Europäisches Jugendchor Festival

«Basel war schon immer eine Chorstadt»: Leiterin Kathrin Renggli über die Lust am Singen

Das Europäische Jugendchor Festival findet im Mai zum zwölften Mal statt.

Bei der gestrigen Pressekonferenz im Basler Rathaus war Kathrin Renggli die Vorfreude auf das 12. Europäische Jugendchor Festival, das um Auffahrt in der Region stattfindet, anzumerken. Die Festivalleiterin geriet bei jedem Programmpunkt ins Schwärmen. Im Gespräch erklärt sie den Reiz des Singens in einer Gruppe und die Sonderstellung der Stadt Basel.

Auf Ihrem Regenschirm steht der Slogan «Whatever The Weather / We Sing Together» – Ist man immer in Stimmung zum Singen?

Kathrin Renggli: Nein. Aber je mehr man singt, desto mehr ist man in Singstimmung. Und sonst ist es die Aufgabe eines guten Chorleiters, die Leute zum Singen zu animieren.

Es braucht zum Singen also externe Motivation?

Irgendwie gehört es ja zum Singen dazu, dass man sich auch ab und zu überwinden muss. Man kommt von der Arbeit, ist müde und hat keine Lust auf die Chorprobe. Doch wenn diese gelingt, dann spazieren die Sänger zwei Stunden später fröhlich und aufgetankt wieder hinaus.

Bei Ihrem Festival treten Kinder und Jugendliche auf. Woher nehmen diese jungen Menschen ihre Motivation?

Ein wesentlicher Faktor ist, dass sich das Image des Singens stark geändert hat. Früher gab es Kirchen- und Dorfchöre, heute hat sich das alles stark geöffnet: Es gibt Gospel-, Jazz-, oder Popchöre.

Also ist das Repertoire entscheidend?

Sicher auch. Wobei gerade im Kinder- und Jugendalter das Gemeinschaftsgefühl eine grosse Rolle spielt. Man erschafft etwas Gemeinsames und unternimmt im besten Fall sogar Reisen. Und man darf nicht vergessen: Beim Singen muss man nicht so viel Üben wie etwa bei einem Instrument.

Singen kann jeder?

Bis zu einem gewissen Grad schon. Was natürlich nicht heisst, dass man dieses Können nicht verfeinern kann oder – je nach Zielsetzung – muss.

Dennoch erstaunt es, dass so viele Jugendliche einem Chor beitreten.

Ich denke, da spielen die ganzen Casting-Shows durchaus eine Rolle. Dank «Voice of Switzerland» und ähnlichen Formaten ist Singen wieder viel präsenter. Und ich könnte mir vorstellen, dass dieses Versprechen, dass man als Sänger berühmt werden kann, bestimmt einige dazu treibt, einem Chor beizutreten.

Das heisst, die Chöre sind voll von Leuten, die lieber Solosänger wären?

Nein. Ich denke, das ist eher die Minderheit, aber die gibt es sicher auch. Die normale Chorsängerin liebt vermutlich genau dieses Eintauchen und Aufgehen in der Menge. Es ist ja etwas sehr Schönes, wenn sich die eigene Stimme mit anderen zu etwas Grösserem verbindet.

Kann man so weit gehen und sagen, Chöre seien cool?

In der Region Basel ja. Es ist noch längst nicht überall so, aber hier in der Region muss man sich bestimmt nicht schämen für dieses Hobby.

An was merken Sie das?

Zum Beispiel an den Reaktionen von Chören aus anderen Städten oder Ländern: Die sind zuweilen richtig perplex, wenn sie merken, welche Begeisterung ihnen hier entgegenschlägt. Und das macht einen grossen Teil unseres Festivals aus: Dass die jugendlichen Sängerinnen auch vom Publikum zu Höchstleistungen angestachelt werden.

Warum Basel? Könnte das internationale Festival nicht auch sonst wo stattfinden?

Wir sind ein Hotspot für Kinder- und Jugendchöre. So viele hervorragende Chöre, wie es hier gibt, finden Sie nirgends in der Schweiz. Basel war schon immer eine Chorstadt.

Sie haben das Publikum angesprochen: Warum, zugespitzt gefragt, soll ich mir Laienchöre anhören?

Die Frage ist berechtigt. Das Festival funktioniert nur so erfolgreich, weil wir die Chöre sehr genau auslesen im Hinblick auf technisches Können, Bühnenpräsenz, Abwechslung im Programm und kulturelle Note.

Was heisst das konkret?

Im Hauptprogramm zeigen wir keinen Chor, bei dem sich die Singenden hinter den Notenblättern verstecken oder verklemmt und verschämt dastehen.

Die Performance ist also ein wichtiger Teil?

Ja, wobei das nicht zwingend eine aufwendige Choreografie sein muss. Gerade gestern hat mir ein Gönner gesagt, er würde bei den Konzerten gerne jeweils in der ersten Reihe sitzen, weil er diese strahlenden Gesichter so gern betrachte. Ein Mensch, der sich einer Sache zu 100 Prozent hingibt, ist per se spannend. Wir geben uns bei jedem Festival Mühe, dass wir Chöre nach Basel holen, bei denen man die Freude am Singen sieht und hört.

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