Sammlung
Das Basler Baudepartement hat keinen Platz mehr für die Kunst

Über Jahre hat das Baudepartement Kunstwerke angekauft – jetzt muss es sie anderswo unterbringen.

Hannes Nüsseler
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Rudolf Maeglins «Widerlager der Dreirosenbrücke» (1934) wird in die Sammlung des Kunstkredit aufgenommen.

Rudolf Maeglins «Widerlager der Dreirosenbrücke» (1934) wird in die Sammlung des Kunstkredit aufgenommen.

zvg

Für einmal sitzt das BVD selbst auf einer Baustelle: Mitte Januar kündete der Regierungsrat an, den «fachgerechten Umgang mit 730 Basler Kunstwerken» sicherzustellen, die sich derzeit noch im Besitz des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) be­finden. Zwischen 1932 und 2003 hatte das damalige Baude­partement mit Mitteln aus dem Baukredit regelmässig «mobile Kunstwerke» angekauft, die im Laufe der Jahre wegen mangelnder Präsentationsmöglichkeiten eingelagert werden mussten. Die Wartungs- und Restaurierungskosten übersteigen dabei den Marktwert der Werke bei weitem, wie BVD-Mediensprecherin Sarah Mesmer mitteilt. «Eine Mehrheit der Kunstwerke hat mangels überregionaler Bekanntheit ihrer Urheber keinen hohen Marktwert.»

Dieser bleibe in der Regel unter 500 Franken, nur einige Objekte erzielten einen Wert von über 5000 Franken. «Dagegen beläuft sich der Restaurierungs- und Lageraufwand auf jährlich 50000 Franken.»

Kantonsbaumeister als Kunsteinkäufer

Zweck der Erwerbungen sei es gewesen, Verwaltungsbauten und -büros «mit künstlerischem Schmuck» auszustatten. Anders als beim Kunstkredit war die Kunstförderung dabei nicht das vorrangige Motiv – «auch wenn die Unterstützung von Künstlerinnen und Künstlern aus Basel und der näheren Umgebung im Hintergrund sicher eine Rolle spielte», so Mesmer.

Zum Bestand gehören unter anderem Werke von Niklaus Stoecklin, Walter Kurt Wiemken, Rudolf Maeglin, Karl Moor, Marguerite Ammann, Faustina Iselin, Agat Schaltenbrand, Heinrich (Haiggi) Müller, Lenz Klotz, Maria Rolly oder Theo Eble. «Unter den noch lebenden Kunstschaffenden finden sich Werke von Miriam Cahn, Werner von Mutzenbecher oder René Myrha», erklärt Mesmer.

Schriftlich festgelegte Richtlinien für den Kauf gab es keine: «Es waren mehrheitlich die Kantonsbaumeister selbst, die Kunst erworben haben», erklärt Mesmer. Die Ankäufe wurden zum Beispiel in der Weihnachtsausstellung in der Basler Kunsthalle, in lokalen Galerien oder auch direkt aus Ateliers getä-tigt. «Künstlerische Qualität war ebenso ein Anliegen wie der Bezug zum Ort, für den der Kauf vorgesehen war.»

Die Sammlung an Druckgrafik, Leinwänden und einigen wenigen Plastiken mache erlebbar, wie lange und intensiv die Basler Kunstszene indirekt auch am «öffentlichen Bauen» beteiligt gewesen sei, sagt Mesmer. Dieses Verständnis von «Kunst am Bau» habe sich über die Jahre aber gewandelt: «So wurden nicht mehr nur Werke als Schmuck für bestimmte Standort gekauft, sondern vermehrt Wettbewerbe für ortsspezifische Kunst durchgeführt.»

Die Ankäufe durch die Kantonsbaumeister wurden nach der Jahrtausendwende ganz eingestellt. Stattdessen schreibt das BVD nun in Zusammenarbeit mit dem Kunstkredit Basel-Stadt jährlich Wettbewerbe für ortsspezifische Kunst aus. Dies im Rahmen von ausgewählten Neubau- und Sanierungsmassnahmen.

Es fehlen geeignete Standorte für die Kunst

Rund eine Hälfte des BVD-Bestandes hängt als Leihgabe in kantonalen Büros sowie in Räumen verschiedener kantonaler Stellen. Umbauten, veränderte Gebäudenutzungen sowie personelle Wechsel führten dazu, dass die andere Hälfte mittlerweile eingelagert wurde. «Für die im Depot befindlichen Kunstwerke fehlen geeignete Standorte», so Mesmer. Der Regierungsrat habe daher entschieden, die Werke in öffentliche Sammlungen, Museen und kantonsnahen Institutionen neu unterzubringen.

Diese Vermittlung erfolgt in mehreren Schritten. Rund 50 Bilder werden vom Kunstkredit Basel-Stadt übernommen: «Wir freuen uns darauf, diese Werke auch in unserem Leihverkehr anbieten zu können und in der Sammlung online zu präsentieren», sagt dazu Katrin Grögel, Co-Leiterin Abteilung Kultur. Derzeit an kantonale und kantonsnahe Institutionen ausgeliehene Werke gehen per Schenkung in deren Besitz über.

Weitere Werke werden von einer Kunstwissenschaftlerin in Absprache mit dem BVD an Museen, Stiftungen, Künstlernachlässe und Sammlungen vermittelt. Zudem würden Partnerschaften mit lokalen Galerien angestrebt. «Es dient der Kunst und ihren Urheberinnen und Urhebern, wenn ihre Werke heute noch einmal Anschluss finden an den realen Markt», so Mesmer.

«Galerien, die sich über Jahre für einzelne Positionen stark gemacht haben, sollen für ihre Arbeit am Gewinn beteiligt werden.» Wenn Galerien oder Ausstellungsräume Projekte planten, in die sie Werke aus dem BVD einbeziehen könnten, diene das auch der Bekanntmachung und Wertschätzung des Bestands, sagt Mesmer.