Nähkästchen

Der Basler Hotelier und Gastronom Franz-Xaver Leonhardt über Veränderungen: «Es hat mich emotional durchgeschüttelt»

Franz-Xaver Leonhardt hat den Begriff Veränderung aus dem Nähkästchen gefischt.

Franz-Xaver Leonhardt hat den Begriff Veränderung aus dem Nähkästchen gefischt.

Der Basler Hotelier und Gastronom Franz-Xaver Leonhardt über Metamorphosen, seinen Ärger über die Politik und die Rheingasse.

Herr Leonhardt, was ist unser Thema?

Franz-Xaver Leonhardt: Veränderungen.

Der Mensch, so sagt man, mag keine Veränderungen.

Das ist auf die Evolution zurückzuführen. Denken Sie an den Homo sapiens, da dauerte es Jahrtausende, bis sich etwas veränderte. Heute sind wir ständig Veränderungen ausgesetzt, der Industrialisierung und Digitalisierung geschuldet. Das entspricht nicht unserem Naturell. Deshalb reagiert man zuweilen mit Abwehr. Wir sind irgendwie immer noch Höhlenbewohner.

Sie aber scheinen Veränderungen zu mögen. Ihre Reaktion auf den Begriff vorhin war sehr positiv.

Ich versuche immer, das Gute in Veränderungen zu sehen. Ein Unternehmer muss damit umgehen können. Stillstand ist langweilig, deshalb suche ich auch aktiv nach Veränderung.

Als CEO der Krafft Gruppe betreiben Sie die Hotels Krafft und Nomad sowie die Weinbar Consum und die Pub-Brauerei Voltabräu. Steht etwas Neues an?

In diesem Business ist man stets auf der Suche nach Möglichkeiten... Konkreter kann ich noch nicht werden.

Welche Veränderung in Ihrem Leben hat Sie am meisten geprägt?

Die Metamorphose der Rheingasse. Als ich das Krafft vor 18 Jahren übernahm, beherrschte das Drogen- und Rotlichtmilieu die Szene. Heute ist die Rheingasse ein lebendiger Ort. Ich bin glücklich darüber, dass ich da mitgestalten durfte. Es hat mir auch Mut gemacht, neue Projekte zu wagen. Klar gab es schwierige Zeiten. Ich habe aber stets an meine Fähigkeiten geglaubt.

Es gibt Veränderungen, die man selber herbeiführt, und solche, auf die man keinen Einfluss hat. Der Brand in der Rheingasse im August 2019 ist so ein Fall. Wie ging es Ihnen in jenen Tagen?

Es hat mich emotional durchgeschüttelt. Dass plötzlich nichts mehr war wie vorher. Gehadert habe ich aber nicht damit; das bringt nie etwas.

Der «Schwarze Bären» wird nun von Grund auf saniert, ja neu gebaut. Sie sind nah dran an der neuen Eigentümerin, der Edith-Maryon-Stiftung. Wie sehen deren Pläne aus?

Die Stiftung berät derzeit über verschiedene Möglichkeiten. Mehr weiss ich auch nicht. Ich bin nicht Projektleiter des neuen «Schwarzen Bären», wie fälschlicherweise geschrieben wurde. In die Gestaltung möchte ich mich vorerst nicht einmischen.

Sie haben aber Ideen. Etwa, dass es im «Schwarzen Bären» günstige Wohnungen für Studenten der Jazzschule geben könnte.

Das wäre eine Möglichkeit. Es muss aber nicht immer nach meinen Ideen gehen. Ich sehe mich nicht als König der Rheingasse, das ist wohl eher Flosskapitän Tino Krattiger, er macht das gut (lacht). Zurzeit habe ich Lust, mich anderswo einzubringen: Mich stört das Gegeneinander von Links und Rechts in dieser Stadt. Statt sich ständig die Schuld in die Schuhe zu schieben, sollte man im Interesse Basels nach Lösungen suchen.

Sie steigen in die Politik ein?

Ich kann mich nicht immer nur ärgern und «motzen»; deshalb schliesse ich es nicht aus. Vergangene Woche nahm ich erstmals an einer Parteiversammlung der CVP teil. Ich denke, sie sollte sich von Partnern wie der SVP mehr abgrenzen. Auch den Mut haben, sich zu exponieren.

Diese Woche wurde bekannt, dass der Kanton die Messehalle 3 samt Musicaltheater der MCH abgekauft hat. Der richtige Schritt?

Auf jeden Fall. Der Messe geht es wirklich schlecht. So kann sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Als Hotelier habe ich ein grosses Interesse daran, dass es mit Messen wie der Baselworld wieder aufwärts geht. Ich bin überzeugt davon, dass der Kanton eine gute Lösung für das Areal findet. Er soll nur nicht selber dort bauen wollen. Das kommt meist nicht gut, wie man am Biozentrum sehen kann...

Haben Messen wie Baselworld im digitalen Zeitalter eine Zukunft?

Definitiv. Es gibt nichts, das den persönlichen Kontakt ersetzen kann. Das wird sich nie verändern. Schauen Sie nach Davos, auch am WEF treffen sich die Menschen weiterhin.

In Ihren Betrieben kommen Menschen zusammen, etwa im Voltabräu. Der Brauerei läuft es sehr gut, hört man...

Super sogar! Wir wachsen dort, haben jetzt zusätzliche Tanks gekauft und produzieren bereits für die Fussball-EM.

Stimmt es, dass Sie keine Ahnung von Bier haben?

(lacht) Ich trinke gerne Bier, weiss aber tatsächlich nicht viel darüber. Muss ich aber auch nicht, der Brauereileiter beherrscht sein Handwerk!

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1