Design

Armin Hofmann: Ein Altmeister der «guten Form»

Die Schule für Gestaltung Basel zeigt mit 90 Originalen fast das gesamte Plakatwerk Hofmanns.

Die Schule für Gestaltung Basel zeigt mit 90 Originalen fast das gesamte Plakatwerk Hofmanns.

Der bedeutende Grafikdesigner und Lehrer wird in Basel mit zwei Ausstellungen zu seinem 100. Geburtstag gewürdigt.

In Grossformat machen tanzende, grell angeleuchtete Hände auf die neue Theatersaison aufmerksam. Abgerundete Kleinbuchstaben weisen auf die ­Ausstellung «die gute form» hin. Lettern, wie aus Brettern gezimmert, werben für eine Ausstellung über «Holz als Baustoff». Und ein menschliches Ohr, halb verdeckt von einem formal ganz ähnlichen Bass-Notenschlüssel, kündigt ein Brahms-Konzert im Münster an.

Es sind Werke des Basler Grafikdesigners Armin Hofmann, wie sie sich an den Plakatwänden der Stadt jahrzehntelang präsentiert haben. In Auftrag gegeben wurden sie meist von Kulturinstitutionen wie Kunsthalle, Gewerbemuseum, Stadttheater und Mustermesse. Ab und zu kam ein Abstimmungsplakat dazu, sehr selten kommerzielle Werbung.

Heute lebt Hofmann, der als einer der einflussreichsten Vertreter des Schweizer Grafikdesigns gilt, mit seiner Frau Dorothea in Luzern. Er konnte mit seiner Familie – Sohn Matthias ist ebenfalls Grafiker – Ende Juni seinen 100. Geburtstag feiern. Aus diesem Anlass wird nun sein wirkungsreiches Schaffen an zwei Orten geehrt. So zeigt die Schule für Gestaltung Basel, die frühere Kunstgewerbeschule, mit 90 Originalen fast das gesamte Plakatwerk Hofmanns.


Es vermittelt einen Einblick in das öffentliche Design der Nachkriegsmoderne: strenge Kompositionen, meist in hartem Schwarz-Weiss-Kontrast oder in verhaltenen Farben – nur ab und zu zeigen die Werke eine kleine Spielerei oder eine Prise Humor. Auf dem Schulareal lassen sich zudem Skulpturen und Wandreliefs betrachten, die Hofmann als Kunst am Bau gestaltet hat.
«Geistige Haltung einer Gesellschaft»

Sein Lebensweg zum wegweisenden Designer war nicht unbedingt vorgezeichnet: Als Sohn eines Maschinenzeichners 1920 in Winterthur geboren, lernte Hofmann das Handwerk des ­Lithografen und besass früh sein eigenes Atelier. Von 1947 bis 1986 war er Lehrer an der Basler Kunstgewerbeschule und dazwischen mehrmals Gastdozent an Universitäten in den USA und Indien. Hofmann entwarf etwa auch das Signet und den Poststempel für die Landesausstellung 1964. Und 1981 wurde sein Werk im Museum of Modern Art in New York gezeigt.

Hofmanns grafisches Schaffen und seine jahrzehntelange Lehrtätigkeit nehmen im helvetischen Grafikdesign einen ­prominenten Platz ein. Dieses gelangte unter dem Label «Swiss Style» nach 1945 zeitweise zu internationalem Ruf. Generationen von Schülern und Schülerinnen setzten Hofmanns Auffassungen von Qualitäts­design fort, die sich in der Tradition von Bauhaus und konkreter Kunst verstehen lässt. «Ein Plakat vermittelt auch Hinweise über die geistige Haltung einer Gesellschaft», so Hofmann.

Nicht nur an ein Fachpublikum gerichtet ist daher eine zweite Ausstellung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW im Dreispitz, die sich dem Lehrer und Didaktiker Hofmann widmet. Sie zeigt seine Ansichten und Theorien über Form, Farbe, Schrift, Komposition und visuelle Zeichen, die er für die Lehre entwickelt hat – in eigenen Skizzen und Büchern und umgesetzt in Plakaten ­seiner Schülerinnen und Schüler. Gleich nebenan sind die ganz andersartigen grossen Kohle- und Kreidezeichnungen der

Künstlerin und Wegbegleiterin Dorothea Hofmann ausgestellt 

Hofmanns Ausbildungsmodelle wirkten bis heute nach, sagt Michael Renner, ehemaliger Schüler unter vielen und ­Leiter des Instituts Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung und Kunst. Faszinierend fand er besonders das lebenslange Engagement und die Offenheit seines Lehrers: «Bei den Grundlagenübungen mussten wir mit einfachen Formen wie Linie, Kreis, Quadrat beginnen, bevor wir sie in grösseren Kompositionen weiterentwickeln konnten.» Die Klasse habe jeweils still an den Aufgabenstellungen ­gearbeitet, ohne viel untereinander zu reden, erinnert sich Renner. Am Schluss habe Hofmann dann erklärt, wie er die Sache selbst gelöst hätte.

Je komplexer die Umwelt, desto prägnanter müsse das Design aussehen: ein Grundsatz von Hofmann, den wohl noch immer viele unterschreiben würden. Seit den 1960er-Jahren sind zwar andere, freiere Auffassungen zur «guten Form» dazugekommen. Inzwischen ist auch der Glaube an eine zeitlose, ­objektive Ästhetik weitgehend verschwunden. Doch Reduktion, Einfachheit und Klarheit sind wohl noch ­immer massgebend im Umgang mit einer visuellen Medienwelt, die sich laufend verändert. Der nun 100-Jährige hat einiges dazu beigetragen.

Ausstellungen

«Armin Hofmann – Die Plakate und die Siebdruckmappe, Skulpturen und Reliefs». Schule für Gestaltung Basel, bis 6. 11.
«Die pädagogische Dimension, Dorothea Hofmann – Zeichnungen». Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW, bis 27. 11.
www.erahofmann.ch

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