Coronavirus

Der Präsident des Basler Wirteverbands mit Rundumschlag gegen Coronamassnahmen

Maurus Ebneter, Präsident des Basler Wirteverbands.

Maurus Ebneter, Präsident des Basler Wirteverbands.

Maurus Ebneter, der Präsident des Basler Wirteverbands, stellt Forderungen auf, wie die Coronakrise bewältigt werden soll.

«Die Coronazahlen und die Verunsicherung nehmen zu», schreibt Maurus Ebneter auf der Website des Basler Wirteverbands, den er präsidiert. Deshalb hat er nun elf Forderungen an die Politik und die Entscheidungsträger formuliert. Die Liste ist gespickt mit fett gedruckten Schlagworten und Ausrufezeichen. Ebneter will «klare, vernünftige und schengenweit harmonisierte Reisebestimmungen», längere Rückzahlungsfristen für Coronakredite, Schnelltests und anderes mehr.

Konkret für die Wirtinnen und Wirte fordert der Verbandspräsident, dass die Quarantänefristen von zehn auf sechs Tage verkürzt werden. Und weiter: «Mitarbeitende mit lediglich leichten Krankheitssymptomen sollen bis zum Vorliegen der Testresultate mit Maske weiterarbeiten können.» Gegenüber der bz erklärt Ebneter diese Forderung: «Mit einem leichten Kratzer im Hals, wie es im Winter viele von uns haben, sollte es möglich sein, mit Maske zu arbeiten – wie im Gesundheitswesen. Ansonsten fehlt den Betrieben das Personal.»

Diese Aussage stösst im sozialen Netzwerk Facebook auf Unverständnis. Eine Nutzerin schreibt: «Ich bin total perplex. Können Sie mir erklären, weshalb ich noch ein Restaurant besuchen soll, in dem ich davon ausgehen muss, von Corona-Verdachtsfällen bedient zu werden?» Der Wirteverband wiegelt ab, kranke Mitarbeitende sollten natürlich nicht zur Arbeit kommen.

«Kurve flach halten statt Nulltoleranz»

Unter den Punkten 9 und 10 verlangt Ebneter gezielte Unterstützungsprogramme für stark betroffene Betriebe sowie eine gesetzliche Regelung für die Mieten während des Lockdown. Im Gespräch räumt er allerdings ein, der Kanton Basel-Stadt habe diesbezüglich bereits und auch schneller als der Rest der Schweiz reagiert. Der Grosse Rat genehmigte im Mai 2020 insgesamt 18 Millionen Franken für Corona-Mietzinshilfen an Basler Geschäfte. Im Rahmen dieses Pakets beteiligt sich der Kanton zu einem Drittel an den Mietzinsen des Gewerbes. Zudem lancierten die Behörden ein Unterstützungsprogramm für Selbstständigerwerbende.

Die elf Punkte in Ebneters Auflistung beziehen sich aber nicht nur auf die Basler Gastronomie, deren Interesse der Wirteverband vertritt. «Kurve flach halten statt Nulltoleranz», schreibt Ebneter zum Abschnitt «gesunder Menschenverstand». Oder er will, dass man lerne, mit dem Coronavirus zu leben. Unter dem Strich hält Ebneter die aktuelle Coronapolitik für verfehlt: «Es gibt zu viel Aktivismus. Gleichzeitig ist nicht klar, wie verhältnismässig gewisse Massnahmen sind», sagt der langjährige Wirteverbandspräsident.

«Es werden immer die gleichen Leute angehört»

Besonders die Auswirkungen auf die Wirtschaft würden zu wenig diskutiert. Deshalb schreibt er gleich unter Punkt 1: Es brauche jetzt «Entscheidungsträger, die die Nerven behalten und nicht nur auf die immer gleichen Virologen und Epidemiologen hören». Ebneter erklärt: «Es werden immer die gleichen Leute angehört. Dabei müsste man auch die wirtschaftlichen und sozialen Folgen abwägen und mit anderen Medizinern sprechen.»

Als Beispiel nennt er Pietro Vernazza, Chefarzt für Infektiologie am Kantonsspital St. Gallen. Dieser plädiert dafür, eine andere Strategie zu fahren. Er befürwortet die Reduktion der Schutzmassnahmen in der breiten Bevölkerung und kann sich damit eine Durchseuchung als Alternative vorstellen.

Ebneter appelliert, die Abstandsregeln und Hygienemassnahmen seien weiterzuführen. Auch für die Absage von Grossanlässen, an denen sich viele Leute anstecken könnten, hat er Verständnis. Ansonsten sollte die Gastronomie möglichst normal funktionieren können. Denn ein «Wildwuchs an Schutzmassnahmen» brauche es nicht.

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