Die Übersicht über das Aston-Martin-Programm zu behalten, das fällt wohl sogar dem autorisierten Händler schwer. Zum 100. Geburtstag in diesem Jahr haben sich die Engländer eine Reihe von limitierten Sondermodellen geschenkt, was die Qual der Wahl noch grösser macht. Doch bereits kommt Aston wieder mit einer neuen Modell-Variante, dem Vantage SP10.

SP10, das weiss der Kenner, so heisst die VLN-Rennklasse, in der die GT4-Rennwagen auf dem Nürburgring antreten. Und genau dieses Renn-Feeling soll nun auch der Vantage SP10 ausdrücken. Jeffrey L. Scott, Geschäftsführer von Aston Martin Lagonda in Europa, sieht dort auch die Schnittstelle: «Weil gerade in der GT4-Klasse die technische Nähe zwischen Rennwagen und verwandtem Strassen-Modell sehr stark ausgeprägt ist, identifizieren sich viele unserer Kunden mit unseren Motorsport-Aktivitäten - oder nehmen sogar aktiv als «Gentleman Driver» daran teil. Der neue Vantage SP10 ist nun ein Vantage S mit Motorsport-Flair.» Man könnte nun hoffen, dass der Vantage SP10 stärker oder zumindest leichter ist als der 2011 eingeführte Vantage S. Dem ist aber nicht so: der 4,7-Liter-V8 leistet weiterhin 436 PS, eine Gewichtsersparnis gibt es nur gegen Aufpreis, wenn man nämlich die «Lightweight»-Sitze (bestehen aus Karbon, kosten 4140 Franken zusätzlich) bestellt. Doch die gibt es auch beim Vantage S. Die Idee ist eine ganz andere: der SP10, dessen Bezeichnung ja von einen Rennwagen abgeleitet wird, ist nicht mit dem Sport-Fahrwerk ausgerüstet. Dies, sagt Aston Martin, sei ein Kundenwunsch gewesen, und in der Preisklasse, in der sich Aston Martin bewegt, da ist der Kunde König. Etwas verwirrend ist dann aber die Tatsache, dass der SP10 gegen Aufpreis wieder mit dem Sport-Fahrwerk aufgerüstet werden kann. Als Basis gibt es beim SP10 das manuelle 6-Gang-Getriebe, gegen Aufpreis die automatisierte 7-Gang-Sportshift-II.

Weitere Veränderungen oder Verbesserungen gegenüber dem Vantage S: eine spezielle Lackierung (Ceramic Grey Metallic), spezielle Leichtmetallfelgen (19 Zoll) und schwarze Bremssättel. Dazu diverse Karbon-Anbaulteile sowie ein sehr schwarz gehaltenes Innenleben. Wunderbar: das Sportlenkrad, das mit schwarzem Alcantara überzogen ist. Den SP10 gibt es sowohl als Coupé wie auch als Roadster, beide sind serienmässig mit einer 700 Watt starken Audio-System ausgestattet. Auch die Fahrleistungen sind gleich, sowohl von Coupé (Leergewicht 1610 Kilo) wie auch Roadster (Leergewicht 1690 Kilo) wie auch Vantage S: von 0 auf 100 km/h eilt der edle Engländer in 4,5 Sekunden, als Höchstgeschwindigkeit werden 305 km/h angegeben. Verbrauch: 12,9 Liter kombiniert, 299 Gramm CO2/km. Was wirklich erfreulich ist: wieder einmal einen Sportwagen mit manuellem Getriebe zu bewegen. Denn viele gibt es ja nicht mehr in dieser Stärkeklasse - man kann den Kundenwunsch nach diesem händisch bedienten 6-Gänger durchaus verstehen, denn er macht absolut Freude. Zumal «Sportshift II» von Aston Martin ja jetzt nicht zu jenen Kraftverteilern gehört, die ihren Dienst besonders flott versehen. Doch es sind zwei komplett andere Fahrzeuge, der geschaltete SP10 und der automatisierte, wahrscheinlich ist die Sportshift-II-Variante auf der Rennstrecke schneller, dafür macht der geschaltete Aston auf der Strasse mehr Fahrfreude.

Auch die Frage, ob geschlossen oder offen, die muss man selber für sich beantworten. Als Roadster ist der SP10 natürlich unmittelbarer, näher am Herz, gefühlsbetonter, auch deshalb, weil er den wunderbaren Sound perfekt ans Trommelfell weitergibt. Das Coupé fühlt sich sportlicher an, stabiler, steifer und trotzdem leichtfüssiger. Was wahrscheinlich den 80 Kilo Mindergewicht geschuldet ist. Der Aston Martin SP10 ist ab sofort zu haben, und weil er so ein bisschen das Einsteiger-Modell ist, ist er auch preislich ganz interessant: das Basis-Modell mit dem manuellen 6-Gang-Getriebe kostet 134'609 Franken (mit Sportshift II: 140'979 Franken), den Roadster gibt es ab 148'522 Franken (mit Sportshif II: 154'894 Franken). Das ist gegenüber dem Vantage S ein Preisvorteil von rund 8000 Franken.