Blutspenden

Basel am Tropf der Westschweiz: Die Blutspendefreudigkeit hat nachgelassen – Basel muss Blutkonserven aus anderen Kantonen einkaufen

Laura Infanti, Blutspendezentrum Basel: «Früher kam man mit einer Gruppe zum Blutspenden. Diese Zeiten sind im städtischen Umfeld vorbei.» (Symbolbild)

Laura Infanti, Blutspendezentrum Basel: «Früher kam man mit einer Gruppe zum Blutspenden. Diese Zeiten sind im städtischen Umfeld vorbei.» (Symbolbild)

Immer weniger Baslerinnen und Basler spenden Blut. Gleichzeitig sind die hiesigen Spitäler wegen der Überalterung auf mehr Blutkonserven angewiesen als früher. Eine zusätzliche Erschwernis bei der Versorgung ist die migrationsbedingte Durchmischung in Basel.

Basel braucht mehr Blut. Im vergangenen Jahr fehlte knapp ein Drittel der roten Blutkörperchen und ein Fünftel der Blutplättchen, um den Bedarf der regionalen Spitäler zu decken. Zum Glück sind die Schweizer in den anderen Regionen spendabler, was ihr Blut angeht. Deshalb konnte der Bedarf dank des Zukaufs von den Blutspendediensten Neuenburg/Jura und Bern gedeckt werden.

Der Engpass hat verschiedene Ursachen, wie Andreas Buser vom Blutspendezentrum sagt. Der Chefarzt Transfusionsmedizin beobachtet einerseits, dass die Spendierfreudigkeit schweizweit kontinuierlich zurückgegangen ist. Zwar gäbe es treue Spenderinnen und Spender, die seit Jahrzehnten regelmässig kämen. «Die jüngere Generation hat das Spenden aber nicht sehr präsent», sagt Buser. Laura Infanti, die stellvertretende Chefärztin, macht ein gesellschaftliches Phänomen aus. «Früher kam man mit einer Gruppe zum Blutspenden», sagt Infanti. Diese Zeiten seien im städtischen Umfeld vorbei. Die Blutspender seien meist Einzelpersonen, die abends kämen. Basel sei zudem besonders vom Rückgang der Spendetätigkeit betroffen, weil es als Grenzregion ein vergleichsweise kleines Einzugsgebiet habe.

Register der seltenen Spender reicht nicht aus

Blutmangel herrscht in Basel aber nicht nur, weil in der Region zu wenig gespendet wird, sondern weil der Bedarf höher ist als anderswo. Dies, weil in der Region viele grosse Spitäler sind, die eine Menge Blutkonserven brauchen. Besonders angewiesen auf Blutkonserven ist das Notfallzentrum sowie das grösste Zentrum für Stammzelltransplantation der Schweiz, beides dem Unispital angegliedert. Kommt hinzu, dass es in Basel sehr unterschiedliche Bedürfnisse gibt.

«Migrationsbedingt steigt die Anzahl nicht-europäischer Patienten mit angeborenen Bluterkrankunen, welche andere Blutgruppenerkrankungen haben als Europäer», erklärt Buser. So gäbe es zwar das «Nationale Register der seltenen Spender», aber das reiche derzeit nicht aus. «Es kommt daher immer wieder vor, dass es kurzfristig zu wenig Blut gibt», sagt Buser. Mangelware sei insbesondere die Blutgruppe 0-, die sogenannte Universalblutgruppe, die von Patienten fast aller Gruppen vertragen wird, in deren Besitz aber nur rund sechs Prozent der Schweizer sind. Die Blutgruppe 0- ist besonders gefragt, denn: «Zur Erstversorgung kann diese Blutgruppe zur Überbrückung sofort für alle Patientinnen und Patienten eingesetzt werden», sagt Buser.

Blutpreise werden vom Bundesamt festgelegt

Nach Jahren des rückläufigen Blutkonservenbedarfs gab es im vergangenen Jahr eine Trendwende. In den hiesigen Spitälern wurden acht Prozent mehr Blut gebraucht als 2018. Über die genaue Ursache des Anstiegs kann auch Buser nur spekulieren – möglicherweise mache sich allmählich die Überalterung der Gesellschaft bemerkbar. Ein Glück für die Prämienregion Basel ist die Tatsache, dass die Blutpreise vom Bundesamt für Gesundheit festgelegt und nicht auf dem freien Markt definiert werden. 217 Franken kostet ein Beutel Blutkonzentrat – insgesamt 6000 solcher Beutel musste das Blutspendezentrum aus den anderen Blutspenderegionen beziehen. Und wenn es mal kritisch werde, «kann es vorkommen, dass wir einen breit gestreuten Notstand-Aufruf organisieren», wie Buser sagt. Diese Aufrufe würden allerdings nur dann getätigt, wenn wirklich Not am Mann sei – «damit sie nicht zur Gewohnheit werden», wie Buser sagt.

Ein Rezept gegen Basels Blutarmut hat das Blutspendezentrum nicht. Eine gesetzliche Pflicht zur regelmässigen Blutspende befürwortet Infanti vom Blutspendezentrum nicht – der bürokratische Aufwand würde schlicht zu gross. Stattdessen hofft sie auf Marketingaktivitäten, welche den Zeitgeist treffen – bei der nächsten Blutspendeaktion vom 10. bis 22. Februar gibts für die Blutspender an der Hebelstrasse zum Dank: Käsküechli und Würste.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1