Honda

Kleiner Spassteufel

Honda Civic Type R

Honda Civic Type R

Mit dem Civic Type R beweist Honda endlich wieder einmal seine Kompetenz in Sachen Fahrfreude.

Man darf sich in Anbetracht des Honda Civic Type R schon fragen, wie viel Kraft es allein auf die Vorderräder noch erträgt. Ob das auch wirklich Sinn ergibt, dass der Japaner jetzt «benchmark» ist bei den frontgetriebenen kompakten Sportlern, 310 PS, 400 Nm maximales Drehmoment, 5,7 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100, Vmax 270 km/h, knapp über 7:50 auf der Nordschleife. Wir wagen die Prognose: es wird dies der letzte frontgetriebene Type R sein. Und fügen gleich an: allein das ist ein guter Grund, sich dieses Fahrzeug zuzulegen. Denn, eben, die Zukunft wird nicht besser, nur schwerer. Und langweiliger.


Er zeigt noch andere Grenzen auf, der schnellste Civic. Seine optischen, zum Beispiel: man muss schon ein paar Folgen zu viel von «Fast & Furious» gesehen haben, um das toll zu finden. Der mächtige, immerhin schön geschwungene Flügel hinten geht noch, es gibt aber halt auch sonst noch Spoilerchen und Flügelchen und Flaps allerorten. Und eine vierflutige Auspuffanlage, die Show ist, aufgesteckt auf zwei dünne Röhrchen. Auch innen ist es ein bisschen viel, erstens einmal die Anzahl der verwendeten Materialien, zweitens die Mischung aus Standard-Civic und Type-R-Insignien, die nicht überall total gelungen ist. Liebevoll gemacht ist der Civic trotzdem, Honda erhebt zwar nicht den ewigen Premium-Anspruch, doch qualitativ sind die Fahrzeuge immer auf sehr hohem Niveau.

Drei Generationen Honda Civic Type R

Drei Generationen Honda Civic Type R

Was man ebenfalls uneingeschränkt loben kann: die Sitze. Was noch viel mehr Lob verdient: das winzige Schaltstöcklein. Es liegt perfekt in der Hand. Und man bedient damit vielleicht eines der aktuell besten Getriebe überhaupt, wunderbar kurze Wege, ausgezeichnete Präzision – und perfekte Anschlüsse. Dass es den Type R nur mit dem manuellen 6-Gang-Getriebe gibt, ist eine deutliche Ansage: ein Auto für Fahrer will er sein, der beflügelte Civic. Nun, dem können wir nicht ganz zustimmen: es ist viel Elektronik am Werk. Gut, das ist immer so, sowieso dann, wenn es noch ein Knöpfchen gibt, mit dem sich ein Wagen scharfstellen lässt: beim Honda ist es links aussen, der R-Modus. Dann werden die Ührlein rot, die Lenkung wird schwergängiger, der ganze Wagen steifer, die Gasannahme nochmals verschärft, der Ton etwas rauer. Um ehrlich zu sein: erst dann wird der Honda zum Spielzeug, das man in ihm erwarten will. Im R-Modus liegt der Wagen wie ein Brett, herrliche Präzision, ausserordentliche Balance – das ist so gut, dass das ESP, zwar grosszügig ausgelegt, kaum mehr je eingreift, auch auf der Rennstrecke nicht. Auch die Bremse ist fein, vorne Brembo, 350 Millimeter, innenbelüftet, gut dosierbar, auch über längere Strecken rennstreckentauglich.


Dass es Honda mit den Motoren kann, ist nicht neu, die Japaner sind schliesslich die grössten Motorenhersteller der Welt. Auch der 2-Liter-Vierzylinder, der erstmals die Honda-VTec-Technik mit einem Turbo kombiniert, ist ein wirklich feines Aggregat. Zwar geschieht bis etwa 2400/min nicht viel, doch dann wird vom klein dimensionierten Gebläse herrlich Druck aufgebaut, wunderbar linear bis 7000/min. 7,3 Liter will das Wunderwerk auf 100 km verbrauchen, das ist ein beachtlicher Wert ist diesem Feld der kleinen Sportler. Knapp 1400 Kilo Kampfgewicht sind aber auch eine gute Ansage, da können nur wenige Konkurrenten mithalten. Und dann schreiben wir auch einmal von Geld. 36 000 Franken kostet so ein Honda Civic Type R in der Schweiz in der Basis, mit dem eigentlich unabdingbaren GT-Paket sind es 39 000 Franken. Der Type R, von allen «hot hatches» am konsequentesten auf puren Fahrspass ausgerichtet, dürfte derzeit die Zielgrösse sein in diesem Segment, auch gegen alle GTI und Cupra und RS. Und das sicher nicht nur deshalb, weil er das beste Verhältnis von Preis zu Leistung bietet.

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