Wirtschaft

Coop-Pressechef Urs Meier hängt Job an den Nagel – und wird Bierbrauer in Himmelried

Gilbert Oberson kann die Brauerei an Coop-Pressechef Urs Meier übergeben.

Gilbert Oberson kann die Brauerei an Coop-Pressechef Urs Meier übergeben.

Gilbert Oberson hat einen Abnehmer für seine Brauerei in Himmelried gefunden: Coop-Pressechef Urs Meier. Er gibt seinen Job auf, um das lokale Chastelbach-Bier zu retten.

Die Erleichterung bei Bierbrauer Gilbert Oberson ist gross. Sein Himmelrieder Chastelbach-Bier wird auch künftig hergestellt. Nach intensiver Suche konnte der 67-Jährige einen Nachfolger für seine Brauerei finden. Urs Meier, der als Leiter der Medienstelle von Coop tätig ist, hängt seinen Job an den Nagel und übernimmt den Betrieb.

Noch vor wenigen Wochen stand die Zukunft des Biers aus der Thiersteiner Gemeinde in den Sternen. Oberson, der zusammen mit seiner Frau Silvia die Kleinbrauerei im Jahr 2005 gegründet hatte, war händeringend auf der Suche nach einer Person, die das Unternehmen fortführt. Beim Schwarzbuben machte sich zuletzt starkes Rheuma bemerkbar, weshalb es ihm nicht mehr möglich ist, selber an den Braukesseln zu stehen. Schweren Herzens braute er Anfang August seinen letzten Sud.

Zwei Dutzend Interessenten wollten übernehmen

Als bekannt wurde, dass das Chastelbach-Bier bedroht ist, schwappte dem Brauer eine Welle der Solidarität entgegen. «Insgesamt meldeten sich 26 Interessenten, die sich vorstellen konnten, mich zu beerben», sagt er. Von den übrig gebliebenen drei Kandidaten fiel letztlich die Wahl auf Urs Meier. «Den Ausschlag gab, dass er mit seiner Familie vor Ort in Himmelried wohnt und gleichzeitig eine grosse Begeisterung für den Job mitgebracht hat.» Oberson, der einst seine Werbeagentur aufgab, um sich dem Bierbrauen zuzuwenden, war damals in einer ähnlichen Situation wie sein Nachfolger. «Das hatte bestimmt auch einen Einfluss auf meinen Entscheid.»

Urs Meier arbeitet seit acht Jahren am Hauptsitz von Coop in Basel. Zuvor kümmerte er sich während vielen Jahren um die Schweizer Öffentlichkeitsarbeit bei der amerikanischen Filmgesellschaft Warner Bros. Der 49-Jährige lebt mit seiner Familie in Himmelried und wollte sich seit längerer Zeit etwas Neuem zuwenden. «Nach Jahren in Büros reizte es mich sehr, handwerklich tätig zu sein und etwas zu erschaffen», sagt der PR-Profi. Neben der Begeisterung für das Handwerk sei es vor allem die Wertschätzung für die Arbeit von Gilbert Oberson gewesen, die ihn dazu verleitet habe, unter die Bierbrauer zu gehen. «Er hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Bier-Klassiker geschaffen,» so Meier. Diese lokalen Biere, etwa das IPA oder das Amber, müsse es unbedingt auch in Zukunft geben.

Nachfolger setzt auf Bewährtes – und will ausbauen

Der Nachfolger ist voll des Lobes für seinen Vorgänger. «Die Biere aus Himmelried schmecken sensationell. Sie sind ausgewogen, süffig, elegant und sehr urtümlich», sagt Meier. Er habe deshalb nicht vor, etwas an diesen Rezepten zu verändern. Was er jedoch ins Auge gefasst habe, seien weitere Biersorten, ein Ausbau des Marketings und neue Vertriebskanäle. Dass er seine Kontakte dazu nutzen könne, das Bier aus dem Schwarzbubenland in die Coop-Regale zu bringen, sei aber illusorisch. «Dafür ist die jährliche Produktionsmenge von höchstens 10'000 Litern viel zu gering. Chastelbach-Bier soll exklusiv bleiben.» Heute ist das Bier in mehreren Läden in der Region erhältlich und wird im Restaurant Roderis in Nunningen sowie dem Winzerbeizli von Monika Fanti in Aesch ausgeschenkt. Zu diesen Lokalen soll in Zukunft das eine oder andere hinzukommen. Auch den Ausschank in der Brauerei in Himmelried möchte der Quereinsteiger ausbauen.

Den Übernahmevertrag haben die beiden vor einigen Tagen unterschrieben. Über die Höhe des Kaufpreises schweigt sich Meier aus, sagt aber: «Es war ein fairer Preis. Für nur wenige tausend Franken ist eine Brauerei nicht zu haben.» Der neue Inhaber, der den Betrieb ab Januar führen wird, erlernt bereits jetzt das Bierbrauen von Gilbert Oberson. «Ich bin zwar noch Lehrling», sagt Meier. «Aber bis Ende Jahr werde ich die Braukunst erlernt haben. Wie damals Gilbert.» Für Notfälle habe ihm sein Vorgänger zugesichert, unterstützend zur Seite zu stehen.

Frau hält dem neuen Bierbrauer den Rücken frei

Für seine neue Tätigkeit tauscht Urs Meier eine sichere und gut bezahlte Kaderposition ein. «Meine Frau arbeitet Vollzeit. Ohne sie wäre es mir nicht möglich, dieses Abenteuer zu wagen», sagt er. Zusätzlich zum Bierbrauen habe er vor, ein schon lange geplantes Buch zu verfassen. Dieses soll aus Kurzgeschichten über den Familienalltag bestehen.

Im Vordergrund steht aber erst einmal die Produktion von Chastelbach-Bier. «Es gibt einfach Momente im Leben, in denen man machen muss, was einem das Herz sagt», findet Meier. Die Bier-Kenner aus der Region werden es ihm danken.

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