Mercedes EQE
E steht nun für elektrisch

Ob als Taxi oder Geschäfts-Limousine: Die E-Klasse ist das Herz von Mercedes. Nun kommt mit dem EQE eine elektrische Alternative.

Philipp Aeberli
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Der EQE übernimmt die fliessende Formensprache des grösseren Mercedes EQS für wenig Luftwiderstand. Durch die kompakteren Abmessungen wirkt er aber deutlich handlicher.

Der EQE übernimmt die fliessende Formensprache des grösseren Mercedes EQS für wenig Luftwiderstand. Durch die kompakteren Abmessungen wirkt er aber deutlich handlicher.

Bild: zVg

Die E-Klasse ist so etwas wie das Fundament der Marke Mercedes. Sie steht für fortschrittliche Technik, Sicherheit, Komfort und vor allem: solide Qualität. Seit den 1970ern-Jahren findet sich der Buchstabe «E» in den Typenbezeichnungen der Stuttgarter – und ist seither Synonym für treue und zuverlässige Begleiter, sei es als Taxi über Hunderttausende von Kilometern, als Reiselimousine für Geschäftsleute oder als praktischer Familienkombi.

Mit dem EQE startet nun die elektrische Alternative zur E-Klasse, die folglich an ziemlich strengen Massstäben gemessen wird. Doch die Voraussetzungen sind mehr als nur gut, schliesslich hat der neue EQE einen in E-Auto-Kreisen schon fast berühmten grossen Bruder: Den EQS, das E-Auto mit der derzeit grössten Reichweite. Mehr als 780 km sind laut WLTP-Messung möglich. Beim EQE sind es maximal 654 Kilometer laut WLTP. Der Unterschied lässt sich logisch erklären: Denn nicht nur optisch, sondern auch technisch ist der EQE in vielen Bereichen eine kleinere Version der elektrischen S-Klasse. Die im Unterboden verbaute Batterie verfügt hier über zehn statt zwölf Module, wodurch die maximale Kapazität von 107,8 auf 90,6 kWh sinkt. Durch den kleineren Akku lädt der EQE noch mit maximal 170 kW, das Laden von 10 bis 80% dauert an einer Schnellladestation 32 Minuten.

Viel Aufwand für viel Ruhe

Wie im EQS kommt auch im EQE eine aufwendige Konstruktion zum Einsatz, um den Innenraum möglichst frei von Fahrgeräuschen zu halten. Gerade bei einem E-Auto ist dies besonders wichtig: Da das prägnante Geräusch eines Verbrennungsmotors fehlt, fallen Störgeräusche durch Fahrtwind, Fahrwerk oder Reifen umso stärker auf. Die Achsen sind an von der Karosserie entkoppelten Hilfsrahmen montiert, die E-Motoren, wahlweise einer an der Hinterachse oder in der Allrad-Version je einer vorne und hinten, sind wiederum von den Hilfsrahmen entkoppelt montiert. So können sich kaum Schwingungen von Antrieb und Fahrwerk in den Innenraum übertragen. Das klingt theoretisch, leuchtet aber auf der ersten Testfahrt sofort ein: Der EQE rollt genauso souverän und geschmeidig, wie sein grösserer Bruder. Einfach nur eine verkleinerte Kopie des EQS will die obere Mittelklasse EQE aber nicht sein. So ist das Fahrwerk eine Spur knackiger abgestimmt, aber trotzdem noch weiterhin in erster Linie dem Federungskomfort verpflichtet. Durch die kompakteren Abmessungen – minus 27 Zentimeter – wirkt der EQE ohnehin deutlich handlicher. Der Wendekreis ist, dank stark einschlagender Hinterachslenkung, mit 10,7 Metern auf Kompaktklasse-Niveau, womit sich der EQE auch in der Stadt sehr handlich anfühlt – immerhin handelt es sich hier um eine fast fünf Meter lange Limousine!

Nur als Limousine zu haben: Mercedes EQE.

Nur als Limousine zu haben: Mercedes EQE.

Bild: zVg

Der Kombi stirbt aus

Stichwort Limousine: Eine elektrische Alternative zum besonders in der Schweiz beliebten E-Klasse-T-Modell wird es nicht geben; Mercedes lässt die Kombis regelrecht aussterben und konzentriert sich stattdessen auf die beliebteren SUVs. Auch die praktische, am Dach angeschlagene Heckklappe, wie sie beim grossen EQS verbaut wird, gibt es im EQE nicht. Hier muss ein kleiner Kofferraumdeckel, wie er bei konventionellen Limousinen üblich ist, genügen. So ist der Kofferraum mit 430 Litern Volumen zwar geräumig, Sperriges wird man durch die Heckklappe allerdings nicht laden können. Dafür profitieren die Insassen auf der Rückbank, da die Kopffreiheit nicht durch die Scharniere der Heckklappe beeinträchtigt wird. Das Platzangebot ist hier absolut ausreichend. Ein Gepäckfach unter der vorderen Haube, meist eine praktische Ablage für Ladekabel, bietet Mercedes auch beim EQE nicht an. Dafür gibt es aber eine sinnvolle Auswahl an Antriebsvarianten. Den Einstieg bildet der EQE 350+, der dank Hinterradantrieb besonders sparsam unterwegs ist – und deswegen auch die höchste Reichweite erzielt. Der EQE 43 AMG, der ebenfalls ab sofort bestellbar ist, legt den Fokus auf Fahrspass: Zwei E-Maschinen sorgen hier für Allrad, 476 PS und 858 Nm. Damit gelingt der Sprint auf 100 km/h in nur 4,2 Sekunden, die Reichweite liegt bei 533 km laut WLTP. Der Spass kostet mindestens 121100 Franken. Dazwischen wird sich später der EQE 500 4Matic einreihen.

Das Cokcpit ist im EQE immer voll digital.

Das Cokcpit ist im EQE immer voll digital.

Bild: zVg

Während im Basismodell ein Infotainmentsystem mit Tacho-Einheit und Touchscreen im Hochformat wie in der aktuellen S-Klasse zum Einsatz kommt, ist in den höheren Versionen auch der «Hyperscreen» wie im EQS zu haben, der den Innenraum fast komplett digitalisiert. Eine Spielerei, die gut zum futuristischen Charakter des EQE passt; notwendig ist das aber kaum, da auch das Basis-System mit guter Bedienung und allen relevanten Funktionen überzeugt – inklusive Routenplanung samt benötigter Ladestopps.

Mercedes EQE 350+

Motor: E-Maschine PSM

Leistung: 292 PS/565 Nm

Antrieb: Aut. 1-Gang, RWD

L×B×H: 4946×1961×1512 mm

Kofferraumvolumen: 430 l

Gewicht: 2355 kg

0–100 km/h: 6,4 Sek.

Vmax: 210 km/h

Reichweite WLTP: 654 km

Preis: ab 84300 Franken

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