Bauprojekt
Die zwei Ginkgobäume müssen weichen: Grosser Rat sagt Ja zur Umgestaltung des Rümelinsplatzes

Mehr Sitzmöglichkeiten, keine Stufen mehr: Der Rümelinsplatz in der Basler Innenstadt soll attraktiver gestaltet werden. Doch der Grosse Rat stört sich an der Fällung zweier Bäume.

Silvana Schreier
Drucken
Die beiden Ginkgobäume auf dem Rümelinsplatz fallen voraussichtlich der Umgestaltung zum Opfer. Die Lindenbäume (hinten) dürfen bleiben. Der Quartierverein wehrt sich gegen die Fällungen.

Die beiden Ginkgobäume auf dem Rümelinsplatz fallen voraussichtlich der Umgestaltung zum Opfer. Die Lindenbäume (hinten) dürfen bleiben. Der Quartierverein wehrt sich gegen die Fällungen.

Kenneth Nars

Ein attraktiver Begegnungsort soll der Rümelinsplatz samt den angrenzenden Gassen werden. Kosten darf das Umgestaltungsprojekt laut Regierungsrat 4,4 Millionen Franken. Nun liegt es am Grossen Rat, den Bericht dazu zu bewilligen.

Dass der Rümelinsplatz, der zuletzt 1970 umgebaut wurde, einen Neuanstrich verdient hat, dem stimmen die meisten zu. Vor über 50 Jahren wurde der Ort nämlich noch so gestaltet, dass Autoverkehr Platz hätte. Daran erinnern noch heute die Trottoirs. So zentral gelegen der Rümelinsplatz ist, so unattraktiv sei er für Vorbeikommende, schreibt die grossrätliche Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) in ihrem Bericht.

Ginkgos könnten Bauarbeiten nicht schadlos überstehen

Künftig soll der Platz zum Verweilen einladen, von der Gastronomie bespielt werden können und stufenlos für alle zu Verfügung stehen. So weit, so gut. Für deutliche Kritik und Gegenwind sorgt jedoch der Plan, die beiden jetzigen Ginkgobäume durch drei Schnurbäume zu ersetzen. Der Quartierverein Lääbe in der Innerstadt wehrt sich dagegen.

Emanuel Trueb, Chef der Basler Stadtgärtnerei, stellt gegenüber der bz jedoch klar: Er bezweifle, dass die Ginkgos die Veränderung schadlos überstehen würden. Bei den beiden Bäumen könne man zudem Totholzbildung im Baumwipfel beobachten, was auf eine Mangelversorgung hindeute.

Linden wurden von Uvek und Regierungsrätin gerettet

Regierungsrätin und Baudirektorin Esther Keller (GLP) verteidigt im Grossen Rat das Projekt. Der Rümelinsplatz «hat jetzt nicht wirklich Aufenthaltsqualität. Wir fassen die Plätze aber nur dann an, wenn es Sanierungsbedarf hat». Gemeinsam mit der Uvek habe man sich nun sorgfältig überlegt, wie der Platz aufgewertet werden könnte.

Mehr Sitzmöglichkeiten, keine Stufen mehr: So soll der Rümelinsplatz nach der Umgestaltung aussehen.

Mehr Sitzmöglichkeiten, keine Stufen mehr: So soll der Rümelinsplatz nach der Umgestaltung aussehen.

Visualisierung: zvg/Kanton Basel-Stadt

Dass Bäume dem Projekt zum Opfer fallen, bedauert sie. «Zuerst hätten vier Bäume gefällt werden sollen, die beiden Linden werden nun aber stehen gelassen und die Ginkgos werden durch drei Bäume ersetzt. Keller:

«Manchmal ist es sinnvoll, wenn wir einen Baum entfernen und neue pflanzen.»

Unheilige Allianz für zwei Ginkgos

«Geben Sie diesen zwei Ginkgos eine Chance. Es braucht eine Planung, die vom Baum aus denkt. Darum weisen Sie dieses Geschäft zurück», sagt Oliver Thommen (GAB) in seinem Votum als Fraktionssprecher. Der Umbau müsse verträglich für diese Lebewesen gestaltet werden, Bäume seien keine Parkbänke.

Die Ginkgos sorgen im Grossen Rat gar für eine unheilige Allianz: Auch die SVP kritisiert die Baumfällungen. Fraktionssprecher Beat Schaller sagt: «Wir weisen das Geschäft zurück. Die Regierung soll die Ginkgos leben lassen und auf die zusätzlichen Veloparkplätze verzichten.» Mit dem Rest des Ratschlags sei die Partei hingegen zufrieden.

«Verschwenden wir also nicht unnötig Steuergelder»

«Wo ist das Problem?», fragt GLP-Grossrätin Brigitte Kühne. Dank des vorliegenden Projekts würden künftig sogar mehr Bäume auf dem Platz stehen und die Umgestaltung sei das Resultat einer langjähriger Arbeit und breiter Diskussionen. Kühne: «Die vier zusätzlichen Schnurbäume spenden mehr Schatten und binden mehr CO2 als Ginkgos. Sie wachsen zudem schneller und sind biodiversitätsfreundlicher. Verschwenden wir also nicht unnötig Steuergelder.» Eine Zurückweisung könnte die Arbeiten um fünf Jahre verzögern oder aber es würden nur die nötigsten Sanierungsarbeiten durchgeführt, die den Platz nicht attraktiver machen würden.

Der Grosse Rat entscheidet schliesslich gegen eine Zurückweisung. Den Bericht heisst das Parlament dann mit 61 Ja-Stimmen bei 20 Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen zu.

Aktuelle Nachrichten