Der Octavia ist ein Phänomen. Er verkauft sich in der Schweiz wie frisch geschnittenes Brot, ist hinter seinem technischen Zwilling, dem VW Golf 7, das am zweitmeisten verkaufte Auto in der Schweiz. Und würde wohl gar auf dem ersten Rang liegen, wenn der Schweizer Importeur nicht alles unternehmen würde, um dem seit 38 Jahren ganz vorne liegenden Golf die Spitzenposition zu sichern.

Zumindest der Erfolg des Octavia hat gute Gründe, denn das Verhältnis von Preis zur Leistung ist anständig. Wobei, man das schon klar sehen muss: Eine Billigmarke ist Skoda schon lange nicht mehr (eine solche hat in den Überlegungen des VW-Konzerns vorerst keinen Platz), der Octavia ist ausstattungsbereinigt nur ein paar Hunderter günstiger als der Golf. Aber er bietet ein deutliches Plus an Raum, und das ist für viele (Flotten-)Kunden sicher ein sehr gutes Argument.

Mit dem Scout, der Ende Sommer eingeführt wird, bringt Skoda nun eine Modell-Variante, die sich in der Schweiz einiger Beliebtheit erfreuen dürfte. Allradantrieb ist hierzulande ja sowieso ein gefragtes Asset, die um 3,1 Zentimeter erhöhte Bodenfreiheit macht den Octavia zwar nicht schöner, aber auf Abwegen tauglicher, und die Plastikanbauteile suggerieren einen Hauch von Abenteuer. Weil Skoda kein echtes SUV anbieten darf (irgendwo hat die Liebe von Wolfsburg zur tschechischen Tochter ein Ende, deshalb gibt es ja auch keinen Mini-Van, obwohl der bestens ins Skoda-Programm passen würde), übernimmt der Octavia Scout die Rolle des Stadt Indianers. Ja, natürlich kann er Gelände. Der Allradantrieb kommt aus den tiefen Konzern-Regalen, eine Haldex-5-Lösung, das ist ganz nett; wer aber händischen Einfluss oder gar Sperren erwartet, der muss sich bei anderen Marken umschauen. Für ein bisschen Schnee oder einen ausgefahrenen Feldweg reicht das aber alleweil, und das ist ja in geschätzt 100 Prozent aller Fälle der Verwendungszweck von solchen Fahrzeugen (inkl. aller SUV). Theoretisch können, aber bitte nie müssen, so heisst da die Devise. Wer es etwas wilder treiben will, dem bietet Skoda gegen Aufpreis noch ein Schlechtwege-Paket an; da gibt es dann auch den passenden Unterbodenschutz.

Innen gibts ein paar «Scout»-Insignien, ein spezielles Lenkrad, schmutzfestere Stoffe. Ansonsten ist alles wie gehabt, sauber gemacht, gute Verarbeitungsqualität, ergonomisch und haptisch ohne Fehl und Tadel. Und auch im Scout sitzen die hinteren Passagiere deutlich besser als im Golf, und auch im Scout ist der Kofferraum ein gutes Stück grösser. Ausserdem gibt es ja (noch) keine Abenteurer-Variante des deutschen Bestsellers ...

Die wohl wichtigste Neuerung für den Octavia kommt denn auch andernorts: beim Antrieb. Es gibt den starken 2-Liter-Diesel mit 184 PS, wie er schon in der Selbstzünder-Variante des RS eingebaut wird, jetzt auch mit einem 6-Gang Doppelkupplungsgetriebe. Genau diese Kombination – Kombi, Allrad, kräftiger Diesel, nicht selber schalten – lieben die Schweizer Kunden über alles, sie wird dem weiteren Octavia-Erfolg sicher nicht abträglich sein. Zumal sie bald nicht nur für den Scout, sondern auch für den «normalen» Octavia-Combi erhältlich sein wird. Den Scout gibt es ausserdem mit dem 1,8-Liter-Benziner (180 PS, ab 39’450 Franken) und der schwächeren Version des 2-Liter-Diesel (150 PS, ab 39’640 Franken); die Top-Variante wird ab 41’450 Franken zu haben sein. Wie hoch genau der Aufpreis für einen Scout gegenüber einem normalen 4x4-Octavia-Combi ist, lässt sich nicht so genau ermitteln, dafür sind die Ausstattungsmerkmale zu verschieden.

Ganz günstig ist das Abenteuer Feeling sicher nicht, doch Herr und Frau Schweizer zahlen auch bei anderen Marken gern einen saftigen Aufpreis für das Düftchen von der grossen, weiten Welt, für die kleine Flucht aus dem Alltag, weshalb sollte Skoda da nicht auch zulangen?