Porsche 911 GT3
Ohne Wenn und Aber

Der Porsche 911 kämpft um Sekundenbruchteile. Und für die Erhaltung klassischer Sportwagen-Zutaten.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
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Porsche 911 GT3

Porsche 911 GT3

Bild: zVg

Eigentlich ist die Aufgabe, vor der Andreas Preuninger, Leiter der GT-Modellreihe bei Porsche, mit jedem neuen Modell steht, schier unlösbar. Denn die Kunden, die bereit sind, mindestens 209 800 Franken für einen 911 GT3 auszugeben, möchten das Bekannte und Bewährte nochmals eine Stufe besser erleben. Die Gesetze fordern aber das genaue Gegenteil. Strassenautos, und damit auch auf Höchstleistung getrimmte Sportwagen, müssen sauberer, sparsamer und leiser werden.

Das Thema Verbrauch kann Porsche gewissermassen quersubventionieren; solange genügend E-Autos und Plug-in-Hybride verkauft werden, darf sich der GT3 als sportlichste Ausprägung des Sportwagenklassikers 911 hier noch etwas mehr erlauben; 12,4 l/100 km gibt Porsche an, was in Zeiten von Downsizing und Elektrifizierung fast schon exotisch erscheint. Doch das nimmt Porsche ganz bewusst in Kauf: Der GT3 ist ein Auto von Enthusiasten für Enthusiasten. Folglich soll er all das verkörpern, was den 911 seit Jahren ausmacht: eine messerscharfe Lenkung, ein perfekt abgestimmtes Fahrwerk und einen Antrieb mit beeindruckender Leistung, unmittelbarem Ansprechverhalten und unverkennbarem Klang.

Klare Vorgaben

Fans und Kunden des rennstreckentauglichen Sportwagens haben klare Vorstellungen von den Zutaten, welche in dieses Auto gehören. Eine Abkehr vom klassischen Saugmotor wäre ein Sakrileg – auch wenn Saugmotoren in der heutigen Autowelt beinahe ausgestorben sind. Ein Motor mit Turboaufladung funktioniert meist effizienter, bietet mehr Leistung und vor allem deutlich mehr Drehmoment. Dafür dämpfen die Turbolader im Abgastrakt den Klang. Und der Motor spricht immer mit leichter Verzögerung an, da die Lader erst Druck aufbauen müssen. Hier hat der Saugmotor klare Vorteile. Vorteile, die der neue GT3 eindrücklich präsentiert.

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Sein Sechszylinder-Saugmotor mit vier Litern Hubraum kommt mechanisch unverändert auch im GT3 Cup Rennwagen zum Einsatz. Lediglich die Abgasanlage wurde für den Strassengebrauch angepasst; die obligatorischen Partikelfilter dienen hier zugleich auch als Schalldämpfer; so spart Porsche Gewicht und minimiert den Abgas-Gegendruck.

Ein Leisetreter ist der GT3 freilich nicht; er klingt buchstäblich wie ein Rennwagen. Aber: Er erfüllt alle aktuellen Auflagen und wirkt niemals angeberisch laut. Denn Porsche verzichtet auf «Sound Engineering», wie zum Beispiel künstlich verstärkte Motorklänge oder absichtlich erzeugte Fehlzündungen.

Der Motor verfügt zudem über eine Einzeldrosselklappen-Anlage, die jeden Zylinder separat und gleichmässig mit Luft versorgt. Das sorgt für besseres Ansprechverhalten und mehr Leistung – gerade bei hohen Drehzahlen. Zwar beschleunigt der Sportler auch schon bei 2000 Umdrehungen beeindruckend spontan. Doch richtig in Schwung kommt dieser Motor erst, wenn bei anderen Triebwerken der rote Bereich anfängt: Zwischen 6000 und 9000 Umdrehungen! Dass der Saugmotor trotzdem gleichmässig an Leistung zulegt und bei wenig Drehzahl nicht ins Ruckeln gerät, ist eigentlich ebenfalls fast unmöglich. Eigentlich.

Der rote Bereich beginnt erst bei 9000 Umdrehungen!

Der rote Bereich beginnt erst bei 9000 Umdrehungen!

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Grip und Balance

Der Motor im neuen 911 GT3 ist ein Meisterstück; mehr lässt sich nach heutigem Stand der Technik und unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften kaum aus einem freisaugenden Verbrennungsmotor herausholen. Kombiniert wird der Motor wahlweise mit einem perfekt und irrwitzig schnell schaltenden Doppelkupplungsautomaten oder mit einer präzisen 6-Gang-Handschaltung; auch das ist heutzutage eine echte Seltenheit.

Auf Wunsch kommt der GT3 mit Schalensitzen und gar Überrollbügel. Eine 6-Gang-Handschaltung ist ebenfalls zu haben.

Auf Wunsch kommt der GT3 mit Schalensitzen und gar Überrollbügel. Eine 6-Gang-Handschaltung ist ebenfalls zu haben.

Bild: zVg

Der Motor ist aber bei weitem nicht das Einzige, was am neuen GT3 beeindruckt. Trotz grösserer Abmessungen, aufwendigerer Abgasreinigung und grösserer Bremsanlage ist der Neue nicht schwerer als sein Vorgänger. Hinzu kommt die komplett neu gestaltete Aerodynamik. Der nun von oben aufgehängte Heckflügel, der grosse Diffusor am Unterboden und die Front mit grossen Luftauslässen sorgen dafür, dass der Wagen auch bei hohen Tempi noch zuverlässig auf die Strasse gepresst wird. Abgerundet wird das Paket schliesslich vom komplett neu konstruierten Fahrwerk, das sich grundsätzlich von dem in den zivileren 911-Versionen unterscheidet. Der grösste Unterschied findet sich an den Vorderrädern, die über doppelte Querlenker aufgehängt sind. Das sorgt für besseren Bodenkontakt – auch in schnell gefahrenen Kurven und lässt den GT3 in Verbindung mit der serienmässigen Hinterachslenkung noch kurvengieriger wirken.

Trotz schärferer Gesetze bietet der GT3 in der Neuauflage ein nochmals intensiveres Fahrerlebnis. Ein vernünftiges Auto für jeden Tag will der Sportler gar nicht erst sein; viel mehr ein Rennpferd für ausgewählte Momente.

Porsche 911 GT3

Motor: 6 Zyl. Boxer, 3996 ccm

Leistung: 510 PS / 470 Nm

Antrieb: Aut. 7-Gang, RWD

L×B×H: 4573x1852x1279 mm

Kofferraumvolumen: 132 l

Gewicht: 1435 kg

0–100 km/h: 3,4 Sek.

Vmax: 318 km/h

Verbrauch (Werk): 12,4 l/100 km

Preis: ab 209 800 Franken

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