Alte Bekannte

Bankratspräsident Adrian Bult holt für Offensive private Geschäftspartner zur Basler Kantonalbank

Bankratspräsident Adrian Bult an der Generalversammlung der Basler Kantonalbank.

Der BKB-Präsident baut für die Digitaloffensive der Kantonalbank auf private Geschäftspartner.

Adrian Bult ist Start-up-Unternehmer und Investor. Er ist gefragt, wo immer es gilt, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern. 2016 wurde er mit diesem Versprechen in den Vorstand von Basel Area gewählt, ein halbes Jahr später machte ihn die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog zum Bankratspräsidenten der Basler Kantonalbank (BKB).

Im vergangenen September zeigte sich die Handschrift Bults: Die BKB kündete die Gründung eines «Innovationslabors» an, das als eigenständiges Start-up-Unternehmen neue digitale Geschäftsmodelle für die Kantonalbank entwickeln soll. Ganz im Sinne von Basel Area werde ein Gegenpol zu den Innovationsstandorten Zürich und Zug gesetzt. Mit drei Millionen Franken jährlich werde die Firma von der BKB alimentiert, nach drei Jahren sollte sie flügge sein.

Die Ankündigung war gut vorbereitet. Zwei Wochen später war die Firma Keen Innovation AG gegründet. Bereits auf Anfang 2019 nahm sie mit dem Geschäftsführer Thomas Leber den Betrieb auf. Leber habe umfassende Erfahrungen im Innovationsmanagement und in der Transformation von Geschäftsmodellen, lobte die BKB bei der Präsentation ihr neues Kadermitglied.

Nun zeigen Recherchen: Bult und Leber sind gute Bekannte. Oder wie Leber sagt: «Die Welt der Start-up-Investoren ist eben klein.» Beide waren in den vergangenen Jahren beim Basler Start-up Visionarity finanziell engagiert, Leber war zuletzt auch einer von zwei Verwaltungsräten. Diese Visionarity ist nun in Konkurs.

Vom Strommesser zum Gesundheitsportal

Der Spanier Daniel Bermejo hatte eine Vision, als er 2012 die Visionarity gründete. Ein kleines Gerät, genannt «Kelvin», könne den individuellen Stromverbrauch messen und Bürogemeinschaften spielerisch anregen, sich im Stromsparen zu messen. Die Idee, die im Basler Technologiepark entwickelt wurde, begeisterte. 2014 erhielt Bermejo den IWB KMU Award des Basler Gewerbeverbands.

Der Erfolg blieb «Kelvin» trotz Preissegen, breitem medialem Support und konkreten Gewinnerwartungen allerdings verwehrt. Das Produkt floppte, die Überschuldung der Firma konnte nur durch eine erste Sanierungsrunde abgewehrt werden. Wie aus Akten des Handelsregisters hervorgeht, gehörte Bult spätestens seit 2016 zu den Investoren. Ein Jahr danach wandelte bei der nächsten Sanierungsrunde auch Thomas Leber eine Forderung in Aktien um.

2018 sollte Visionarity doch noch zu fliegen kommen. Das operative Team war längst ausgewechselt, Leber war mittlerweile Verwaltungsrat. Das Produkt der Zukunft war nicht mehr der Stromsparer «Kelvin», sondern die Gesundheitsplattform «Healthi.ch». Diese hat Visionarity der Swisscom abgekauft. Visionarity werde damit zu «einem der führenden eHealth-Anbieter in Europa», lobte sich die Firma; wohl in der Hoffnung, damit weitere Investoren zu locken. Ausgebaut wurde allerdings lediglich das Aktienkapital, um Forderungen der Investoren aufzufangen. Noch im März dieses Jahres wurde die Forderung eines Investors über 129 000 Franken in neue Aktien gewandelt. Mittlerweile ist Visionarity verschwunden. Die Website ist gelöscht, die Firma hat am 23. August wegen Überschuldung beim Zivilgericht Basel-Stadt Konkurs angemeldet.

Leber sagt: «Visionarity hat es leider nicht geschafft, schnell genug zu wachsen, um profitabel zu arbeiten.» Leber ist mittlerweile aber ohnehin auf neuer Mission: Statt den Gesundheitsmarkt zu revolutionieren, hat er als Geschäftsführer der Keen Innovation vor, den Finanzmarkt zu digitalisieren. Die Finanzierung garantiert ihm die BKB.

Auch die Digitalchefin gehörte zu den Investoren

Die Distanz zu Bult ist gewahrt. Dieser hat nicht selbst Einsitz in den Verwaltungsrat der Keen Innovation genommen, sondern die BKB-Digital-Expertin Maria Vacalli delegiert. Allerdings ist auch sie eine gute Bekannte: Vacalli hat sich als Privatperson ebenfalls an der Visionarity beteiligt. Während Bult bei dokumentierten vier Finanzierungsrunden über 200 000 Franken eingeschossen hat, sind von Vacalli drei Runden und ein fünfstelliger Betrag schriftlich festgehalten.

Die Verflechtung von Bult und Vacalli wirft ein neues Licht auf ihre Anstellung beim BKB-Konzern. Zunächst hatte die Bank Cler eine Digital-Expertin für ihre Geschäftsleitung gesucht. Als Vacalli, zuvor Geschäftsführerin der NZZ-Tochter Moneyhouse, als Kandidatin auftauchte, machte Bult Druck. Ihr Posten sollte nicht bei der Tochter Cler, sondern direkt bei der Konzernleitung angesiedelt sein. Bankratspräsident Bult hält grosse Stücke auf Vacalli. Als die Geschäftsführung der Bank Cler aus Protest gegen die vollständige Integration in die BKB-Struktur geschlossen demissionierte, hatte der Bankrat bereits die Nachfolgelösung bereit: Vacalli wurde ohne Banking-Erfahrung neue Geschäftsleiterin der Bank Cler.

Auf die Frage, ob der Bankrat über die geschäftlichen Verbindungen informiert worden ist, erklärt Sprecher Patrick Riedo: «Private Beteiligungen im Start-up-Umfeld werden nicht offengelegt.»

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Autor

Christian Mensch

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