Theater Basel

Benedikt von Peter: «Es wird wahnsinnig wenig über die Seele gesprochen»

Benedikt von Peter, Direktor am Theater Basel

Benedikt von Peter, Direktor am Theater Basel

Das Theater Basel zeigt nur noch Stücke auf der kleinen Bühne. Direktor Benedikt von Peter fordert mehr Differenzierung bei den Massnahmen.

Keine Oper, kein grosses Schauspiele, Mitarbeiter auf Kurzarbeit, viel Planungsunsicherheit. Das Theater Basel muss seinen Betrieb durch die Krise retten.   

Herr von Peter, am Mittwoch haben Sie geschrieben, Sie seinen überrascht vom Entscheid des Bundesrates, wieso?

Benedikt von Peter: Wir haben natürlich gedacht, dass es schlimm kommen kann. Wir standen jedoch davor in intensivem Kontakt mit den lokalen Behörden. Wir haben unser Gastrokonzept angepasst und es bestand der Tenor, dass man uns nicht schliessen will. Es war auch klar, dass es keinen richtigen Lockdown geben würde. Gleichzeitig wurden in Deutschland die Theater geschlossen. Nun haben wir hier eine Zwischenlösung und das erst noch unbefristet.

Viele Kulturschaffende interpretieren das Ganze als eine Entscheidung gegen die Kultur.

Da geht es vielleicht mehr um die Frage gehört zu werden. Oder um die Frage, wie wir das alles aushalten. Das Ganze hat gerade für viele kleinere Betriebe und einzelne Künstler schwere Folgen. Und man merkt jetzt auch, nach welchen Werten Entscheidungen getroffen werden. Klar geht es um die Wirtschaft, letztendlich um Steuergelder. Aber es wird wahnsinnig wenig über die Seele gesprochen oder darüber, wie es den Menschen geht.

Grundsätzlich verstehen sie den Entscheid?

Nur wenn er auf medizinischer Ebene nachvollziehbar wäre. Aber es gab eben kaum Ansteckungen im Theater. Wenn die Entscheidung wirklich einleuchtend wäre, wäre das Ganze halb so schlimm. Aber das ist sie eben nicht. In Halle ist jetzt eine Studie im Gang, die genauer definieren will, wo Ansteckungen wirklich stattfinden. Aber das braucht noch etwas Zeit.

Auf welcher Grundlage haben Sie nun entschieden?

Wir versuchen irgendwie mit dieser Unbefristetheit klar zu kommen. Produktionen, die bereits auf dem Weg sind, werden wir weiter proben, damit wir etwas zu zeigen haben, wenn wir wieder spielen dürfen. Auf der kleinen Bühne zeigen wir das, was vorgesehen war. Wir arbeiten mit einem reduzierten Team. Die Situation ist superprekär. Wir müssen versuchen, finanziell Kurs zu halten und gleichzeitig ready zu sein, wenn wieder spielen dürfen.

Was bedeutet das finanziell?

Wenn ich das jetzt schon wüsste! Wir sind gezwungen, Mitarbeiter auf Kurzarbeit zu setzen und wir werden Ausfallentschädigungen beantragen müssen.

Und das Foyer Public, wird es eröffnet?

Das müssen wir leider verschieben, ebenso das Tanzfest.

Wenn Sie sich was wünschen könnten?

Dass wir Theater nicht nur im Konjunktiv spielen. Ich empfinde das Ganze als Sinnverlust sondergleichen. Stellen sie sich vor, wie viel Arbeit alle Schweizer Theater zusammen leisten. Das ist doch durchaus mit der Swiss vergleichbar! Aber wir können es leider nicht ändern.

Das tönt enttäuscht.

Es ist ein wirtschaftlicher Entscheid. Sicher kein kultureller. Wir versuchen momentan, möglichst wenig wirtschaftlichen Schaden anzurichten. Natürlich versteh ich, dass wir uns dank der Wirtschaft die Kultur leisten können. Aber Menschsein macht eben mehr aus. 

Was sollte man ändern?

Man sollte anfangen, die Versammlungen, um die es coronatechnisch geht, besser zu differenzieren. Wo genau sind die Cluster? Wo entsteht grosser wirtschaftlicher Schaden? Wo werden viele kleine Existenzen plattgemacht? Ein systemischer Schaden entsteht ja auch, wenn die Leute irgendwann nicht mehr hochkommen, wenn sie keinen Trost mehr erfahren. Das Theater wär doch jetzt ein idealer Ort. Zwei Stunden in einem gut gelüfteten Raum zu sitzen, mit nötigem Abstand. Die Menschen könnten sich sozial ausleben, ohne dass sie einander gefährden.

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