Leseratten

Basler Bücherschiff: Tauchgang in die Welt der Bücher

Vergangenen Dienstag ankerte das Jugendbücherschiff an der Schifflände. (Archivbild)

Vergangenen Dienstag ankerte das Jugendbücherschiff an der Schifflände. (Archivbild)

Unter dem Thema «Echt jetzt?» erhalten Kinder auf dem Bücherschiff einen spielerischen Zugang zu den grossen Fragen unserer Zeit.

Der Anker ist gefallen und neben der Mittleren Brücke prangt wieder der Banner mit der Überschrift «Jugendbücherschiff». Bis am 11. Februar sind Kinder und Jugendliche eingeladen, auf Deck zu gehen, in Büchern zu stöbern und den Lesungen beizuwohnen.

Reges Treiben herrscht, wenn man am Mittwochnachmittag über das schmale Brücklein das Jugendbücherschiff betritt. Obwohl die Schulklassen aufgrund des freien Nachmittags ausbleiben, ist die schwimmende Bibliothek äusserst gut besucht. Während das Unterdeck auf Kinder ausgerichtet ist, befinden sich auf dem Oberdeck die Werke für Jugendliche.

Wenn sich plötzlich neue Realitäten eröffnen

Wie bereits in den vergangenen Jahren steht ein Schwerpunktthema im Mittelpunkt. Zur 39. Ausgabe lautet es: «Echt jetzt?». Bei der Festlegung des Fokus’ werde auf die Aktualität geachtet, wie Bücherschiff-Leiter Roger Meyer sagt. Einerseits spiele es eine Rolle, welche Themen aktuell gesellschaftlich besonders relevant seien, anderseits hänge der Schwerpunkt aber auch vom Angebot des Büchermarktes ab.

Auf dem oberen Deck finden sich Bücher, deren Titel direkt den medialen Schlagzeilen entnommen sein könnten. Sie handeln von Fake News, Populismus und doppelten Identitäten. Der Schwerpunkt lässt sich aber keineswegs so eng fassen. Behandelt werden auch Gegensätze wie Realität und Fiktionalität, Fälschung und Original oder Sachbücher zur Förderung der Medienkompetenz in Bezug auf Falschinformationen im Netz. Sogar erste Schritte in die Welt der Philosophie können auf dem Schiff gewagt werden. So fragt sich die Protagonistin in «Was ist, kann nicht verschwinden», wie eine Trennung ihrer Eltern möglich ist, wenn doch Wahrheiten unumstösslich seien.

Auch Bücher auf dem Unterdeck führen Kindern vor Augen, dass die Realität eine ganz andere sein könnte. So fordert das Buch «Was würdest du tun?» zu gedankenspielerischer Interaktion und ethischen Entscheidungen auf, die sich auf die Umwelt auswirken.

Auf dem Schiff finden regelmässig Veranstaltungen statt. So liest Eymard Toledo am Samstag ab 14 Uhr aus «Juju und Jojô» parallel in Portugiesisch und Deutsch. Die dem Buch namensgebenden Zwillinge entdecken in einem Baum eine zweite Welt neben der ihren, die von lauter Insekten bewohnt ist. Um 16 Uhr startet das Lesecafé. Dort stellen Erzähler fremdsprachige Bilderbücher vor und sorgen für kulturelle Vielfalt. Am Sonntag werden ab 12 Uhr Bücher an der Börse getauscht.

Darauf angesprochen, ob Bücher aus Papier denn noch zeitgemäss seien, vertritt Meyer eine klare Meinung: «Das Buch wird nicht von der Bildfläche verschwinden». Entsprechend bleibe das Schiff den analogen Werken auch in Zukunft treu und wechsle nicht etwa zu E-Readern oder Tablets.

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