Basler Fasnacht
Das «Speiholz» pfeift wieder: Cliquen dürfen endlich wieder üben, Musikakademie bestellt Plexiglas

Übungsstunden für Fasnachtsvereine sind nun möglich – obwohl Chöre wegen Ansteckungsrisiko pausieren. Die Frage nach der Verteilung von Aerosolen beschäftigt die Szene weiterhin und verlangt nach ausreichend Schutzmassnahmen. Tambouren sind im Vorteil.

Andreas Schwald
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Es darf wieder gepfiffen werden – aber nur mit Abstand und gehörigen Schutzmassnahmen.

Es darf wieder gepfiffen werden – aber nur mit Abstand und gehörigen Schutzmassnahmen.

Kenneth Nars

Die Coronasituation hat seltsame Auswüchse. Plötzlich wird erforscht, was man vorher gar nicht so genau wissen wollte. Zum Beispiel, wie viele Aerosole beim Spielen von Blasinstrumenten produziert werden. Denn was andernorts oft nur spezifische Orchester oder überschaubare Musikerkreise betrifft, ist in Basel für die halbe Stadt ein Thema. Denn hier gehört das Basler Piccolo, auch «Speiholz» oder «Speuzbängeli» genannt, dank der Fasnacht zur Folklore – und damit ins gesellschaftliche Leben.

Tatsächlich darf seit Kurzem wieder zur kurzen Flöte gegriffen werden. In einer Notiz machte das Fasnachts-Comité auf die Durchführung von Übungsstunden aufmerksam, allerdings mit Verweis aufs Gesundheitsdepartement. Tatsächlich meldeten sich dort bereits zehn Cliquen und Pfeiferschulen, wie es auf Anfrage heisst. Wer Übungen durchführen will, muss sich an entsprechende Auflagen halten: Es ist ein genügend grosser Abstand zwischen den Personen einzuhalten: Jede Person benötigt vier Quadratmeter. Zudem muss das Kondenswasser, das sich dabei ansammelt, beachtet werden.

Man zeigt sich des digitalen Übens langsam leid

In der Realität kann das, um im Baseldeutschen zu bleiben, «gelungen» aussehen. So sagt Silvia Fuchs, Inhaberin einer Piccoloschule für Erwachsene, dass sie ihren Unterrichtsraum mit Markierungen versehen hat, alles regelmässig desinfiziert, einen «Spuckschutz» installiert hat und dazu ein Plastikvisier trägt. Aber: «Hauptsache Piccolo spielen», sagt sie. Das komme auch ihren Schülern entgegen, von denen viele nicht mehr per Videokonferenz üben möchten.

«Beim Piccolo ist es wie bei andern Flöten so, dass der Einfallswinkel der Luft sehr steil ist», sagt Fuchs unter Bezug auf einige Studien, die in Musikerkreisen bereits die Runde gemacht haben. Somit sollte die Verteilung von Aerosolen, also Tröpfchen aus Körperflüssigkeit, die Corona übertragen könnten, bereits gemindert sein. Sie sei aber froh, dass ihr Unterrichtsraum gross genug sei und über ausreichend Fenster zum Lüften verfüge, sagt Fuchs. Tambouren sind da im Vorteil. Sie haben in der Regel eigene Schlegel und können beim Üben einen Mundschutz tragen. Aber auch hier gelten die Abstände.

Musikakademie setzt auf bauliche Massnahmen

Das Problem haben nicht nur Cliquen, sondern auch Profis. So hat die Basler Musik-Akademie ein umfassendes Schutzkonzept erstellt und zahlreiche Plexiglasscheiben bestellt, um die Nutzer von Blasinstrumenten sowie Sänger gegenseitig zu schützen, wie die Kommunikationsbeauftragte Sibille Stocker sagt.

Chöre sind zurzeit besonders betroffen; Gesang soll viele Aerosole freisetzen. Während an der Hochschule der Chorunterricht bis heute digital stattfindet oder ausgesetzt ist, proben die Chöre der Musikschule in kleinen Besetzungen und in ausreichend grossen Sälen, in denen mindestens vier Quadratmeter pro Person zur Verfügung stehen. Bis zum Semesterende führt die Musikhochschule den Distanzunterricht weiter.

Die sichere Devise lautet daher nach wie vor alleine Üben. Immerhin: Laut Stocker hätten viele Lehrpersonen bemerkt, dass insbesondere im Musikunterricht zahlreiche Schüler gerade auch im Online- und Distanzunterricht deutliche Fortschritte gemacht hätten.