Källerstraich
«079 – het si gsait…» – im Basler Marionetten Theater gaben sich die Top-Bänke die Klinke in die Hand

Bei aktuellen Vorfasnachten gehört ein roter Faden zum guten Ton. An ganz vielen Fäden hängt dafür der Källerstraich im Basler Marionetten Theater.

Fabian Schwarzenbach
Merken
Drucken
Teilen
Basler Marionetten Theater
15 Bilder
Källerstraich
Källerstraich
Källerstraich
Källerstraich
Källerstraich
Källerstraich
Källerstraich
Källerstraich
Källerstraich
Källerstraich Bebbi-Buebe
Källerstraich
Källerstraich Stächpalme
Källerstraich D'Pfyffergruppe Ego-Säu
Källerstraich D'Pfyffergruppe Ego-Säu

Basler Marionetten Theater

Roland Schmid

Im Rahmenstück suchen drei Cliquen-Kollegen Inspirationen für die nächste Fasnacht. Dabei werden sie anfänglich immer wieder von einer Computerstimme auf die aktuelle politisch korrekte Ausdrucksweise hingewiesen. Weiter sollte auch Herr Schubiger dazu stossen, der über die Köpfe des Publikums fliegt, aber leider mitten im Raum hängen bleibt. Sehr zur Freude des Paares auf dem Balkon, da Herr Schubiger immer auf ihrem Parkplatz parkiere.

Die beiden füllen bei jedem Zwischenruf genüsslich frischen Champagner in ihre Gläser und ziehen in bissigen Sätzen schonungslos über alles her. Balkonszenen en miniature. Die drei Hauptdarsteller treffen sich im Vogelhaus des Zolli. Ein strenger Zoowärter und allerlei seltsame Vögel – auch der bisher unbekannte Doppeladler – unterbrechen die Bemühungen.

Apropos schräge Vögel: Als ein kleiner Singvogel mit Gitarre Schnitzelbängg zu singen beginnt, erkennt man sofort die Stimme des richtigen Singvogels. Gefangen in seinem Käfig kann er die Helgen nicht drehen, womit der richtige Helgenbueb des Singvogels die Bühne betritt. Ihm folgt dann auch noch der richtige Singvogel. Somit gab es ein Battle der Singvögel, was ein Genuss für seine Fans war.

Hommage an Kurt Aeschbacher

Aber auch ein weiterer Schlagabtausch zwischen Marionette und Mensch wurde zu einem Höhepunkt des Programms. Zwei Harlekins trommeln um die Wette. Das Faszinierende dabei ist, dass man bei der Marionette die Schlägel in etwa gleich schnell auf das Fell niederprasseln sieht, wie beim Original. Da benötigt jemand einen ziemlich nervösen Finger am Faden der Puppe. «Il commisario» heisst diese Uraufführung.

Musikalisch bieten menschliche Pfeifer mit der «Käller-Safari» ebenfalls eine Premiere. Das Publikum hört zwar höchste Pfyffer-Qualität, die Augen sind jedoch auf die tierischen Finken der Musiker gerichtet, die sich beim Umherlaufen auch noch bewegen. D’Rätschbääse, Giftspritzi, die Unerheerte, Perefyss und Doggter FMH heissen die anderen Schnitzelbängg, die alles ins Fadenkreuz nehmen, was in den letzten Monaten für Schlagzeilen gesorgt hat.

Aber sie kritisieren auch. Das Rätschbääse-Quintett ermahnt uns, dass man mit 50 noch nicht zum alten Eisen gehört und flechtet gekonnt eine kleine Hommage an Kurt Aeschbacher ein. Perefyss, ein Vater mit seinen zwei Söhnen, kritisiert die Messe und den Untergang der Muba. Die Giftspritzi nimmt in seinem giftgrünen Mantel den Rummel rund um den Black Friday aufs Korn, wo es drei für zwei gibt.

Auch der Doggter FMH lässt seine Schwester Gundula die Röntgen-Bilder hervorziehen. Die Verse sind auf gewohnt hohem Niveau und der Vortrag makellos, dennoch fehlt ihm in diesem Jahr ein bisschen der Biss.

Inspirationsreise nach Köln

Die Unerheerte lassen uns teilhaben, was passiert, wenn alt Bundesräte ihre Handynummer austauschen: «079 – het si gsait...». Zum Schluss unternehmen die Protagonisten noch eine Inspirationsreise nach Köln, das Flugzeug kehrt aber wieder nach Basel zurück. Trotzdem gelingt es ihnen mit tollen Ideen an der Fasnacht zu punkten. Das Schicksal von Herrn Schubiger wird zum Schluss leider nicht aufgelöst, obwohl er noch in den Seilen hängt.