019 arbeitet sie in einer der Hauptabteilungen. «Vereinfacht gesagt, alles ausser Drogen» werde hier untersucht, erzählt Mati. Vorrangig gehe es um sämtliche Delikte aus dem Strafgesetzbuch, Fälle im Strassenverkehr oder Verstösse gegen das Ausländergesetz.

Wenn sie von ihrer Arbeit spricht, ist die Begeisterung nicht zu überhören. «Ich wusste schon immer, dass ich etwas mit Strafrecht machen will.» Gemeinsam mit ihren Eltern habe sie regelmässig Krimiserien geschaut. Mati: «Das Konzept, dass Polizisten Straftäter verfolgen und der Justiz zuführen müssen, stimmt für mich.»

Bei ihrer Arbeit für die Staatsanwaltschaft muss sie oftmals schnelle – und für die Betroffenen schwerwiegende – Entscheide treffen. Hat sie etwa Pikett-Dienst, muss sie rund um die Uhr für ermittelnde Polizisten erreichbar sein. «Da kann mitten in der Nacht das Telefon klingeln, weil eine Person mit Drogen im Gepäck gefasst wurde.» Mati muss aufgrund der Angaben der Polizisten entscheiden: Ist eine Zwangsmassnahme verhältnismässig – und falls ja, welche? «Natürlich bearbeiten wir nicht nur solche Fälle. Die meiste Zeit arbeiten wir am Computer», relativiert Mati, deren langfristiges Ziel es ist, Staatsanwältin zu werden.

Politik für mehr Sicherheit in Basel

Als Basler Grossrätin würde Mati die Erkenntnisse aus ihrem Beruf einfliessen lassen. «Jobbedingt interessieren mich die Themen Sicherheit und Sicherheitsgefühl.» Wie etwa mit durchdachten Lichtkonzepten oder mit der Belebung eines Platzes eine Atmosphäre geschaffen werden könne, durch die sich die Quartierbevölkerung wohler fühlt. Weiter will Mati, dass Littering in der Innenstadt effizienter und innovativer bekämpft wird – auch um Kosten einzusparen.

Auf dem Margarethenhügel scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Keine Spur von Kriminalität oder Littering. Doch Mati muss wieder weg vom städtischen Rebberg, vom Ausblick über Basel. Mit einem breiten Lachen verabschiedet sie sich, macht sich auf den Weg nach Hause. Dort beschäftigt sie sich im Homeoffice wieder mit den Baselbieter Kriminellen, mit der Kehrseite der Idylle und mit ihrem politischen Wahlkampf.

In der losen Serie «Ausreisser» porträtiert die bz Grossratskandidierende aller Parteien, die nicht so recht ins Profil passen.

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