Basel

Art Unlimited: Wo man sich in Bilder und Skulpturen verlieben kann

Kunst - so weit das Auge reicht. Auf der «Art Unlimited» werden die Träume und Visionen der Künstler erfüllt – und die des Publikums auch.

Gleich zweimal kann man dieser Tage unlimitiert, sprich: uferlos, Kunst geniessen. Seit vergangenem Freitag im Schaulager und ab heute an der «Art Unlimited». Tatsächlich erinnern die oberen drei Stockwerke im Schaulager mit den zahlreichen Einzelpräsentationen an die Inszenierungen an der «Art Unlimited» in der Halle 1 auf dem Messeplatz.

Zeit-Kritisches

Auf rund 17 000 Quadratmetern werden an der «Art Unlimited» riesige Installationen, Bilder, Skulpturen, zahlreiche Videoarbeiten und einige Performances gezeigt. Die Besucher werden gleich beim Eingang von Julius von Bismarcks «Egocentric system» empfangen. Wir sehen den Künstler selbst, wie er sich in einem rotierenden Paraboloid, also in einer Art kreisenden Schüssel, bewegt, an einem Tisch sitzt und ein Buch liest oder zu Bett geht und ein Nickerchen macht. Es könnte einem schwindlig werden, wer ihm zuschaut – und genau darum geht es Bismarck. Auf spielerische Art gesellschaftspolitische Fragen zu thematisieren und zu hinterfragen.

Das konnte man auch an der Live-Performance von Kader Attia erfahren, der mit verschiedenen Steinen die Scheiben von rund zwanzig Vitrinen zertrümmerte. Neben der ungewohnt akustischen Erfahrung waren die Besucher Zeuge eines Bilderstürmers oder Kunstzerstörers. Natürlich erkennt man darin Parallelen zu den Aktivitäten des IS.

Da ist Ai Weiweis Installation schon subtiler. Er schichtet Fahrradrahmen, an denen Räder befestigt sind, zu einer Turmarchitektur auf. So ihrem eigentlichen Sinn enthoben, wirken die Fahrräder auch in einer triumphalen Architektur absurd. Auch der Altmeister der Performance-Kunst ist mit einer Arbeit vertreten, die an Subtilität kaum zu überbieten ist. Wer Bruce Naumans Installation «Für Kinder» betritt, findet sich in einem leeren Raum wieder, in dem aus dem Off eine Stimme immer wieder die Sentenz «Für Kinder» wiederholt. Wer will, kann aus den beiden Worten aber auch ganz andere Sinnzusammenhänge heraushören.

Mitmachen lohnt sich

Gleich dahinter findet sich eine Arbeit von David Shrigley. In der Mitte des Raums ist die Skulptur eines männlichen Akts zu sehen. Drum herum sind Staffeleien platziert, wobei die Besucher motiviert werden, Platz zu nehmen und mit Farb- und Filzstiften den Akt abzuzeichnen. Vor allem Kindern scheint das zu gefallen: Moritz malte einen winzig kleinen Kopffüssler, der nur einige Quadratzentimeter des Blatts bedeckte, doch darüber zog er mit blauer Farbe eine grossartige Wolkenformation.

Auch überdimensionierte Malerei in verschiedensten Techniken und Formulierungen ist vertreten: Von John M. Armleder ist im hinteren Teil der «Art Unlimited» ein riesiges Bild zu sehen, auf dem seine typischen Farbverläufe, teils mit Goldstaub bestäubt, zu sehen sind. Davor stehen einige Stahlrohrstühle, wie sie auf der Terrasse eines Gartenbads verwendet werden. Absitzen ist jedoch strengstens verboten, schliesslich ist das Bild zum Schauen da, sich davor Niederlassen wäre pietätlos. Auch von der kalifornischen Künstlerin Marcia Hafif ist eine grossformatige Arbeit zu sehen. Auf über hundert quadratischen Leinwänden entwickelt sie in leichten Auf- und Abstufungen einen Farbverlauf, der von Weiss über alle möglichen Grautönen hin zu Schwarz reicht.

Mega-Strukturen

Man kommt sich regelrecht verloren vor, wenn man mit den Bildern so allein im Raum steht, wobei die meisten Besucher die Arbeit mit einem Blick zu erfassen versuchen, statt die ganze Bildstrecke abzuwandern und die jeweiligen Veränderungen auf den Leinwänden zu studieren.

Roman Ondák ist mit einer poetischen Arbeit vertreten. Er nahm eine alte Schreibmaschine, vermutlich eine «Remington», auseinander und montierte die einzelnen Teile an Kleiderhaken, Stühle, Bretter, Massstäbe und Schemel. Diese Verbindung des ersten Schreibcomputers mit den hölzernen Materialien wirkt ungewohnt und wie Relikte aus einer längst vergessenen Zeit.

Auch die diesjährige «Art Unlimited» ist ein Erlebnis. Hier kann man als Flaneur sich ganz der Kunst hingeben, sich die Arbeiten reinziehen, hin und wieder was trinken oder auf dem Messeplatz die Sommerluft geniessen. Wer jetzt noch nicht genug hat, der besuche die drei oberen Stockwerke im Schaulager mit den Installationen von Matthew Barney, Gary Hill, Peter Fischli und David Weiss, Ilya Kabakov, Steve McQueen, Anri Sala, Bill Viola, Mark Wallinger und vielen anderen und geniesse ein «Unlimited»-Feeling der ganz besonderen Art.

Die «Art Unlimited» findet in der Halle 1 der Messe Basel statt und dauert bis 21. Juni. Sie ist täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

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