Ein altes Bonmot besagt, der Mensch solle in all das genügend Geld investieren, was ihn mit dem Boden verbindet: ein gutes Bett, gutes Schuhwerk, gute Pneus. Letzteres scheinen sich die Basler Verkehrsbetriebe in diesem Vorfall vom vergangenen Sonntag nicht beherzigt zu haben: Bei Dienstantritt stellt der Chauffeur eines Kleinbusses fest, wie fahruntauglich der rechte Vorderreifen ist. Abgeschliffen wirkt er, Profil ist grossflächig kaum mehr vorhanden.

Der Busfahrer verständigt die Leitstelle und fragt um Hilfe, worauf sich ein kurzes, gehässiges Gespräch entwickelt. Offenbar zeichnet der Chauffeur das Telefonat auf, die Tonspur liegt der bz vor. Nachdem erst «20 Minuten» darüber berichtete, zieht sie inzwischen Kreise bis in die Verwaltung.

«Ihr seid nicht das Gesetz»

«Was machen wir mit den abgefahrenen Pneus?», ist mutmasslich der Chauffeur zu hören. «Du darfst weiterfahren», wird ihm beschieden. Man habe das Fahrzeug in der Garage angeschaut. «Ihr seid nicht das Gesetz. Das wird woanders gemacht», widerspricht der Fahrer hörbar enerviert. Er kündigt an, das Gespräch aufzunehmen, worauf es aus dem Hörer schallt: «Das brauchst Du nicht, es wird ohnehin aufgezeichnet.»

Als sich der Chauffeur schliesslich erkundigt, ob er selber für eine allfällige Busse aufkommen müsse, klemmt ihn die Zentrale ab. Obwohl der Bus in diesem Zustand nicht mehr unterwegs sein dürfte, fährt der Chauffeur danach weiter auf der Linie 34 im Abschnitt zwischen den Stationen Habermatten und Riehen Bahnhof.

Schon Tage zuvor hatte eine Kontrolle in der Garage Rank ergeben, dass die Spureinstellung der Lenkung dieses Busses nicht korrekt eingestellt war. «Für den Bus wurde für die laufende Woche ein Werkstatttermin angeordnet. Die Reifen des Busses waren zu diesem Zeitpunkt noch fahrtauglich, nutzten sich in den folgenden Tagen als Folge der nicht korrekten Spureinstellung aber weiter stark ab», erklärt die BVB-Medienstelle auf Anfrage der bz.

Der Vorfall ist dem öV-Unternehmen peinlich. «Die BVB bedauern diesen Vorfall sehr und entschuldigt sich bei den betroffenen Personen. Wir haben eine interne Untersuchung des Vorfalls vorgenommen und die nötigen Schritte eingeleitet», schreibt Sprecherin Sonja Koerkel. Unklar ist, was mit dem Fahrer geschieht. Die BVB wollen sich dazu aus personalrechtlichen Gründen nicht äussern.