Alfa Romeo

Kann denn Liebe Sünde sein?

Alfa Romeo 4C

Alfa Romeo 4C

Kürzlich hat Fiat-Boss Marchionne erklärt, wie es weitergehen wird mit Alfa Romeo. Sehr viel Geld will er investieren, mindestens5 Milliarden Euro bis 2018, um aus der italienischen Legende eine globale Marke zu machen.

Alles soll künftig anders werden, grossartiges italienisches Design, Hinterrad antrieb – die Visionen des Sergio M. sind hochtrabend. Dabei parkt doch das Automobil, mit dem Alfa Romeo sich in die Herzen der Kunden zurückfahren kann, bereits vor der Tür. Einverstanden, der 4C ist nur eine Kleinserie. Monocoque aus Carbon, das ist extrem teuer in der Fertigung und sehr kompliziert. Damit lässt sich eine Marke nicht retten, damit kommen die Italiener nicht auf die Stückzahlen, die sie dringend benötigen. Doch der 4C, der bei Maserati in Modena gebaut wird, hat ansonsten alles, was es braucht, um die deutschen Perfektionisten von Audi und BMW das Fürchten zu lehren. In erster Linie: wunderbare, pure Emotion.

Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters, doch es gibt – mit Ausnahme des Scheinwerferkonstrukts – wohl nicht viel, was sich gegen das Design des 4C einwenden liesse. Er ist ein Winzling, weniger als 4 Meter lang. Und er ist nur gerade 895 Kilogramm schwer. Das ist ein sensationeller Wert. Und es hat zur Folge, dass es keinen grossen, fetten Motor braucht, um auf hervorragende Fahrleistungen zu kommen, die 240 PS aus dem 1,8-Liter-Vierzylinder katapultieren den Italiener in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, machen ihn über 250 km/h schnell.

Noch viel wichtiger ist aber die Art und Weise, wie die Maschine zur Sache geht: laut, sehr laut sogar – aber für die Fans ist das einfach nur wunderbare Musik. Der Motor ist mittig eingebaut, die Kraftübertragung nach hinten erfolgt über ein 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Dieses ist, na ja, der VW-Konzern kann das besser. Selbstverständlich hat der Italiener Schwächen. Die Verarbeitung könnte sauberer sein. Das Innenleben etwas liebevoller gestaltet. Das Fahrwerk etwas weniger giftig abgestimmt. Die Sitze könnten bequemer sein und es fehlt eine Beifahrersitzverstellung. Ansonsten hat der Alfa alles, was man von einem modernen Automobil erwarten kann, einen Spurhalte-Assistenten (in Form des Lenkrads), einen Regensensor (indem der Fahrer da rechts an einem Schalter rumfummelt), einen Tempomaten (der heisst Gasfuss), und er hat auch ein Abstandsradar, nämlich die Augen des Piloten in Zusammenarbeit mit der Bremse. Genau so soll es auch sein, der Fahrer fährt, nicht irgendeinen Computer-Algorithmus, der sämtliche Fahrfreude irgendwo im Sumpf der Elektronik versickern lässt. Das fordert die Pilotin, den Besitzer, doch das darf so sein bei einem Alfa Romeo. Schlaftabletten auf Rädern gibt es andernorts schon genug.

Wundersamerweise verbraucht der 4C nur 7,4 Liter für 100 Kilometer. Das ist für ein Fahrzeug mit diesen sportlichen Möglichkeiten, die auch gerne genutzt werden, ein schlicht sensationeller Wert. Und der Beweis dafür, dass Gewicht der grösste Feind von umweltfreundlicheren Automobilen ist. Auch der Preis von ab 66  000 Franken ist ein kleines Wunder, bei der (deutschen) Konkurrenz kosten solche Fahrleistungen eigentlich immer einen sechsstelligen Betrag. Mit dem 4C ist Alfa ein Meisterwerk gelungen. Völlig überraschend, quasi aus dem Nichts hat die italienische Marke bewiesen, dass sie ihre Geschichte verstanden hat, dass sie noch zu den ganz grossen automobilen Emotionen fähig ist, dass sie richtig grossartige Fahr zeuge bauen kann. Darauf sollte Sergio Marchionne in Zukunft bauen, nicht auf 5-Jahres-Pläne, wie sie einst die DDR kannte.

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