Art Basel
Setzt die Kunstmesse einen Punkt hinter Basel? Die Art liebäugelt mit Paris

Die MCH Group baut für ihre Kunstmesse in Asien ein alternatives Standbein auf und liebäugelt mit dem Standort Paris.

Christian Mensch
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Das Pariser Grand Palais: Findet darin künftig die Art Basel statt?

Das Pariser Grand Palais: Findet darin künftig die Art Basel statt?

Russieseo / iStockphoto

Es ist die kleine Ankündigung vor dem möglichen grossen Coup: Die Kunstmesse Art Basel beteiligt sich über ihre Muttergesellschaft MCH Group mit 15 Prozent an der Art SG, einer Kunstmesse, die im Januar 2023 erstmals in Singapur über die Bühne gehen soll. Was noch diese Woche öffentlich werden könnte – dass die Art Basel ab 2024 oder 2025 in Paris im legendären Grand Palais eine weitere Messe lanciert. Gerüchte, die sich in der französischen Metropole seit den Weihnachtstagen jagen, verdichten sich.

Beiden Projekten gemeinsam ist, dass sie von langer Hand vorbereitet sind und den hegemonialen Anspruch der Art Basel im postpandemischen Kunstmarkt unterstreichen.

Das Engagement in Singapur war bereits 2018 erstmals spruchreif. Verträge mit dem Trio Tim Etchells, Sandy Angus und Magnus Renfrew waren vorbereitet. Von ihm hatte die MCH Group bereits die Art HK übernommen (heute: Art Basel Hongkong). Mit ihm wurden auch Kooperationen für die Art Fair India und die Art Düsseldorf abgeschlossen. Diese wurden jedoch wieder aufgelöst, als der Basler Messekonzern am Abgrund hangelte, und so blieb auch die Vereinbarung für Singapur ohne Abschluss.

Singapur: Eine strategische Alternative zu Hongkong

Nun wird dieser Faden wieder aufgenommen. Der Fokus hat sich allerdings verändert: Figurierte Singapur zunächst auf der Liste der Standorte für «Regionalmessen», so ist er nun die strategische Alternative für Asien, wenn Hongkong weitere Freiheiten an China verliert und die staatlichen Behörden auch im Kunstmarkt eingreifen.

Auch in Europa rückt die Art Basel strategisch in eine wesentlich stärkere Position, sollte sich das zweite Projekt realisieren lassen: eine Kunstmesse im Pariser Grand Palais, das derzeit einer Grossrenovation unterzogen wird. Die Verblüffung war gross, als die staatliche französische Betreibergesellschaft am 8. Dezember mitteilte, es gebe einen ernsthaften Interessenten, der im Palais eine neue Kunstmesse starten wolle. Bis Ende Jahr könnten Gegenofferten eingereicht werden. Im Januar werde entschieden.

Weitreichende Folgen für die Fiac und den Standort Basel

Die Foire internationale d’art contemporain (Fiac), die traditionell den Palais bespielt, wurde voll auf dem falschen Fuss erwischt. Während der Rennovation hat sie ihre Messe in einem Provisorium eingerichtet und nun droht sie – ohne Anschlussvertrag – heimatlos zu werden. Schlimmer noch: Die neue Kunstmesse im Palais soll gleichzeitig mit der Fiac stattfinden, was diese existenziell bedrohen würde. Fiac gehört zwar zum britischen Medienkonzern Relx (ehemals Reed Elsevier), zählt dennoch als französische Kulturinstitution, was nun zu entsprechendem Aufruhr in «La Grande Nation» führt.

Die MCH Group kommentiert die Gerüchte nicht. Ein Pariser Engagement hätte denn auch weitreichende Folgen, die ebenfalls zu kommentieren wären. Denn eine Art Basel im Pariser Palais wenige Monate nach einer Art Basel in der ehrwürdigen Basler Rundhofhalle ist gemäss Marktbeobachtern undenkbar. Und Gründe, weshalb James Murdoch, der neue starke Mann der MCH Group, auf Basel setzten würde, wenn er Paris haben kann, sind keine erkennbar. Fortsetzung folgt.

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