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CVP und GLP: Starke Widersprüche trotz Listenverbindung

Wenn der eine Ja sagt und der andere Nein: Lehmann und Wüest-Rudin im Vimentis-Vergleich.

Wenn der eine Ja sagt und der andere Nein: Lehmann und Wüest-Rudin im Vimentis-Vergleich.

Trotz Listenverbindung stehen die beiden Topkandidaten von CVP und GLP für völlig verschiedene Werte. Während Markus Lehmann (CVP) mehr am rechten Rand der Christdemokraten politisiert, nimmt David Wüest-Rudin eine eher linksgerichtete Linie ein.

Ob zweite Gotthardröhre, automatische Einbürgerung von Ausländern dritter Generation oder Stimmrechtsalter 16: Die beiden Topkandidaten der Basler GLP, David Wüest-Rudin, und CVP, Markus Lehmann, widersprechen sich diametral. Das wäre an und für sich in der Politik nichts Aussergewöhnliches, wären die beiden Parteien in Basel-Stadt nicht eine Listenverbindung eingegangen. Denn so gehen die Wählerstimmen, je nach Ausgang, allesamt zu Wüest-Rudin oder wie bei der Wahl vor vier Jahren zu Lehmann.

Frau Müller aus dem St. Johann, die gegen zu viele Autos und für die Einbürgerung von Drittgenerations-Ausländern ist und deshalb den Grünliberalen ihre Stimme gibt, könnte also plötzlich von CVP-Lehmann in Bern vertreten werden – der ihre Einstellung in keiner Weise teilt.

Dasselbe könnte für Herrn Meier aus Kleinhüningen gelten, der für eine starke Armee und gegen die Offenlegung von Parteispenden ist. Weil Lehmann seine Einstellung teilt, wählt er CVP. Pech nur wäre, wenn Wüest-Rudins GLP in diesem Jahr mehr Stimmen als die CVP machte – denn dann würde Herr Meier in Bern von GLP-Politiker Wüest-Rudin vertreten, der für eine Verkleinerung der Armee und für die Deklarationspflicht der Parteien stimmt.

Eine Frage der Arithmetik

Für den Vergleich der beiden Kandidaten hat die bz den Fragekatalog der Politiker-Datenbank Vimentis analysiert. Bei einem guten Drittel der Fragen widersprechen sich die beiden Politiker deutlich. Darunter sind zahlreiche Fragen, die in der nächsten Legislaturperiode noch zu emotional aufgeladenen Debatten führen dürften.

Auf diese Differenz angesprochen, sagt CVP-Nationalrat Lehmann: «Eine Listenverbindung ist keine rein politische Frage, sondern eine arithmetische. Bei anderen Parteien gibt es ebenfalls Widersprüche. Ohne Listenverbindungen hätten kleine Parteien, wie es die CVP in Basel ist, gar keine Chance.» Tatsächlich spannt beispielsweise auch die SP mit den Grünen oder die SVP mit der EDU zusammen.

Nur weisen deren Parteiprogramme weniger Differenzen auf als CVP und GLP. Dazu kommt, dass Lehmann eher am rechten Rand der Christdemokraten politisiert, während Wüest-Rudin insbesondere in die Sozialpolitik betreffenden Themen eine dezent linksgerichtete Linie einnimmt. Wüest-Rudin sagt dennoch: «Als kleine Partei ist man gewissermassen gezwungen, eine Listenverbindung einzugehen. Nur dank dieser Listenverbindung haben grünliberale Wähler überhaupt eine Chance, dass ihre Partei in Bern vertreten sein kann.»

Er steht dieser Form der Partnerschaft zwischen den Parteien kritisch gegenüber, betont aber, dass dies zu beidseitigen Kompromissen führen könne: «Letzten Endes haben aber grünliberale Wähler so eine Chance, einen Vertreter ihrer Partei nach Bern zu wählen.» Geht man von den Resultaten der letzten Nationalratswahlen aus, liegen die Vorteile aktuell dennoch wohl eher bei Lehmann. (smo/huf/nla/bro)

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