Plan B
Das Kulturfloss startet pünktlich - allerdings vorübergehend an Land

Die Rettung kam in letzter Sekunde: Die Allmendverwaltung hat heute eine Bewilligung für eine provisorische Bühne an Land ausgesprochen. Damit rettet sie die ersten Konzerte des Kleinbasler Festivals «Im Fluss».

Martina Rutschmann
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Etwas fehlt: Die Floss-Bar ist bereits am Kleinbasler Rheinufer installiert, genauso, wie das Technik-Gerüst rechts davon – doch das Floss selber bleibt seinem Platz auf unbestimmte Zeit fern.
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Kapitän Tino Krattiger und Produktionsleiter Rolli Schaad hoffen auf bessere Zeiten – machen aber das Beste aus der Situation und lassen die Bands an Land spielen.
Die beiden können nichts tun, ausser warten, bis sich die Situation entschärft.
Aufbau der provisorischen Bühne für das Festival «Im Fluss», das nun eigentlich «Am Fluss» heissen sollte
Kulturfloss hat einen Plan B
Auch wenn mal die Sonne scheint, das Floss konnte bisher nicht anlegen.
Schwimmen im Rhein ist derzeit wegen Treibgut sehr gefährlich.

Etwas fehlt: Die Floss-Bar ist bereits am Kleinbasler Rheinufer installiert, genauso, wie das Technik-Gerüst rechts davon – doch das Floss selber bleibt seinem Platz auf unbestimmte Zeit fern.

Kenneth Nars

Handys, die klingeln, Krisensitzungen, dazwischen der Blick gen Himmel. Kommt er, der angekündigte Regen, kommt er nicht? Er kommt. Kurz nach 15 Uhr schüttet es sintflutartig, jeder Tropfen zerrt am ohnehin schon dünnen Nervenkostüm des Teams um Floss-Kapitän Tino Krattiger. Und selbst, wenn der Regen hier ausgeblieben wäre – das Team weiss: Das Wasser aus dem Mittelland ist auf dem Weg nach Basel und lässt den Pegel ansteigen.

Würde das Kulturfloss schon an seinem Platz oberhalb der Mittleren Brücke stehen, blieben die Männer gelassen. Dann müsste im schlimmsten Fall ein Konzert wegen des zu hohen Pegels abgesagt werden; das wäre zwar ärgerlich, aber wie die Erfahrung aus vergangenen Jahren zeigt kein Drama, da das Floss in diesen Fällen stets schon vor Ort, das Licht installiert und auch sonst alles an seinem Platz war.

«Im Fluss» startet als «Am Fluss»

Doch jetzt erleben die Männer das schlimmste aller Szenarien: Das Floss konnte nicht wie geplant am vergangenen Freitag von der Schwarzwaldbrücke an den Konzertort gefahren werden, auch der Ausweichtermin am Montagmorgen fiel ins Wasser – und wie es aussieht, werden die Schlepper das Floss auch am heutigen Dienstag, allenfalls auch am Mittwoch und an den Folgetagen nicht von seinem Platz bewegen können. Zu hoch der Pegel, zu stark die Strömung, zu viel Treibholz – und vor allem: zu gross die Gefahr, dass das Floss mit seiner flachen Konstruktion überspült werden und untergehen könnte.

Das heisst: Das, worüber die bz vor einigen Tagen noch spekulierte, ist inzwischen traurige Gewissheit. Das erste Konzert am heutigen Dienstag kann nicht auf dem Floss stattfinden. Tino Krattiger gibt aber nicht auf, sondern sagt: «Unsere Devise lautet: Wir müssen trotzdem spielen!» Ein anderes Schiff als Bühne kommt nicht infrage, es bleibe also nur eine Alternative: Aus dem Festival «Im Fluss» müsse erstmals in dessen 15-jähriger Geschichte «Am Fluss» werden, zumindest vorübergehend.

Und das wird der Fall sein. Wie die bz in Erfahrung bringen konnte, wird die Allmendverwaltung am heutigen Dienstag eine Bewilligung für eine provisorische Bühne an Land ausstellen. Was sie am Dienstagmorgen auch bekannt gab. Grund für das rasche Handeln der Behörden sind «die besonderen Wetterbedingungen». Die Bühne wird neben dem Boulevard-Restaurant des Hotels Krafft in Form eines Dreiecks aufgebaut. Krattiger und Produktionsleiter Rolli Schaad sind froh, dass die Premiere nun doch über die Bühne gehen kann, die Ersatzbühne mit all den notwendigen Arbeiten kostet sie aber über 10 000 Franken.

Auch Robert Schroeder, der als «8-Bar»-Wirt für die Floss-Gastronomie zuständig ist, bereiten die kommenden Tage Bauchschmerzen. Die Floss-Bar und die dazugehörenden Bar-Wagen werden ebenfalls pünktlich eröffnet, doch: «Es ist das Floss, das Publikum anzieht», sagt Schroeder.

Wann der Publikumsmagnet wieder an seinem Platz liegt, ist offen. Die Prognosen sehen schlecht aus. Demnach steigt der Rheinpegel wieder so stark an, dass die Schifffahrt gesperrt werden muss. Bereits vergangene Woche war das kurzzeitig der Fall. Bis zu einem Wasserstand von 790 Zentimetern dürfen die Schiffe durch Basel fahren, danach wird gesperrt. Für den Flosstransport gelten aus Sicherheitsgründen strengere Werte. Michael Gründler von der Reederei Befrag, die das Schleppschiff «Vogel Gryff» besitzt, sagt: «Wenn der Pegel über 730 Zentimetern liegt, ist es zu heikel, das Floss in die Strömung zu bringen.» Für die Bundesfeier mit Sänger «Ritschi» ist ein Wasserstand von mehr als 800 Zentimetern vorausgesagt.