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Ungewohnte Kombination

Cadillac XT4

Cadillac XT4

Cadillac bringt den kompakten SUV XT4 nach Europa. Zunächst ausschliesslich mit Dieselmotor.

Diese Kombination erstaunt: Der Cadillac XT4 kommt zunächst ausschliesslich mit 2-Liter-Dieselmotor nach Europa. Das ist einerseits für ein amerikanisches Auto sehr ungewöhnlich, andererseits auch, weil es der Diesel in Europa zunehmend schwer hat. Nichtsdestotrotz hat der Mutterkonzern GM im Motorenentwicklungszentrum in Turin einen komplett neuen Selbstzünder entwickelt. Der macht sich beim Kaltstart sofort bemerkbar und wirkt auch bei geringem Tempo noch etwas rau und präsent. Doch spätestens auf der Autobahn ist er kaum mehr hörbar und wirkt so kultiviert, wie man es in einem Cadillac erwarten darf.

Als Reisewagen auf der Autobahn macht sich der Amerikaner ohnehin gut. Mit 174 PS und 381 Nm Drehmoment, die schon ab 1500 Umdrehungen anliegen, ist er souverän genug motorisiert, um seine gut 1,8 Tonnen Gewicht in Schwung zu halten. Geschaltet wird über eine 9-Gang-Automatik, die ihre Aufgabe fast unmerklich erledigt – und mit dazu beiträgt, dass der XT4 mit einem Werksverbrauch von 6,9 l/100 km das Klischee vom durstigen Amerikaner Lügen straft.

Zum komfortablen Gesamteindruck gehören auch das sanft abgestimmte Fahrwerk, die weichen und bequemen Sitze und die gute Geräuschdämmung. Dem ausgedehnten «Roadtrip» nach amerikanischem Vorbild steht also nichts im Wege.

Sicher statt aufregend

Gegen das althergebrachte Klischee, dass amerikanische Autos nur für gerade Strecken taugen, wehrt sich der XT4 mit stoischer Gelassenheit. Er versucht gar nicht erst, den flinken Sportler zu mimen, meistert Kurven aber akkurat und ohne besorgniserregende Seitenneigung. Das sorgt für ein sehr sicheres Fahrgefühl – untermalt durch den optionalen Allradantrieb, der bei den ersten Testfahrten mit an Bord war. Im Fahrmodus «Tour», der vor allem für den Alltag in der Stadt und der Autobahn abgestimmt ist, fährt der Ami mit reinem Frontantrieb, um Sprit zu sparen. In den weiteren Fahrprogrammen (Sport, AWD, Offroad, Snow/Ice) wird die Hinterachse hingegen permanent angetrieben.

Umfangreich ausgestattet

Zunächst kommt der XT4 ausschliesslich als «Launch Edition» mit Dieselmotor und wahlweise Front- oder Allradantrieb in die Schweiz. Ein Vierzylinder-Benziner, der aus zwei Litern Hubraum plus Turbolader 230 PS und 350 Nm Drehmoment erzeugt, soll 2021 folgen. Der Benzinmotor verfügt über eine Zylinderabschaltung zur Verbrauchsoptimierung und wird ausschliesslich mit Allradantrieb zu haben sein.

Das derzeitige Einstiegsmodell, der «Launch Edition» mit Frontantrieb, kostet ab 50950 Franken.

In diesem Grundpreis sind bereits zahlreiche Komfortextras, wie zum Beispiel Ledersitze, elektrische Sitzverstellung, Zwei-Zonen-Klimaautomatik oder Sitz- und Lenkradheizung enthalten. Zudem gibt es viele Fahrassistenten, wie zum Beispiel eine 360-Grad-Kamera, Verkehrszeichenerkennung oder Spurhalteunterstützung.

Wer die Sicherheit des Allradantriebs nicht missen will, muss auf die teurere Version «Launch Edition Sport» aufrüsten: ab 56200 Franken mit Frontantrieb, zusätzliche 2200 Franken für den Allrad. Hier umfasst die Werksausstattung auch einen adaptiven Tempomaten, komplett digitale Instrumente samt Head-up-Display, verstellbare Fahrwerksdämpfer und zahlreiche weitere Extras, die bei vielen Mitbewerbern Aufpreis kosten.

Preislich ist der Cadillac XT4 also durchaus interessant eingestuft. Zudem könnte er mit seinem eigenständigen Design und seinem Exotenstatus für all jene interessant sein, die sich bewusst von der Masse abheben möchten.

Schattenseiten muss man dafür kaum in Kauf nehmen. Das Platzangebot ist sowohl auf den Vordersitzen, wie auch auf der Rückbank und beim Kofferraum auf klassenüblichem Niveau. Der Fahrkomfort ist, bis auf den gelegentlich etwas rauen Diesel, gar überdurchschnittlich; dass der XT4 in Sachen Fahrdynamik nicht zu den flinksten im Segment zählt, ist für ein SUV nicht weiter tragisch. Allerdings ist im Innenraum spürbar, dass das Modell in den USA bereits seit zwei Jahren am Markt ist.

Das 8-Zoll-Touchscreen-Infotainment ist zwar simpel und übersichtlich zu bedienen, wirkt aber nicht mehr ganz taufrisch, wenn es um die grafische Darstellung geht. Dafür fühlt sich der Touchscreen aber, wie auch der Rest des Innenraums, durchaus solide und hochwertig an. Und dank der Möglichkeit, das Smartphone via Apple CarPlay oder Android Auto zu nutzen, ist das System im Alltag absolut ausreichend.

Mit dem XT4 steigt Cadillac spät, aber überzeugend ins Segment der Diesel-SUV ein; und plant für 2021 schon den nächsten Schritt. Dann soll der Lyriq folgen, ein rein elektrischer SUV mit 480 Kilometern Reichweite.

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