Basler Strafgericht
Coronaregeln: Basler Beizerin nicht für Verhalten ihrer Gäste vor dem Lokal haftbar

Vor der Kleinbasler Beiz «Zem alte Schluuch» bildeten sich während des Lockdowns im März 2021 grössere Menschenansammlungen. Nun ist die Wirtin vom Vorwurf freigesprochen worden, sie habe damit gegen Covid-Bestimmungen verstossen.

Hans-Martin Jermann
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Das Traditionslokal «Zem alte Schluuch» im Kleinbasel: Hier kam es während des Lockdowns öfter zu Wortgefechten zwischen Stammgästen und Polizisten.

Das Traditionslokal «Zem alte Schluuch» im Kleinbasel: Hier kam es während des Lockdowns öfter zu Wortgefechten zwischen Stammgästen und Polizisten.

bz-Archiv

Das Basler Strafgericht hat am Mittwoch eine Gastronomin freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihr vorgeworfen, im März 2021 während des Beizen-Lockdowns gegen Covid-Bestimmungen verstossen zu haben. Die Beizerin – es handelt sich um Aisha Schreiner vom «Alte Schluuch» im Kleinbasel – verkaufte damals Essen und Getränke als Take-away, wobei sich vor ihrem Lokal teilweise grössere Menschenansammlungen bildeten. Laut Staatsanwaltschaft hätte die Wirtin diese verhindern müssen.

Gericht: Beizerin musste Stammgäste nicht denunzieren

Gegen die Busse von 2000 Franken wegen Verstössen gegen Covid-Bestimmungen erhob die Wirtin Einsprache – und sie hat nun vor dem Strafgericht Recht erhalten, wie der Wirteverband Basel-Stadt in einer Mitteilung schreibt. Demnach habe die Gastronomin alles unternommen, was in ihrer Macht gestanden sei. Sie setzte ein Schutzkonzept um, informierte ihre Gäste über die Hygieneregeln und bat sie auch noch, vor ihrem Lokal nicht zu dicht zusammenzustehen. Nach Ansicht des Gerichts endete damit ihre Verantwortung. So sei ihr nicht zumutbar gewesen, ihre Stammgäste bei der Polizei zu denunzieren.

Der Wirteverband Basel-Stadt spricht von einem wegweisenden Entscheid: «Er zeigt auf, dass eine Beizerin oder ein Beizer nicht für alles verantwortlich gemacht werden kann», sagt Jascha Schneider-Marfels, Geschäftsführer des Verbands und Anwalt der Freigesprochenen. Dass seine Mandantin laut Staatsanwaltschaft auf dem Boulevard hätte für Ordnung sorgen müssen, wo gleichzeitig und wenige Meter entfernt am Rheinbord ebenfalls viele Menschen zusammengekommen seien, habe sich als nicht haltbar erwiesen, führt Schneider aus. Seine Mandantin sei von den Ordnungshütern schikaniert worden. So wurde sie auch verzeigt, weil ihre Tochter im Lokal mitgebrachtes Essen aus dem McDonalds verzehrt habe.