Debatte
Basler Missionsgeschichte: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Die Mission 21 tue sich schwer mit der Aufarbeitung ihrer Geschichte, sagen Historiker. Stimmt nicht, wehrt sie sich.

LUKAS MEILI
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Missionshaus der Mission 21 in Basel

Missionshaus der Mission 21 in Basel

Kenneth Nars

In ihrem langen Bestehen kam die Basler Mission – direkt oder indirekt – mit unzähligen verschiedenen Ereignissen und strukturellen Veränderungen in Berührung. Themen wie Kolonialismus oder Sklaverei füllen halbe Bibliotheken. Wie gut sind die verschiedenen, teilweise enorm komplizierten Phasen der Basler Missionsgeschichte aufgearbeitet worden? «Unsere Vergangenheit ist gut erforscht», sagt Peter Felber. Seit 2010 ist der evangelisch-reformierte Pfarrer Kommunikationsleiter bei der Mission 21. «Wir investieren viel in die Aufarbeitung unserer eigenen Geschichte», doppelt er nach.

Dabei spare man auch nicht mit Selbstkritik: Besonders in den 1970er-Jahren habe man sich stark den negativen Auswirkungen der Mission gewidmet. «Dabei ist aber fast ein wenig untergegangen, dass die Basler Mission in ihrer Geschichte auch sehr viel Gutes getan hat. Heute versuchen wir, hierauf den Fokus zu setzen.» Und er ergänzt: «Kolonialismus hat die Welt erschlossen, die Mission hat diese Erschliessung genutzt.» Aber für Behörden des Kolonialismus seien Missionare oft sehr unbequeme Zeitgenossen gewesen. «Wir können diese Zeit heute nicht rückgängig machen – aber wir können aus der Forschung Schlüsse ziehen und diese auf unser heutiges Handeln anwenden.»

Es muss mehr gebohrt werden

Dass das nicht reicht, findet Paul Jenkins. Der Historiker hat von 1972 bis 2003 das Archiv der Basler Mission geleitet. Zuvor hatte er während 9 Jahren in Ghana gelebt. Jenkins, seit vier Jahrzehnten stark mit der Basler Mission verbandelt, moniert anlässlich des Jubiläums die offenbar unkritische Haltung der Institution zu ihrer Geschichte: «Gerade die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg ist ungenügend aufgearbeitet.»

Laut Jenkins sind etwa die frühen Kontakte zwischen den Missionaren und der indigenen Bevölkerung in Indien oder Afrika nicht immer so harmonisch abgelaufen, wie es heute oft propagiert wird. Gerade mit Konkurrenzreligionen wie dem Hinduismus oder dem Islam in Indien oder jenen in Afrika seien die Besucher aus Basel im 19. Jahrhundert oft unzimperlich umgegangen. «Das Ziel war, diese Glaubenssysteme gezielt zu stören und ihre Inhalte schlecht zu machen.»

Verpasste Chancen

Die Konsequenzen sind laut Jenkins bis heute spürbar: «In Indien sowie unter gebildeten Muslimen existiert noch jetzt eine stark negativ geprägte Erinnerungskultur zu den christlichen Missionaren, und in Ghana habe ich Menschen getroffen, die sich noch heute über die Methoden der frühen Mission beklagen.» Er betont jedoch, dass es auch viele Ghanaer und Inder gebe, die deren Arbeit schätzten.

Einer, der Jenkins’ Kritik unterstützt, ist Veit Arlt. Der promovierte Historiker koordiniert das Basler Zentrum für Afrikastudien. «Früher hatte die Basler Mission ein starkes Bewusstsein für das Potenzial ihrer Geschichte und deshalb auch Mittel in den Ausbau und die Pflege von Archiv und Bibliothek investiert.» Bei der Gründung der Mission 21 sei die Vision eines Kompetenzzentrums für interkulturelles Lernen im Raum gestanden, in dem Archiv und Bibliothek eine wichtige Rolle gespielt hätten. «Dieses Potenzial wurde in meiner Wahrnehmung nicht genügend ausgeschöpft», urteilt Arlt. «Doch in Zeiten der knappen Mittel fliessen die Ressourcen verständlicherweise in die Zusammenarbeit mit den Partnerkirchen – für Archiv und Bibliothek fehlt das Geld hingegen zunehmend.»

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