Ständeratswahl

Die kommende Amtsperiode wird der letzte Streich der Anita Fetz

Anita Fetz strahlt am Kopf von Martin Lüchinger vorbei, als sie der SP-Grossrat zur Wahl beglückwünscht.

Anita Fetz strahlt am Kopf von Martin Lüchinger vorbei, als sie der SP-Grossrat zur Wahl beglückwünscht.

Bei ihrem vierten Wahlsieg pulverisiert Anita Fetz ihre Gegner geradezu. Für die kommende Amtsperiode will sie noch einmal alles geben – doch danach sei Schluss. Auch einen Sitz im Nationalrat strebe sie nicht an, das überlasse sie den Jüngeren.

Der Applaus schallt Anita Fetz entgegen, als sie ins Kongresszentrum schwebt. Lächelnd steht sie auf der Rolltreppe und fährt gen Himmel, oder besser gesagt den strahlenden Augen ihrer Parteikollegen entgegen. Die freuen sich nicht nur über den möglichen Sitzgewinn im Nationalrat für die SP, sondern vor allen Dingen darüber, dass ihre Anita es nochmals allen gezeigt hat.

Beim vierten Antreten für die kleine Kammer, das im Vorfeld parteiintern nicht ganz unumstritten war, hat Fetz ihren drei Gegnern keine Chance gelassen. «Ich bin sehr froh und wirklich gerührt von diesem Resultat», sagt Fetz. «Zwei Drittel der Baslerinnen und Basler haben mir das Vertrauen ausgesprochen, dass ich sie während der nächsten vier Jahre alle vertreten werde. Und das werde ich auch.» Die Nachricht von ihrem vierten Wahlsieg in Folge ereilte Anita Fetz bei sich zu Hause, wo sie mit ihrem Unterstützungskomitee den Morgen verbracht hatte. Alle hätten sich gefreut, der Sieg sei, obwohl zu erwarten, doch eine Erleichterung gewesen: «Ich persönlich finde es überraschend, dass ich nochmals zugelegt habe.»

Fetz macht Minuten nach der Wahl klar, dass diese vierte Amtsperiode ihre letzte sein wird. «Danach werde ich meine Freiheit geniessen. Aber jetzt gebe ich noch einmal alles.» Entsprechend winkt sie auch ab, wenn man ihr die Frage danach stellt, ob sie sich als Bundesrätin sehen würde: «Wie gesagt, ich liebe meine Freiheit und damit auch die Arbeit als Ständerätin. Um die Bundesratssitze sollen sich die jüngeren Generationen bemühen.»

Nur noch Formsache

Die Verkündigung der Endresultate ist nur noch der offizielle Showact. Die Hürde des absoluten Mehrs ist längst genommen, alle Gegner trauen sich kaum, von einem «Achtungserfolg» oder Ähnlichem zu reden. Man anerkennt neidlos, gegen Anita Fetz ist kein Ankommen.

Das Ergebnis der Ständeratswahl Basel-Stadt 2015: Anita Fetz holt das absolute Mehr und tritt ihre vierte Amtsperiode in Folge an.

Das Ergebnis der Ständeratswahl Basel-Stadt 2015: Anita Fetz holt das absolute Mehr und tritt ihre vierte Amtsperiode in Folge an.

Regierungspräsident Guy Morin steht neben der Ständerätin und gratuliert als einer der Ersten, er ist offensichtlich hochzufrieden damit, wer den Stand in den nächsten vier Jahren in Bern vertreten wird. Fetz wird auf die Bühne gebeten, erhält den obligaten Blumenstrauss aus den Händen der Staatsschreiberin Barbara Schüpbach-Guggenbühl und wirkt – das einzige Mal an diesem Tag – ganz kurz unsicher, was nun von ihr erwartet wird. Sie entscheidet sich für ein geradezu royales Winken mit der Linken, den Blumenstrauss in der Rechten hochgereckt.

Doch feiern will Fetz nicht lange, denn sie hat auch in ihrer letzten Legislatur noch einiges vor. «Das motiviert mich hochgradig, noch einmal ein paar Pflöcke einzuschlagen.» Und dass das nicht allen gefallen wird, ist auch jetzt schon klar. Fetz hat sich den Gegner bereits ausgesucht, insbesondere angesichts der SVP-Gewinne, die national einer nach dem anderen die feiernden Basler Sozialdemokraten erreichen: «Ich will, wie bereits in dieser Legislatur, den Bauernfunktionären das Leben so schwer wie möglich machen. Nicht den Bergbauern mit ihren Direktzahlungen, sondern den industriellen Betrieben im Tal, denen wir sogar noch die Werbung zahlen.»

MEI und Datenkraken

Daneben sieht Fetz eine klare Herausforderung: Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, bei gleichzeitiger Beibehaltung der Personenfreizügigkeit mit der EU: «Hier geht es darum, zusammen mit dem Freisinn eine Lösung zu finden, die die Bilateralen nicht gefährdet.» Und auch hier droht Unbill angesichts der weiter erstarkenden SVP. Doch Fetz hat sich auch noch ein Thema vorgenommen, dem sie sich bis anhin wenig widmete: «Beispielsweise das Thema der Überwachung. Wir müssen die Kontrolle über unsere Daten wieder selber haben, und nicht amerikanische Firmen wie Google und Facebook.»

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