Gesundheit

Apotheker gegen Referenzpreise: Emotionale Debatte mit Preisüberwacher in Basel

Scharfe Kritik aus den Reihen der Apotheker: Enea Martinelli, Fabian Vaucher, Stefan Meierhans, Moderator Andreas Schwald, Reto Dahinden und Christoph Meier (von links).

Scharfe Kritik aus den Reihen der Apotheker: Enea Martinelli, Fabian Vaucher, Stefan Meierhans, Moderator Andreas Schwald, Reto Dahinden und Christoph Meier (von links).

Die Gesundheitskosten steigen, mit einem Referenzpreissystem für Generika will der Bund die Medikamentenpreise drücken. Den Apothekern passt das nicht, sie kritiseren, dass die falschen Medikamente unter Spardruck geraten.

Die Gesundheitskosten der Schweiz sind ein zentrales Thema der zukünftigen Gesundheitsversorgung der Nation. Dabei spielen die Apotheken eine tragende Rolle, derweil sich die Debatte vordergründig um stationäre und ambulante Spitalaufenthalte sowie das Angebot an Spitälern in den Regionen dreht. Apotheken werden in der Regel mit dem Medikamentenverkauf gleichgesetzt und damit auch mit den Medikamentenpreisen. Und das birgt politischen Sprengstoff.

Zumindest zeigte sich das am Forum Pharmazie in Basel. Nur einen Tag nach der Arena-Sendung zur Gesundheitspolitik, die SRF extra aus einer Apotheke übertragen hatte, diskutierten vor Ort pharmasuisse-Präsident Fabian Vaucher, Preisüberwacher Stefan Meierhans, Swica-CEO Reto Dahinden und der Basler Pharmazie-Professor Christoph Meier über just jene kritisierten Preise und die Rolle der Apotheke in der Zukunft. Denn Meierhans war es, der das vom Bundesrat vorgeschlagene Referenzpreis-System für Medikamente zu verteidigen hatte. Der Apotheker-Verband pharmasuisse hatte das Vorhaben bereits aufs Schärfste kritisiert.

Preisüberwacher in der Höhle des Löwen

Also stellte sich Meierhans einem Saal voller Apotheker. Er postulierte klar: Ein Referenzpreissystem, bei dem die hiesigen Preise mit denen des Auslands verglichen und entsprechend angepasst werden sollen, sei nötig. Zur Senkung der steigenden Gesundheitskosten hätten alle Beteiligten ihren Teil beizutragen, die Medikamentenpreise sei jener der Apotheker.

Verbandspräsident Vaucher scheute sich entsprechend nicht, Gegensteuer zu halten. Das Referenzpreissystem könne verheerende Folgen für die Medikamentenversorgung der Schweiz mit sich bringen, die ohnehin schon angeschlagen sei. Komme hinzu, dass vor allem die hochpreisigen, hochspezialisierten Therapien den grössten Teil der wachsenden Medikamentenkosten ausmachen würden – und mit denen komme der Apotheker in der Regel kaum direkt in Kontakt. Dies sei Sache der Pharma-Industrie, der Ärzte und Spitäler. Apotheker würden ohnehin bereits unter dem Kostendruck im Medikamentenwesen leiden.

Versorgungsengpässe und ein neues Berufsbild

Pharmazie-Professor Meier, Spitalapotheker des Universitätsspitals Basel, stützte Vaucher. Auch er argumentierte mit dringenden Versorgungsengpässen, wies aber gleichzeitig auf die Zukunft der Apotheker hin, die sich weiter in Richtung niederschwelliger Erstversorger entwickle. Der Berufsstand befindet sich im tiefgreifenden Wandel. Weiteren Druck über ein Referenzpreissystem auszuüben, gehe damit auch zu Lasten der Patienten.

Swica-Chef Dahinden konnte sich in dieser Runde etwas zurücklehnen; Protagonist für die Apotheker war Meierhans. Dennoch: Dahinden wies darauf hin, dass die Apotheke der Zukunft eine andere sein werde, eine andere sein müsse. Er führte, unter anderem gestützt auf eines der Input-Referate, die Aufklärungsarbeit eines Apothekers in Sursee als beispielhaft an für die innovative Führung einer Apotheke. Dies beinhaltet unter anderem, die Rolle als Erstversorger ernstzunehmen genauso wie das Monitoring, also die Begleitung der Patienten, die Medikamente einnehmen müssen. Die Swica war auch eine der ersten Krankenkassen, die spezifische Apothekenmodelle für die Versicherten entwickelt und angeboten haben.

Generika-Hersteller Mepha wehrt sich

Kritisch blieben allerdings die Äusserungen aus dem Publikum. Mepha-Chef Andreas Bosshard, Sponsor des Anlasses, tat gegenüber Meierhans seinen Unmut über den Referenzpreis kund, zumal die auf Generika-Medikamente spezialisierte Firma aus dem Baselbiet Schweizer Marktführer ist. Entsprechend abträglich würde sich die Einführung des Systems auf seinen Betrieb auswirken: Nachahmer-Medikamente kosten in der Schweiz etwa doppelt so viel wie im Ausland, argumentiert der Bundesrat, ist ein Medikament teurer als das Generikum, müssen die Patienten die Differenz selber zahlen. Bundesrat Alain Berset verspricht sich davon Einsparungen von 300 bis 500 Millionen Franken pro Jahr. 

Befürworter des Systems äusserten sich am Apotheker-Podium keine; innerhalb des Berufsstands findet die Massnahme kaum Anklang. Entsprechend fand sich auch im Saal niemand, der dem Referenzpreissystem massgeblich positive Seiten abgewinnen konnte. Enea Martinelli, Spital-Apotheker in Interlaken und Überwacher des Medikamentenmangels in der Schweiz, führte sogar noch weiter aus, warum der Preisdruck den Versorgungsmangel weiter verschärfen könnte. Die Pharma-Industrie würde der kleinen Schweiz kaum eine Sonderstellung gönnen, wenn der kleine Markt zu kleine Margen erbringe. Er warnte davor, weiter auf den Preisdruck bei den Apotheken zu spielen, bevor noch mehr Medikamente gegen so genannte Volkskrankheiten wie Bluthochdruck oder gerade Epilepsie zur reinen Mangel- und damit Luxusware verkommen. 

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