Nähkästchen

Die Basler Schauspielerin Sandra Moser blickt zurück: «Es war sehr seltsam, berühmt zu werden»

Sandra Moser im Theaterraum Bau 3 auf dem Gundeldingerfeld, wo sie häufig arbeitet.

Sandra Moser im Theaterraum Bau 3 auf dem Gundeldingerfeld, wo sie häufig arbeitet.

Die Schauspielerin Sandra Moser plaudert aus dem Nähkästchen: über Geld, die Liebe zu Basel und ihre unvergessliche Fernsehrolle.

Welchen Begriff haben Sie aus dem Nähkästchen gezogen?

Sandra Moser: Auf dem Zettelchen steht Reichtum.

Wären Sie gerne reich?

Gegen das, was man gängig unter reich versteht, also viel Geld zu haben, hätte ich nichts einzuwenden. Das wäre nicht unangenehm. Aber es muss nicht sein. Denn ich empfinde mich jeden Tag als reich beschenkt. Ich wohne direkt am Rhein und schaue morgens als erstes aus dem Fenster. Manchmal sehe ich den Sonnenaufgang, manchmal Vögel.

Sie sagen, Sie hätten nichts dagegen, materiell reich zu sein. Schaut man sich Ihre Biografie an, haben Sie es aber nicht darauf ausgelegt.

Ich bin keine Person, die kalkulierend ist und berufliche Tätigkeiten wählt, die einem materiellen Reichtum bescheren. Ich denke, ich habe stets das gewählt, was mich inspirierte.

Was inspiriert Sie derzeit?

Ich lasse mich immer durch das Zeitgeschehen inspirieren. Derzeit beeinflussen mich die Jungen, die für ihre Werte einstehen und kämpfen. Für eine Basler Produktionsfirma schreibe ich momentan ein Drehbuch für einen Kinofilm. Der Film basiert auf historischen Ereignissen, spielt jedoch in der heutigen Zeit.

Ist es sicher, ob dieser Film letztlich ins Kino kommt?

Nein. Bei einigen meiner Projekte entscheidet sich erst während der Produktion, ob es realisiert werden kann. Das Drehbuch, für das wir Fördermittel erhielten, entsteht auf jeden Fall. Bei den nächsten Schritten braucht es viel Durchhaltevermögen, Glück und Können. Anders als beim Theater benötigt man für einen Film deutlich mehr finanzielle Mittel.

Sie sprechen es an: Eine ihrer grossen Lieben gilt dem Theater.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe ich bei vielen Theaterstücken Regie geführt oder mitgespielt. Aktuell bereite ich ein Theaterprojekt für junge Menschen vor, dessen Proben im Oktober beginnen werden. Es wird in Zusammenarbeit mit dem Verein Reactor im Gundeli realisiert. Es handelt von Kaufsucht. Das ist ein Thema, das sehr bewegt. Uns wird dauernd gesagt, dass wir unseren Reichtum durch Materielles vergrössern können.

Basel beherbergt eine lebendige Theaterszene. War sie der Grund, weshalb Sie hierher kamen?

Natürlich hat mich die Liebe nach Basel getrieben. Mein heutiger Mann hat damals hier studiert. Als Schauspielerin und Regisseurin war ich viel unterwegs, weshalb wir uns selten gesehen haben. Da ich schwanger wurde, entschied ich, mich in Basel niederzulassen. Ich bin selbstverständlich froh darüber, dass Basel mir eine tolle freie Theaterszene bietet und die Schweiz so klein ist, dass ich überall arbeiten kann.

Aus Ihrem reichhaltigen Lebenslauf sticht eine Rolle heraus, mit der Sie einst in der ganzen Schweiz bekannt wurden.

Sie meinen die Rolle der Annekäthi aus der populären Fernsehserie Fascht e Familie im Schweizer Fernsehen.

Wie fühlte es sich an, über Nacht berühmt zu werden?

Es war sehr seltsam, berühmt zu werden. Ich war damals noch ziemlich jung, kam vom Theater und schaute fast kein Fernsehen. Die Serie kannte ich kaum. Man kann durchaus sagen, dass ich über Nacht bekannt wurde. Es war gewöhnungsbedürftig. Ich musste lernen, damit umzugehen. Letztlich bin ich dem Schweizer Fernsehen sehr dankbar. Ich denke, ich war die erste dunkelhäutige Schauspielerin mit einer Hauptrolle. Damit waren wir der Zeit voraus.

Würden Sie damals häufig angefeindet?

Ja, das gehörte dazu. Man sagte mir etwa, ich solle dahin zurückgehen, wo ich herkomme. Ich bin in Thun geboren und mein Heimatort ist Zäziwil. Diese beiden Berner Ortschaften waren aber wohl nicht gemeint. Die Rolle sorgte dafür, dass mir später im Alltag und auf der Strasse mehr Respekt entgegengebracht wurden.

Wie häufig kommt es heute noch vor, dass Sie von jemandem auf die Rolle angesprochen werden?

Mindestens einmal pro Woche. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele die Serie noch immer kennen. Mittlerweile kann ich es viel mehr geniessen als früher, da die Distanz grösser ist.

Mit Ihrer Fernsehrolle schnupperten Sie am Mainstream. Verspüren Sie keine Lust, nach Jahren in der Kleinkunst wieder dahin zurückzukehren? Vielleicht würden Sie dann doch noch reich werden.

Mir ist es völlig egal, ob ich in einem kleinen oder grossen, renommierten oder unbekannten Haus performe. Es muss mich einfach mitreissen und der Inhalt muss für mich passen. Selbstverständlich müssen auch die finanziellen Bedingungen stimmen, denn ich arbeite nicht kostenlos. Es reicht jedoch, wenn ich davon leben kann. Eine Hauptrolle in einem grossen Kinofilm würde ich sicher nicht ablehnen. Aber ich würde genauso in einem Kurzfilm eines Hochschulabgängers mitspielen.

Gibt es eine Rolle, die Sie unbedingt noch spielen möchten?

Eine solche Rolle gibt es nicht. Aber ich möchte in Zukunft noch mehr eigene Drehbücher schreiben und diese anschliessend selber umsetzen.

Heinz Margot und Sandra Moser als Galliker und Irene in einem Theaterstück. (Archivbild)

Heinz Margot und Sandra Moser als Galliker und Irene in einem Theaterstück. (Archivbild)

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