Ausbau
Die Buchhandlung «Bider & Tanner» setzt auf erweitertes Angebot

Die Buchhandlung übernimmt medizinisches und psychologisches Sortiment von «Karger Libri» – Musik, Vorverkauf und SBB-Billetts gibt es schon.

Peter Schenk
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Jens Stocker, Eigentümer von «Bider & Tanner», in der Reisebuchabteilung – im Hintergrund die SBB-Schalter.

Jens Stocker, Eigentümer von «Bider & Tanner», in der Reisebuchabteilung – im Hintergrund die SBB-Schalter.

Kenneth Nars

Von einer Schliessung oder von Abbau ist hier nicht die Rede. Die Basler Buchhandlung Bider & Tanner scheint in dem für den Buchhandel schwierigen Umfeld einen guten Weg gefunden zu haben, sich zu behaupten. «Wir bieten Einmaliges an, das nicht zu klonen ist», erklärt Jens Stocker – mit seiner Frau Franziska Inhaber des Unternehmens. Mit Spezialgebieten wie Reisen, englischer Literatur, Kinderbüchern, Essen und Trinken sowie Geschichte funktioniert das Geschäftsmodell.

Jetzt kommt ein weiteres Spezialgebiet hinzu. Voraussetzung dafür war allerdings, dass die wissenschaftliche Buchhandlung Karger Libri schliessen muss. «Bider & Tanner» kann ihr medizinisches und psychologisches Sortiment übernehmen. Jens Stocker hofft so vor allem auf neue, jüngere Kunden von Universität und Fachhochschule. «Wir müssen beweglich bleiben und uns für Geschäftsfelder öffnen, die wir bisher noch nicht abdecken», argumentiert er. Dabei habe er die Erweiterung des Sortiments nicht gesucht, sondern sie habe sich ergeben. «Frau Karger ist auf uns zugekommen.»

Vor «Karger» war «Pegasus»

Ganz ähnlich lief das vor rund zehn Jahren, als die anthroposophische Basler Buchhandlung Pegasus ihren Standort am Leonhardsgraben aufgeben musste. Auf ihre Initiative hat «Bider & Tanner» ein breites Spektrum anthroposophischer Literatur von Kinderbüchern bis zu Naturwissenschaften aufgenommen und ergriff so auch damals die Chance, sich weiter zu spezialisieren. «Wir haben grundsätzlich gute Erfahrungen mit dieser Entscheidung gemacht», berichtet Stocker. «Das Angebot steht einer Stadt wie Basel gut an», sagt er, wobei natürlich klar sei, dass sich die anthroposophischen Bücher auch betriebswirtschaftlich rechnen müssen.
Eine strategisch wichtige Entscheidung traf der Betrieb, als sich 2009 die Gelegenheit ergab, das Musikhaus Wyler zu kaufen. «Wir wollten die Buchhandlung zum Kulturhaus entwickeln.» Neben einem breiten CD-Angebot, das von Literatur und Schallplatten ergänzt wird, wurde der zuvor rudimentäre Ticketvorverkauf ausgebaut. «Wir bieten auch Abonnements an und vertreiben Billetts für die Opera von St. Moritz.» Heute würden drei bis vier Personen für das Ticketing arbeiten – dies sei die grösste Vorverkaufsstelle in Basel.

Die nächste und vorerst letzte Chance auf Erweiterung des eigenen Angebots kam mit den SBB. Als sie wegen des Umbaus des Stadtcasinos ihre Stadtschalter aufgeben mussten, schlug Stocker ihnen den neuen Standort vor. Seit einem Jahr gibt es direkt neben der Reiseabteilung zwei SBB-Schalter. Das passe gut zusammen. «Kompetenzzentrum» nennt Stocker das. «Die SBB sind stark digital ausgerichtet, aber das spricht nicht alle an. Manche wollen den menschlichen Kontakt», betont er.

Seit die Stockers die Buchhandlung 1992 gekauft haben, ist sie beständig gewachsen. Ursprünglich bestand sie aus zwei Läden: «Bider», der ab 1962 an der Heuwaage Reiseliteratur und Karten anbot, und «Tanner». Letzterer wurde 1942 gegründet und befand sich zuerst am Rümelinsplatz, später an der Streitgasse. Weil wegen der Nazidiktatur aus Deutschland keine Lieferungen mehr an seriöser deutschsprachiger Literatur möglich waren, spezialisierte sich «Tanner» auf englischsprachige Bücher und Sprachlehrmaterial.

1998 am Bankenplatz eröffnet

1998 wurde «Bider & Tanner» am neuen, jetzt gemeinsamen Standort am Bankenplatz eröffnet und die Verkaufsfläche von 400 auf 800 Quadratmeter verdoppelt. «Damals haben uns viele Leute für verrückt gehalten», erzählt Stocker.

Heute verfügt «Bider & Tanner», weiterhin am gleichen Standort, über knapp 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Auf die Frage, wie es um den Betrieb stehe, antwortet der ausgebildete Buchhändler und Werber: «Heute geht es einem gut, wenn man erreicht hat, was man sich vorgenommen hat und gut davon leben kann.»

Als Hauptkonkurrenz sieht Eigentümer Jens Stocker das Internet. Vom Angebot im Netz müsse man sich absetzen. Und statt über den Einkaufstourismus zu jammern, betont er: «Wir haben überraschend viele Kunden aus dem Euro-Raum.» Sie kämen aufgrund des breiten Angebots. Dazu gehört die heute seltene Möglichkeit, CDs über mehrere Anlagen vor dem Kauf Probe zu hören.

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