Risiken
Brand in Notre-Dame: Auch ohne Feuer kann es für Basler Kirchen brenzlig werden

Nach dem verheerenden Feuer in der Notre-Dame stellt sich die Frage: Wie sicher sind hiesige Gotteshäuser?

Jocelyn Daloz
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Dachstuhl des Basler Münsters

Dachstuhl des Basler Münsters

bz Basel

Um 12 Uhr läuteten am Dienstag die Glocken von 130 Kathedralen überall in Europa. Aus Betroffenheit und Solidarität mit einer der bedeutendsten und ältesten Kathedralen des Christentums, die am Montagabend in Flammen aufging. Notre-Dame brannte, die christliche Welt bebte.

Auch das Basler Münster folgte dem Aufruf der Vereinigung der europäischen Dombaumeister: Zur Mittagsstunde hin erklang das Geläut aus dem Glockenstuhl des Basler Wahrzeichens. Gerade in dem Jahr, in dem das Münsterjubiläum gefeiert wird, stellt sich die bange Frage: Könnte das auch hier passieren?

Nullrisiko gibt es nicht

Münsterbaumeister Andreas Hindemann relativiert die Befürchtungen auf Anfrage der bz: Der Dachstuhl des Basler Münsters bestehe seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr aus Holz, wie es bei der Pariser Kathedrale der Fall gewesen war. «Der mittelalterliche hölzerne Dachstuhl wurde während den Renovationsarbeiten zwischen 1880 und 1890 durch eine Eisenkonstruktion ersetzt. Daher sind wir viel weniger exponiert als Paris.»

Zudem bestehe im Brandfall ein Sicherheitskonzept. Im Münster ist eine moderne Brandmeldeanlage installiert, die bei Bewegungen und kleinsten Rauchschwaden die Feuerwehr direkt alarmiert. Diese wiederum sei informiert, wo sich Eingänge und Wasserstellen befinden.

Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
77 Bilder
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame am Morgen danach aus.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame aus.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame aus.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame aus.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame aus.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame aus.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame aus.
Ein Drohnenfoto der Polizei zeigt den Schaden am Dach.
Das Inferno Notre-Dame.
Das Inferno Notre-Dame brach am späten Montagnachmittag aus.
Frankreichs Präsident Macron besucht mit seiner Frau die Notre-Dame.
Macron verspricht, Notre Dame wieder aufzubauen.
Löscharbeiten im Innern von Notre Dame.
Präsident Macron besucht mit seiner Frau Notre-Dame.
Das Inferno in der Kathedrale Notre-Dame.
Das Inferno in der Kathedrale Notre-Dame.
Die Pariser sind geschockt.
Macron verspricht den Wiederaufbau.
Präsident Macron besucht mit seiner Frau Notre-Dame.
Ein Turm stürzt ein, er wurde gerade renoviert.
Inferno im Wahrzeichen von Paris.
Rund 500 Feuerwehrleute waren aufgeboten.
Rund 500 Feuerwehrleute waren aufgeboten.
Das Inferno in der Kathedrale Notre-Dame.
Rund 500 Feuerwehrleute waren aufgeboten.
Das Inferno in der Kathedrale Notre-Dame.
Die Löscharbeiten während des Brandes am Montagabend.
Die Löscharbeiten während des Brandes am Montagabend.
Die Löscharbeiten während des Brandes am Montagabend.
Die Löscharbeiten während des Brandes am Montagabend.
Die Löscharbeiten während des Brandes am Montagabend.
Das Denkmal brennt am Montagabend lichterloh.
Die Rauchsäule ist von weitem zu sehen.
Die Löscharbeiten während des Brandes am Montagabend.
Die Rauchsäule ist von weitem zu sehen.
Die Rauchsäule ist von weitem zu sehen.
Die Polizei warnt die Leute in Paris, den Schauplatz zu meiden und den Weg für Fahrzeuge frei zu halten.
Die Polizei warnt die Leute in Paris, den Schauplatz zu meiden und den Weg für Fahrzeuge frei zu halten.
Die Polizei warnt die Leute in Paris, den Schauplatz zu meiden und den Weg für Fahrzeuge frei zu halten.
Die Rauchsäule ist von weitem zu sehen.
Das Denkmal brennt lichterloh.
Die Rauchsäule ist von weitem zu sehen.
Notre-Dame steht in Flammen
Notre-Dame steht in Flammen
Notre-Dame steht in Flammen.
Notre-Dame steht in Flammen.
Notre-Dame steht in Flammen.
Notre-Dame in Flammen: Die Feuerwehr versucht das Feuer einzudämmen.key
Rauch und Flammen steigen aus der Kathedrale Notre-Dame.
Die Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen. Die Feuerwehr konnte nicht verhindern, dass das Feuer sich ausbreitete.fotos: Keystone
Flammenhölle in Notre-Dame am Montagabend.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.

Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.

Christophe Ena

Ganz frei von Sorgen ist Hindemann dennoch nicht. «Solche Unfälle kann man nie völlig ausschliessen.» Gerade während Bauarbeiten, wie sie in Paris und momentan auch am Münster stattfinden, seien die Risiken erhöht.

Der kantonale Denkmalpfleger Daniel Schneller schildert mögliche Szenarien: «Die gefährlichste Situation ist immer während den Renovationsarbeiten. Da muss nur ein Schweissbrenner Funken sprühen oder Leinöl in einem Baumwolllappen sich spontan entzünden.» Beim Münster wurde 1888 der mittelalterliche Dachstuhl präventiv zerstört, um einen Brand zu verhindern – und trotzdem sei das Dach nicht komplett sicher: «Wenn sich unten ein Feuer entfacht, kann die Hitze die dünnen Stahlträger sehr schnell zum Durchbiegen und Schmelzen und das Dach zum Einsturz bringen.»

Als Denkmalschützer des Kantons nennt Schneller weitere mittelalterliche Basler Kirchen mit wertvollen originalen Dachstühlen aus Holz: die ehemalige Klingentalkirche (heute Teil der Kaserne), die Clarakirche oder die Leonhardskirche.

Brandgefahr ist aber nicht das einzige Risiko, das den Kirchen droht. Generell bedauert Daniel Schneller, wie schwierig es sei, genügend Mittel für den Unterhalt von Kirchen zu finden.

«Bei Notre-Dame scheint offenbar nach dem Brand auf Anhieb viel Geld zusammengekommen zu sein», sagt er und meint damit zum Beispiel die 100 Millionen Euro, die ein Milliardär bereits für die Rekonstruktion der Kathedrale versprochen hat. «Dabei ist eine Renovation der Notre-Dame offenbar schon länger aufgeschoben worden, weil das Geld fehlte. Eigentlich müssten wertvolle Baudenkmäler vorbeugend und nachhaltig renoviert werden – es sollte nicht erst die Katastrophe abgewartet werden.»

1185 hat das 1019 eingeweihte Basler Münster zum letzten Mal gebrannt.

Ob dies der Anlass für einen neuen Grossbau war, ist unklar. Ein zweites Mal wurde das Münster nicht durch Feuer, sondern beim Erdbeben von 1356 verwüstet. Dabei sind die Gewölbe und Teile des Chors eingestürzt.

In Basel harrt beispielsweise der Turmhelm der Elisabethenkirche dringend einer Renovation. Dort drohen Sandsteinelemente vom 72 Meter hohen Glockenturm herunterzufallen. Notfallsmässig mussten Gerüste im Inneren des Turmhelms angebracht werden. Die evangelisch-reformierte Kirche sucht 13,2 Millionen Franken, um eine komplette Sanierung des Gebäudes vornehmen zu können.

Münsterbaumeister Andreas Hindemann bestätigt, dass die Frage der Finanzierung schwierig ist. «Die reformierte Kirche Basel-Stadt trägt mit dem baulichen Unterhalt ihrer Kirchen eine grosse Last. In Zeiten des schwindenden Steuersubstrats ist es ungewiss, wie lang sie das noch kann.»

Vorsicht besser als Nachsicht

Für die katholische Kirche in Basel ist die Restaurierung von Altbauten dagegen kein grosses Thema. Bernhard Glanzmann vom katholischen Kirchenrat Basel-Stadt sagt: «Die allermeisten historischen Kirchen im Kanton gehören den Reformierten. Eine der wichtigsten Kirchen ist die Antoniuskirche im St. Johann-Quartier, die 1925 aber aus Beton erbaut wurde.»

Die einzige mittelalterliche katholische Kirche sei die Clarakirche, die dem Kanton gehöre.
Andreas Hindemann bevorzugt rechtzeitige Restaurierungsarbeiten, um die historische Bausubstanz bewahren zu können. Eine Rekonstruktion sei niemals dasselbe.

«Mittelalterliche Bauten strahlen einen authentischen Charakter aus», sagt er und stellt mit Kummer fest: «Notre-Dame wird wohl nie mehr die Gleiche sein.»