Die Basler Wohnungsnot ist im Jahr eins nach Annahme der Wohninitiativen zum Axiom geworden. Die Mieten seien zu teuer, das Angebot zu knapp, so das Mantra von links, zuletzt gehört diese Woche, nachdem die Regierung die Umsetzung des «Rechts auf Wohnen» präsentiert hat.

Zumindest unter Betrachtung des ersten Punkts dürfte überraschen: Viele Mieter könnten eigentlich günstiger wohnen. Grund dafür ist der Referenzzinssatz. Dieser orientiert sich am Durchschnitt, welcher jeweils mit Stichtag 1. Juni erhoben wird. Sinkt dieser unter einen bestimmten Wert, wird der hypothekarische Referenzzinssatz angepasst. Mieter dürfen dann eine Anpassung ihrer Monatsmiete verlangen.

Zuletzt war dies im Frühling 2017 der Fall. Die Spezialisten rechnen mit einer weiteren Senkung im kommenden Jahr. Sinkt der Referenzwert um 0,25 Prozentpunkte, wird die Miete gleich drei Prozent günstiger. Seit 2011 ist das vier Mal geschehen. Das kann schnell einige hundert Franken ausmachen.

«Im Prinzip reicht ein Satz»

Die «Schweiz am Wochenende» hat sich bei verschiedenen mittleren und grösseren Immobilienverwaltungen der Stadt umgehört. Viele Mieter machen von ihrem Recht nicht Gebrauch. Das deckt sich mit einer im Juni veröffentlichten schweizweiten Studie. Sie besagt, Schweizer Mietern entgingen durch verpasste Mietpreissenkungen bis zu 800 Millionen Franken.

«Ich schätze, dass nur etwa 60 bi 70 Prozent der Mieterinnen und Mieter eine Reduktion verlangen», sagt Felix Herzog, Geschäftsleiter von Burckhardt Immobilien. Dabei sei das Ganze ziemlich einfach. «Es gibt ja Standardvorlagen, im Prinzip reicht ein Satz.» Noch einfacher fährt nur, wer beim Kanton mietet. «Seit jeher wird bei den Wohnungen im Finanzvermögen des Kantons und bei den Wohnungen der Pensionskasse Basel-Stadt unaufgefordert weitergegeben, sprich die Miete entsprechend gesenkt», sagt Rolf Borner, Geschäftsleiter von Immobilien Basel-Stadt.

Als weiterer Beweis für die Wohn-Misere wird unter anderem die Leerstandsquote angeführt, welche mit 0,7 Prozent so tief ist, dass sie gemäss Bundesamt für Wohnungswesen den Begriff der Wohnungsnot rechtfertigt. Kritiker dieser Auslegung führen an, die Leerstandsquote habe in den vergangenen Jahren stetig abgenommen.

Tatsächlich standen zum Stichtag am 1. Juni 2014 nur 245 Wohnungen frei, was 0,2 Prozent entsprach. In den Jahren darauf stieg die Quote erst auf 0,3, dann 0,4, schliesslich 0,5 und zuletzt auf 0,7 Prozent an. Basel steht damit wieder vor Lausanne, Genf, Bern und Zürich. Für kommenden Monat sind aktuelle Zahlen zu erwarten.