In diesen Tagen öffnet die 49. Ausgabe der Art Basel, die weltweit bedeutendste Kunstmesse, ihre Tore. Seit Jahren trägt sie wie kein anderes Produkt den Namen Basel in die Welt. Und doch war sie noch nie bedeutsamer als in diesem Jahr.

Denn die volkstümliche Mustermesse ist Geschichte und die glamouröse Baselworld liegt in Trümmern. Der Messekonzern MCH Group, der Veranstalter dieser traditionellen Grossanlässe, ist ein schwerer Sanierungsfall. Was bleibt, ist die Art Basel als letzte Bastion einstiger Grösse.

Dabei leidet die Kunstmesse ebenso an den widrigen Umständen. Auch wenn es in den besseren Jahren wenig kümmerte, dass die Baselworld und die Art Basel unter demselben Dach wirtschafteten, so werden in den vergangenen Monaten die Art-Leute weltweit doch darauf angesprochen, was der Niedergang der Uhren- und Schmuckmesse für sie bedeute. Und auch wenn sie einen Zusammenhang trotzig verneinen, färbt der negative Image ab.

Es ist zudem falsch, dass die Art Basel von der Krise nicht betroffen sei: Die MCH Group hat nicht aus Einsicht, sondern aus Not ihre Strategie über Bord geworfen, sich weltweit an zweitrangigen Kunstmessen in wichtigen Märkten zu beteiligen. Die Konzentration auf die Kernmarke mag die Art Basel mittelfristig zwar eher stärken. Kurzfristig ist der Verkauf von Messen wie zuletzt der Art Düsseldorf dennoch das Signal, dass es die MCH Group nicht wagt, ganz auf den Kunstmarkt zu setzen.

Wer die Vorbereitungen zur diesjährigen Art verfolgt, erhält den Eindruck, die Verantwortlichen seien sich der Bürde bewusst und wollten es besonders gut machen. Wie selten zuvor, kümmern sie sich um eine breite Akzeptanz. Wurde der Art-Zirkus in den vergangenen Jahren mit den Previews und Pre-Previews analog zur Baselworld immer elitärer, so soll die Art Basel dennoch egalitärer daherkommen.

Die Voraussetzung, dass dies gelingt, sind gegeben. Denn anders als die Baselworld, die abgesehen von einzelnen Uhrenmanufakturen im Waldenburgertal nie eine echte regionale Verwurzelung hatte, wird die Art als Veranstaltung von hier wahrgenommen.

Dies beginnt mit der Gründung; es waren Basler Galeristen wie Ernst Beyeler, die der Messe Pate standen. Es führt über die Integration zahlreicher regionaler Kulturinstitutionen; sie präsentieren sich auf die Art hin mit eigenen Ausstellungen. Und es reicht bis zur Partizipation einer breiteren Öffentlichkeit; zwanzig öffentlich zugänglich Kunstprojekt bilden den Art Parcours vom Münsterhügel bis zum Theaterplatz. Das einzige, was fehlt, ist eine Art-Direktion, die zeigt, dass sie sich in einer Weise dieser Region verbunden fühlt.

Die Art Basel ist nicht langfristig gesichert. Die Digitalisierung steckt im Kunstmarkt erst in den Anfängen, schon die mittelfristige Entwicklung ist deshalb kaum absehbar. Doch wenn noch eine Messe gefragt sein sollte, wo sich Menschen physisch treffen und Kunst nicht nur abgebildet, sondern tatsächlich ausgestellt wird, dann ist diese auf ein authentisches Umfeld angewiesen. Auf eine Stadt, in der die Kunstwelt nicht nur von der Hotellerie zur Abzocke benutzt, sondern in der Kunst auch gemocht wird. Basel bietet dazu den notwendigen Nährboden.

Die Frage ist, ob die Art Basel kräftig genug ist, um die MCH Group durch das Jammertal der nächsten Jahre zu tragen. Oder ob sie diese Abhängigkeit nicht selbst schwächeln lässt. Mit entscheidend ist, wie sich die UBS – der gerne übersehene Stützpfeiler – gegenüber der Kunstmesse verhalten wird. Die Grossbank mit Basler Wurzeln hat massgeblich deren Globalisierung finanziert, sie ist weiterhin ihr Grosssponsor und stützt durch den jährlichen «Global Art Market Report» ihre Reputation als dominanter Wirtschaftsfaktor im Kunstmarkt.

Erweist sich die MCH Group nachhaltig als Hemmnis für die Kunstmesse, sollte diese nicht zögern, sich von ihr zu emanzipieren und sich zu verselbstständigen. Die notwendige Finanzierung eines Spin-Offs dürfte kein Problem sein.

Die 49. Ausgabe der Art Basel bietet die Gelegenheit, die richtigen Fragen zu stellen. Dies, damit an der 50. Art Basel im kommenden Jahr die richtigen Antworten präsentiert werden können.