Ausstellung
Basler Schnabel, Zürcher Nest: 90 Jahre Globi im Spielzeug Welten Museum

Das Spielzeug Welten Museum Basel feiert den 90. Geburtstag von Globi-Illustrator Daniel Frick gibt am Sonntag Zeichenunterricht.

Hannes Nüsseler
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«Ich bin sozusagen mit Globi verheiratet»: Globi-Zeichner Daniel Frick.

«Ich bin sozusagen mit Globi verheiratet»: Globi-Zeichner Daniel Frick.

zvg / Mathias Zuppiger

Blaues Gefieder, Karohose: Die Schweiz hat einen Vogel, und das schon seit 90 Jahren. 1932 in eine Weltwirtschaftskrise und den erstarkenden Faschismus geboren, hat das einstige Zürcher Warenhausmaskottchen Kimbukku einen Siegeszug durch unzählige Schweizer Kinderstuben angetreten. Moment, Kimbukku?

«So sollte die Figur ursprünglich heissen», erzählt Globi-Illustrator Daniel Frick am Telefon. Diesen Sonntag wird er Kindern ab vier Jahren in Basel zeigen, wie der unverwüstliche Lausbub der Nation gezeichnet wird. Frick tritt im Rahmen der Jubiläumsausstellung «Happy Birthday, Globi» im Spielzeug Welten Museum auf, und dass Globi seinen Geburtstag am Rhein feiert, ist nicht unpassend.

«Den Namen Kimbukku fand die Basler Filiale damals komisch», erklärt Frick. «Nun war der Globus bei der Basler Bevölkerung als «Globi» bekannt, und dieser Name hat sich gehalten.» Ausgebrütet und gezeichnet wurde die Figur also in Zürich, der Schnabel ist ihr aber in Basel gewachsen. Die Marke Globi ist somit das Ergebnis einer kantonsübergreifenden Kooperation.

Comicfigur mit einem ­eigenen Kopf

Daniel Frick, Stadtzürcher mit Jahrgang 1966, zeichnet den lustigen Vogel seit 2006. «Ich habe mich damals beim Globi Verlag vorgestellt.» Frick durfte eine Probeseite zeichnen, der Verlag war zu­frieden, der Illustrator glücklich: «Als Bub habe ich die Bücher gelesen, jetzt zeichne ich sie selber – wow!» Und die Begeisterung für die Figur sei auch bei der jungen Leserschaft ungebrochen.

Plakat von Robert Lips aus dem Jahr 1934.

Plakat von Robert Lips aus dem Jahr 1934.

Schweizerisches Nationalmuseum

Dabei stellt Globis Profil eine echte Herausforderung dar – lässt sich der Kopf doch kaum von vorne zeichnen. «Er ist immer nur von der Seite zu sehen. Robert Lips, der Miterfinder der Figur, hatte das damals so konzipiert.» Lips (1912–1975), Grafiker und zweimaliger Schweizer Meister im Degenfechten, hat die Figur geprägt: «Sein handwerkliches Können, sein Witz und die Lockerheit sind grandios.» Allerdings litt Lips auch unter dem Erfolg seiner Figur, die seine künstlerischen Ambitionen in den Schatten stellte.

Frick bereitet die Arbeit an Globi dagegen keine Mühe, im Gegenteil. «Für mich ist es vielmehr eine Ehre, an diesem Schweizer Kulturgut teilhaben zu können.» Natürlich würde er gerne auch mal etwas Eigenes probieren, aber dafür fehle meist die Zeit. Zudem liebe er die Figur, «ich bin sozusagen mit Globi ver­heiratet». Es ist eine Ehe, die sich Frick mit vier weiteren Illustratoren teilt, die alle für den Globi Verlag tätig sind und die Figur für verschiedene Formate und Reihen zeichnen. Alles Männer.

Rauchen, Raufen und ­Rassismus sind passé

«Ich fände es toll, wenn endlich auch Frauen die Figur zeichnen würden», sagt Frick. Schliesslich ist Globi nicht zuletzt wegen seiner Anpassungsfähigkeit so vital: Vom Werbeträger über den Soldaten im Dienst der Geistigen Landesverteidigung, vom derben Spassmacher bis zum reaktionären Prügelknaben der Sechziger­jahre hat Globi schon so manche und nicht immer stubenreine Rolle übernommen: Rauchen, Raufen, Rassismus – kein Wunder werden ältere Bände nicht mehr aufgelegt und unausgemalte (!) Erstausgaben zu hohen Preisen gehandelt.

«Wir achten darauf, dass sich Globi in seinem Temperament zurücknimmt», erklärt Frick. Das Belehrende fällt weg, Globi reist nicht mehr wie früher in fremde Länder und gibt dort den Ton an. «Der Umgang mit der ­Figur ist sensibler geworden. Es gibt jetzt auch eine eigene Wissensreihe, die verschiedenste Themen aufgreift, von der Robotik bis zur Demokratie.» Globis «grossmäuliges, wohlfeiles, windiges Heldentum» (Basler «National-Zeitung», 1954), ist zur Pädagogik gereift.

Die Bände entstehen immer nach demselben Prinzip. Der Verlag schlägt Themen vor, die Illustratoren erarbeiten die Geschichten und Zeichnungen. «Wir sind einsame Wölfe, die gerne für sich ‹grümscheln›», lacht Frick. Anhand erster Skizzen wird die Handlung anschliessend in Versform gebracht.

Schweizer Nationalhelden unter sich: «Globi und Roger» von Daniel Frick.

Schweizer Nationalhelden unter sich: «Globi und Roger» von Daniel Frick.

zvg / Mathias Zuppiger

Seit dem Grosserfolg «Globi bei der Post» (1997) ist die Figur auch wieder als – diskreter – Botschafter gefragt. «Viele Institutionen klopfen beim Verlag wegen einer Kooperation an.» Gibt zum Beispiel die ETH den Ausschlag für eine Geschichte wie Fricks «Globi und die verrückte Maschine», bescheidet sie sich mit einem Auftritt im Glossar. «Wir wollen ja keine Werbebroschüren zeichnen.»

Eine Ausnahme bildet die Schweizer Tennisinstitution ­Roger Federer, den Daniel Frick 2021 in «Globi und Roger» verewigt hat. Der Band ist in der 90-jährigen Geschichte einmalig, knüpft er doch an eine reale Person an. «Für Federer ist der Auftritt in einer Globigeschichte wahrscheinlich auch ein Bubentraum.»

«Happy Birthday, Globi», Spielzeug Welten Museum Basel, bis 30. Oktober 2022. Sonntag, 24. April, 14-17 Uhr: Globi zeichnen mit Illustrator Daniel Frick. Anmeldung unter: info@swm-basel.ch.