Die Reaktionen waren zahlreich: Das bz-Jungparteien-Ranking vom letzten Freitag sorgte für Diskussionen. Vor allem auf Twitter wurde der Parteienvergleich kontrovers kommentiert. Während sich Vertreter der Jungfreisinnigen und der Juso über ihr gutes Abschneiden freuten und das Ranking als Bestätigung ihres Erfolgs werteten, äusserten sich andere deutlich unzufriedener. Die Kritik kam nicht etwa von den Parteien, die im Ranking auf den hinteren Plätzen landeten, sondern von jenen, die es gar nicht ins Ranking geschafft hatten. Es sei wohl kein journalistischer Ehrgeiz vorhanden, wenn nicht alle Parteien beachtet würden, monierten Vertreter und Vertreterinnen der Jungen GLP. Sie wurden dabei von nationalen Vertretern unterstützt, allen voran vom Aargauer GLP-Nationalrat Beat Flach, der die Twitter-Botschaften der Basler JGLP weiterverbreitete.

Etwas differenzierter äussern sich die betroffenen Parteipräsidenten nun im Gespräch mit der bz. Sie können sich die Abwesenheit ihrer Parteien im bz-Ranking selbst erklären. «Einer der negativen Faktoren war klar der, dass unsere Internetseite nicht erreichbar war», erklärt Benjamin Grob, Präsident der Basler Jungliberalen. Die Website befinde sich zurzeit in einer Überarbeitung und sei in neuer Form erst ab Anfang September, also pünktlich zum Studienbeginn, wieder abrufbar. Grob hofft, dass die Jungliberalen dann vermehrt mit Studierenden in Kontakt treten können. Bisher würden die Jungliberalen leider noch zu oft von anderen bürgerlichen Jungparteien überschattet. Besonders die Abgrenzung zu den Jungfreisinnigen gestalte sich schwierig. «Die Liberalen sind in der Schweiz ein Unikum.» Es sei denn auch immer wieder schwer zu erklären, inwiefern sich die Partei von anderen bürgerlichen Parteien unterscheide.

Auch Patrick Wolfgang, Co-Präsident der Jungen GLP Basel, sieht bei seiner Partei noch Verbesserungspotenzial. «Wir könnten unsere Veranstaltungen etwas stärker pushen.» Die Junge GLP sei aber gerade im Social Media-Bereich aktiv und engagiere sich realpolitisch, wie die erst kürzlich eingereichte Interpellation von GLP-Grossrätin Katja Christ zeige. Diese wurde von der Jungen GLP initiiert und fordert von der Regierung eine Erklärung bezüglich der gescheiterten Abfalltrennung am Rheinbord. Dennoch muss Wolfgang zugeben: Die Mutterpartei gehöre nicht zu den stärksten Parteien der Region. Darunter leide wohl auch die Wahrnehmung der Jungparteien.
Ganz anders fiel die Antwort der Jungen CVP aus, deren Parteien auf den hinteren Rängen des bz-Rankings landeten. Besonders die Basler Jungpartei reagierte souverän. Statt sich zu beklagen, nahm sie sich die schlechte Bewertung ihrer Online-Aktivität zu Herzen und legte sich kurzerhand ein Twitter-Konto zu. Und auch ihre Baselbieter Kollegen reagierten prompt: Auf Twitter kündigten sie an, eine neue Strategie entwickelt zu haben, die sie «wieder erfolgreich» machen soll.

Wechsel bei Baselbieter JCVP

Wie diese neue Strategie aussehen könnte, zeichnete sich bereits im Vorfeld ab. Andere Parteipräsidenten erzählten gegenüber der bz, die JCVP Baselland bestehe vorwiegend aus berufstätigen Personen, die aufgrund ihres Alters eigentlich nicht mehr in eine Jungpartei gehörten. Auf Nachfrage bestätigt Nadja Lüthi, Advokatin und aktuelle Präsidentin der Baselbieter JCVP, denn auch ihren Rücktritt. Der genaue Zeitpunkt sei noch unklar, könnte aber noch in der Ferne liegen: «Spätestens nach den Nationalratswahlen werde ich zurücktreten», erklärt sie. Die zu besetzende Stelle sei vakant.

Bis die Partei ein neues Präsidium gewählt hat, fungiert Muriel Dietiker vom Baselbieter CVP-Vorstand als Strippenzieherin. Sie vertritt die Partei interimsmässig nach aussen und hat grosse Pläne für ihre Schützlinge. «Aus der Versenkung» möchte sie die JCVP Baselland holen. Spätestens bei den kommenden Nationalratswahlen 2019 werde die Jungpartei wieder im Politgeschehen mitmischen, wie Dietiker verspricht. Dann wolle sich die Partei mit einer eigenen Liste zur Wahl stellen.